Kommentar: Sony ist nur der Anfang

Von Clemens Mann

Weitere 25 Millionen Nutzerkonten mit sensiblen Daten: Etwa zwei Wochen nachdem Unbekannte beim japanischen Elektronik- und Unterhaltungskonzern Sony durch einen Hackerangriff an die Daten von 77 Millionen Usern gelangten, verkündet das Unternehmen die nächste Hiobsbotschaft. Dass es sich dabei nicht um die letzte Datenpanne handeln wird und Sony lediglich in einer Reihe von Datenschutzskandalen eingeordnet werden muss, sollte jedem Internetnutzer klar sein. In einer modernen vernetzten Welt ist kein Sicherheitssystem der Welt vor dem Zugriff durch Cyber-Kriminelle gewappnet. Dennoch: Die Politik muss endlich das heiße Eisen anpacken und den Datendieben das Leben schwerer machen. Angesichts der Skandale der letzten Monate bei Sony, Apple, Google und Co. ist es unverständlich, warum netzpolitische Fragen immer noch ein elendiges Dasein ganz unten auf der politischen Agenda fristen.

Welche Möglichkeiten aber gibt es? Die Politiker sollten sich die Vorschläge des neugegründeten Vereins „Digitale Gesellschaft“ genauer anschauen: Die Aktivisten fordern empfindliche Strafen für Unternehmen, die fahrlässig mit den Nutzerdaten umgegangen sind und nicht ausreichend in ihre Sicherheitsvorkehrungen investiert haben. Zugleich verlangt der Verein im Prozessfall eine Umkehrung der Beweislast: Nicht mehr der betroffene Nutzer solle beweisen müssen, dass das Unternehmen Schuld hat am Diebstahl seiner Daten – das ist schwer möglich –, sondern die Unternehmen müssen glaubhaft darlegen, ausreichend für die Sicherheit getan zu haben. Zugleich sollten die Nutzer von Firmen informiert werden, welche Daten von Ihnen gespeichert sind und dass sie ein Recht auf Löschung geltend machen können. Sinnvoll wäre außerdem eine sogenannte „Privacy first“-Regelung bei den Privatsphären-Einstellungen in sozialen Netzwerken. So wäre von der Anmeldung an nicht Tür und Tor geöffnet für die Datensammelwut von Netzwerken wie Facebook und StudiVZ.

Dass die Politik aber schnell zu einer für die Nutzer befriedigenden Lösung kommt, ist angesichts des wirtschaftlichen Lobbyismus zu bezweifeln. Sich „digitale Identitäten“ zuzulegen, scheint mittlerweile angebracht.

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