Kommentar: In memoriam Robert Edwards

Von Stefan Rehder

Robert G. Edwards ist tot. Der 1925 in Leeds geborene „Schöpfer“ des weltweit ersten Retortenbabys, der für seine Arbeiten zur extrakorporalen Laborzeugung von Menschen 2010 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, verstarb nach Angaben der Universität Cambridge am Mittwoch nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren.

Natürlich verbietet es sich auch für eine katholischen Zeitung, darüber zu spekulieren, an welchem Ort Edwards sich wohl jetzt aufhalten mag, doch verwundern die undifferenzierten Nekrologen, mit denen die sonst so kritischen säkularen Medien das Lebenswerk des Verstorben in den vergangenen Tagen in der Mehrzahl bedacht haben, schon sehr.

Kein Wort darüber, dass Robert Edwards und sein Partner, der bereits 1988 verstorbene Gynäkologe Patrick Steptoe, Lesley Brown, die Mutter der 1978 geborenen Louise Brown, in dem Glauben ließen, sie unterziehe sich einer etablierten Therapie, mit der schon hunderte gesunde Babys erzeugt worden seien. Dass Edwards und Steptoe zuvor nur Fehlversuche aneinander gereiht hatten – seriöse Schätzungen sprechen von „mindestens 60“ – erfuhr die an einem Verschluss der Eileiter leidende Patientin erst später. Kein Wort darüber, dass Edwards bei seinen Versuchen weit mehr als 100 Embryonen zerstörte, von denen er einige zuvor mit seinen eigenen Spermien erzeugt hatte. Und erst recht kein Wort darüber, dass Edwards, der seine Experimente bis zur Geburt von Louise Brown damit zu rechtfertigen pflegte, dass er im Falle eines Erfolgs unfruchtbaren Paaren zu Kindern verhelfen könne, auch ganz andere Töne angeschlagen konnte. In einem Beitrag für den „Scientific American“, den er 1970 zusammen mit seiner Frau Ruth Fowler verfasste, empfahl Edwards nämlich, die In-Vitro-Fertilisation (IVF) auch als Methode zur Vermeidung von Menschen mit Behinderungen sowie zur Geschlechtsselektion einzusetzen.

Empfehlungen, die von anderen längst in die Tat umgesetzt wurden. So gesehen hatte das Nobelpreiskomittee durchaus recht, als es die Arbeiten des Briten als „Meilenstein in der Entwicklung der modernen Medizin“ pries, durch die ein ganz neues Gebiet der Medizin entstanden sei. Eines, das die Menschen, die es tötet, erst einmal erzeugt. Eigenhändig und gegen Geld – natürlich.

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