Kruse: Protestanten zu lange für Reform des Sozialismus

Der evangelische Berliner Altbischof Martin Kruse hat den politischen Kurs der ostdeutschen Protestanten nach dem Fall der Mauer kritisiert. Viele hätten versucht, gegen den Trend der Zeit „einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu schaffen“, sagte Kruse am Donnerstagabend in Berlin. Dabei sei auch „eine tiefe Abneigung gegenüber der westlichen Gesellschaft“ im Spiel gewesen. Die Katholiken hätten demgegenüber rasch am Aufbau der parlamentarischen Demokratie in Ostdeutschland mitgewirkt, so der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Darauf habe sie ihre Kirche in der Laienbildung vorbereitet. „Da haben wir etwas versäumt“, betonte Kruse. Er äußerte sich in der Katholischen Akademie bei einer Tagung über „Katholische Kirche und Friedliche Revolution – Lernschritte und Bewährungsproben“.

Der Beitrag der katholischen Kirche in der DDR zum Ende des SED-Regimes muss nach Einschätzung des Erfurter Kirchenhistorikers Josef Pilvousek neu bewertet werden. Sie habe ihren Kurs entgegen verbreiteter Meinung nicht erst im „Wendeherbst“ 1989 geändert, sagte er auf der gleichen Veranstaltung. Vor allem die „neuen“ Bischöfe wie Joachim Meisner (Berlin) und Joachim Wanke (Erfurt) hätten sich nach 1980 immer weniger an die bisherigen „Geschäftsgrundlagen“ in Beziehungen mit dem SED-Regime gehalten, erklärte Pilvousek. So hätten sie öffentliche Großveranstaltungen ohne vorherige Beratungen mit dem Staat angekündigt. Zudem hätten sie die internationalen Kontakte etwa durch die Einladung von Theologen aus Ost und West in die DDR verstärkt und in Hirtenbriefen die Stellung der Katholiken im SED-Staat kritisch beleuchtet. Dies habe die Machthaber irritiert und verärgert. DT/KNA

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