Würzburg

"Ja" zu christlichen Tattoos

Wer ein christliches Zeichen auf der Haut trägt, der kann seinen Glauben nicht mehr verleugnen, meint der in Kairo lebende Seelsorger Joachim Schroedel. Ein Gastkommentar.
Christliche Tattoos
Foto: Georg Ismar (dpa) | Inmitten einer muslimischen Mehrheit ist das kleine Kreuz an der Hand oder gar ein Mutter-Gottes-Tattoo am Arm ein Bekenntniszeichen. Es ist das auf die Haut eingeschnittene Glaubensbekenntnis!

Die von mir hoch geschätzte Redakteurin der Tagespost, Regina Einig, hat das zugegeben seltsame „Event“ des „Tätowieren in der Kirche“ vor wenigen Tagen in der Liebfrauenkirche zu Frankfurt benutzt, um in Kommentarform zu einer allgemeinen Kritik christlicher Tattoos anzusetzen. Worum ging's? Ein bekannter Tattoo-Künstler fand sich bereit, kostenlos für mehrere dutzend Interessierter kleine Tattoos zu stechen. Was ich auch nicht sehr gelungen fand: dass die Utensilien gesegnet wurden und die „Aktion“ direkt in einer  Kirche stattfand.

Ja: Ich bin tätowiert!

Ich lebe seit 26 Jahren in Ägypten. Und ja: Ich bin ich tätowiert!  Und etwa 80 Prozent der 15 Millionen Christen sind dies auch. Wenigstens ein kleines Kreuz an der Innenseite des Handgelenks. Schon die kleinen Kinder erhalten dieses Prägemal christlicher Identität. Mit einem Zitat aus dem Buch Levitikus (19,28) diese uralte Tradition von Millionen von Christen als „unchristlich“ zu desavouieren ist sehr fraglich. Der Vers davor verbietet das Schneiden von Haar und Bart. Ist das auch unchristlich und sind Friseure eigentlich Heiden? Inmitten einer muslimischen Mehrheit ist das kleine Kreuz an der Hand oder gar ein Mutter-Gottes-Tattoo am Arm ein Bekenntniszeichen. Es ist das auf die Haut eingeschnittene Glaubensbekenntnis!

Lesen Sie auch:

Wer ein christliches Zeichen auf der Haut trägt, der kann seinen Glauben nicht mehr verleugnen. Viele äthiopische Christen tragen sogar ein tätowiertes Kreuz auf der Stirn. Als ich dies zum ersten mal sah, dachte ich an unser Aschenkreuz. Ich habe es als Kind, aufgewachsen im Osten Deutschlands, stolz und selbstbewusst in die Schule getragen und wurde ausgelacht. Ein tätowiertes Kreuz an der Stirn passt gut zum Spruch, man biete „jemandem die Stirn“.

Dass, wie Regina Einig sagt, Tattoos „keine Probleme in der Kirche“ lösen, ist klar. Aber wenn jungen Menschen statt Tribal-Tattoos ein Kreuz oder der Name Jesus dauerhaft auf die Haut gebracht wird, scheint mir das ein gutes Angebot. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Joachim Schroedel Christen Glaubensbekenntnis Kreuz Seelsorgerinnen und Seelsorger

Kirche