Konvertiten leben gefährlich

Ein Journalist in Ägypten fordert Religionsfreiheit – und muss um sein Leben fürchten

Als Christ in den Urlaub nach Ägypten zu reisen, ist in der Regel unproblematisch. Einheimische Christen jedoch, die früher Muslime waren, haben erhebliche Probleme. Wie Mohammed Ahmed Hegazy (geb. 1983). Der Journalist hatte sich im Alter von 16 Jahren dazu entschieden, vom Islam zum koptischen Christentum zu wechseln. Als er und seine Frau acht Jahre später ein Kind erwarteten, beantragte Hegazy im August 2007 die staatliche Anerkennung seines Religionswechsels, damit sein Kind christlich getauft werden kann. In seinen Ausweispapieren sollte seine Religionszugehörigkeit von „Muslim” auf „Christ” abgeändert werden. Sein Antrag wurde jedoch von der zuständigen Behörde abgelehnt. Hegazy beschritt darauf den Rechtsweg, der bis zum Obersten Verwaltungsgerichtshof führte. In Ägypten wird die Religionszugehörigkeit obligatorisch im Personalausweis eingetragen. Seit Jahrzehnten fordern verschiedene Gruppen die Streichung dieses Eintrages, da er nur der Diskriminierung der Nicht-Muslime diene. Die Konversion vom Christentum zum Islam wird dagegen umgehend in den Personaldokumenten verzeichnet. Nach der Scharia, dem islamischen Recht, gilt jedes Kind eines muslimischen Vaters automatisch auch als Muslim.

Als Hegazy das Recht auf Religionswechsel verweigert wurde, klagte er im Oktober 2007 gegen diese Entscheidung. Am 29. Januar 2008 entschied der Oberste Verwaltungsgerichtshof von Ägypten in Kairo, dass es für einen Muslim gegen das Gesetz sei, den Islam zu verlassen. Nur der Wechsel von anderen Religionen in den Islam sei zulässig. Im Februar vergangenen Jahres legte Hegazy Berufung gegen das Urteil ein. Das Gericht weigerte sich, den Antrag anzunehmen.

Seit er für sein Recht auf Religionsfreiheit öffentlich eintritt, muss Hegazy mit seiner Frau und seiner Tochter im Untergrund leben, da islamische Extremisten versuchen, sie zu töten. Mehrfach musste er mit seiner Familie umziehen. Im Oktober 2007 wäre es einer Gruppe von Islamisten fast gelungen, Hegazy aufzuspüren. Einer seiner Anwälte hatte seine Adresse weitergegeben. Hegazy wurde noch rechtzeitig gewarnt und konnte das Haus verlassen, bevor die Islamisten es besetzten. Nach mehrtägiger Wache zündeten sie aus Wut das Haus einer befreundeten Nachbarin an. Sie kam in den Flammen um.

Max Klingberg, Mitarbeiter der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, ist Hegazy an einem geschützten Ort in Ägypten begegnet: „Hegazy braucht internationale Fürsprache, seine Familie finanzielle Unterstützung. Unter den gegebenen Umständen wäre es besser, wenn Hegazy ein Gastland finden könnte, von dem er aus sein Recht erstreiten kann, denn mit jeder Mitteilung an Hegazy wird auch Extremisten seine Adresse bekannt, sooft er auch bisher umgezogen ist.“ Der Journalist hat Klingberg ein Schreiben mitgegeben, in dem er Bundeskanzlerin Merkel sowie Außenminister Steinmeier bittet, ihm zu helfen, Ägypten zu verlassen und politisches Asyl für ihn und seine Frau sowie die zehn Jahre alte Tochter Mariam zu erhalten. Hegazy, so teilte Klingberg mit, wolle auf seinem Recht beharren. Sein Ziel sei es, mit seinem Schicksal auf die Probleme aller Konvertiten in Ägypten aufmerksam zu machen.

Der ägyptische Jesuit P. Samir Khalil Samir, ein international ausgewiesener Experte für Fragen des Islam und der arabischen Welt, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur „Asianews“: „Die Konversion vom Islam wird als religiöser, sozialer und politischer Skandal betrachtet. Wenn sich jemand zum Christentum bekehrt, ermutigt er andere, diesem Beispiel zu folgen und wird zu einer Plage für die Gesellschaft. Wenn jemand den Islam verlässt, wird er als Verräter und als Spion gegen die eigene Nation angesehen, der daher den Tod verdient. Die ägyptische Regierung zum Beispiel, erklärt offiziell, dass wer immer sich zu einer anderen Religion konvertiert, einen Anschlag auf die nationale Einheit verübt“.

In Ägypten ist für Apostaten keine Todesstrafe vorgesehen. Dennoch werden Konvertiten häufig wegen anderer vorgeschobener Verbrechen bestraft. In Ägypten wurden mehrere Fälle von Konvertiten bekannt, die in Verbindung mit ihrem Glaubenswechsel zum Christentum in Haft oder in die Psychiatrie gekommen sind. Außerdem droht des Glaubensabfalls verdächtigten Personen die Gefahr, durch fanatische Muslime verletzt oder getötet zu werden.

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