Klangräume für die sakrale Musik unserer Tage schaffen

Klingende Offenbarungen in mehreren Städten – Die Tage neuer Kirchenmusik in Bayern. Von Barbara Stühlmeyer

Alte Musik ist eine ganz neue Erfindung. Denn in früheren Jahrhunderten wurde die Musik für den Gottesdienst, aber auch die für weltliche Anlässe in jeder Zeit je neu geschrieben. Kaum jemand kam auf die Idee, sich mit älteren Kompositionen zu beschäftigen oder sie gar aufzuführen. Wer es dennoch tat, war in der Regel Komponist und wollte die Werke seiner Vorgänger studieren, um sich weiterzubilden. Heute ist die Situation genau umgekehrt. Die in unseren Kirchen oder in Konzertsälen erklingende Musik stammt überwiegend aus dem 16., 17., 18. oder 19. Jahrhundert. Es ist gut und wohltuend, diese Musik zu spielen und zu hören, aber es öffnet auch neue Perspektiven, sich mit Musik zu beschäftigen, die in unserer Zeit entstanden ist.

Zeitgenössische Musik bedarf genau wie zeitgenössische Kunst oder moderner Kirchenbau einer besonderen Aufmerksamkeit. Es ist im Wortsinn Not-wendig, ihnen Raum zu geben, um auf diese Weise zu hören, zu sehen und zu spüren, was der Geist den Gemeinden heute sagt. Aus dem Schatz der Kirchenmusik, wie die Liturgiekonstitution es fordert, Altes und Neues herauszuholen, lädt die für sie Verantwortlichen dazu ein, Klangräume für die sakrale Musik unserer Tage zu schaffen. In Bayern finden im Oktober zum vierten Mal die Tage neuer Kirchenmusik statt. Bis zum 18. Oktober werden Gottesdienste und Konzerte in bayerischen Diözesen und darüber hinaus auch durch die Aufführung in Bayern lebender Komponisten in anderen Diözesen zu Erlebnisräumen für zeitgenössische Kirchenmusik. Das Spektrum der Kompositionen und Konzepte ist von beeindruckendem Facettenreichtum.

Da gab es in St. Peter und Paul Augsburg ein Gesprächskonzert mit Musik zu Teresa von Avila mit Werken von Younghi Pagh-Paan, einer koreanische Komponistin, die in diesem Jahr den Europäischen Kirchenmusikpreis erhielt, Camille van Lunen, Arvo Pärt und Werner Egk. Der aus Sänger/-innen aus sieben Nationen bestehende Kammerchor Capella Mariana der Stadtpfarrkirche St. Marien Hof führte am Fest des heiligen Franziskus im Sonntagsgottesdienst unter dem Titel „Klangrede,“ eine inspiriert durch die Enzyklika „Laudato si“ entstandene und Papst Franziskus gewidmete Vertonung des Sonnengesangs von Ludger Stühlmeyer auf, die lateinamerikanische Rhythmik mit traditionellen gregorianischen Formen der Rezitation verband. Der Eichstätter Domkapellmeister Christian Heiß, selbst Komponist, spannte in einem Chorkonzert den Bogen von Johann Sebastian Bach über Anton Bruckner bis zu Urmas Sisask, Ola Gjelo und Peter Planavysky.

Geistliches und weltliches Gedenken verbanden eine Reihe von Organisten in der Münchener Herz-Jesu-Kirche in der Orgelnacht am Tag der Deutschen Einheit, in der für jedes alte oder neue Bundesland eine zeitgenössische Komposition erklang. Dass neue Musik auch für Kinder eine spannende Angelegenheit ist, zeigten Wolf Erlbruch, Robert und Stephanie Pernpeintner in ihrem Konzert für Orgel und Sprecher in St. Nikolaus in Zwiesel mit dem witzigen Titel „Die fürchterlichen Fünf“. Kantor Christoph Schenk, der sich in Regensburg nachhaltig für zeitgenössische Musik einsetzt und diese seiner Pfarrei St. Konrad in Gottesdiensten und Konzerten präsentiert, brachte in einem Gottesdienst unter dem Motto des Psalms 96 „Singt dem Herrn ein neues Lied“ am 3. Oktober eigene und Werke seines Kollegen Michael Funke aus Bayreuth zum Klingen. Die Zahl der Gottesdienste und Konzerte, in denen zeitgenössische Sakralmusik präsentiert wurde, ist bei weitem zu groß, um alle zu nennen, aber diese Auswahl aus den bayerischen Bistümern zeigt, wie vielfältig neue Kirchenmusik sein kann, wie tief sie in der kirchenmusikalischen Tradition verwurzelt ist und wie viele und unterschiedliche Menschen sie anspricht.

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24.09.2021, 10 Uhr
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