Kommentar: Neuer Streit um Suhrkamp

Von Alexander Riebel

Der Machtkampf um den Suhrkamp Verlag tobt weiter, der am vergangenen Montag einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Der Verlag ist zwar nicht zahlungsunfähig. Aber weil er per Gericht zur Zahlung einer Gewinnausschüttung von 2,2 Millionen Euro an den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach verurteilt wurde, hat er den Schutzschirm der Insolvenz aufgesucht. Doch Barlach lässt nicht locker, schon mehrere Prozesse hatte er gegen die Suhrkamp-Leitung begonnen. Noch am 28. Mai hatte Barlach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt, er habe einen „vorläufigen Verzicht auf seine Forderungen angeboten“. Doch da waren nach dem bisherigen Verhalten Barlachs Zweifel angemeldet. Auf Anfrage der „Tagespost“ bei Verlag erklärte dessen Pressesprecherin Tanja Postpischil, eine Verzichtserklärung der Gesellschafter zu den Ausschüttungsansprüchen gebe es nicht. Alles spricht dafür, dass Barlach im Hause Suhrkamp die Macht übernehmen will.

Sein neuester Coup ist, mit rechtlichen Schritten gegen das Insolvenz-Schutzschirmverfahren vorzugehen. Denn durch den Schutzschirm muss der Verlag drei Monate lang kein Geld an Gläubiger auszahlen. In einem Insolvenzverfahren können auch Maßnahmen im Gesellschafterrecht getroffen werden. Barlach wird befürchten, dass ihm die Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz Hindernisse in der Weg legen könnte. Barlach verlangt eine neue Geschäftsführung, aber es ist zu vermuten, dass er eine Fortführung des Verlags unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten anstrebt.

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