Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 4. April

Boykottaufruf von Schauspielern
Internationale Zeitschriftenschau

Boykottaufruf von Schauspielern

Prominente Abtreibungsbefürworter haben laut Catholic Herald einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie androhen, den amerikanischen Bundesstaat Georgia zu boykottieren, sollte dessen Gouverneur ein Abtreibung für illegal erklärendes Gesetz unterzeichnen, wenn diese durchgeführt würde, nachdem der Herzschlag des Ungeborenen festgestellt werden kann. Das Gesetz HB 481 („Living Infants Fairness and Equality Act“) wurde kürzlich vom Senat von Georgia verabschiedet. Alle Republikaner stimmten dafür, alle Demokraten dagegen. Gouverneur Brian Kemp kündigte an, das Dokument zu unterschreiben. Zu den fast 50 Unterzeichnern des Offenen Briefes zählen bekannte Schauspieler wie Alec Baldwin, Sean Penn, Ben Stiller und Mia Farrow. Sie erklärten, dass sie alles täten, um die Filmindustrie in einen „für Frauen sichereren Staat“ umzusiedeln, falls dieser „gefährliche und zutiefst misslungene Entwurf“ Gesetz würde. Sie könnten sich nicht vorstellen, Mandatsträger gewählt zu haben, die ihren Wählern sagen müssten: „Ich habe ein Gesetz erlassen, das so schlecht war, dass es aus unserem Staatshaushalt Milliarden von Dollars hinaustrieb“. Georgia ist seit 2016 der favorisierte Standort für Filmemacher und hat damit Kalifornien verdrängt. Produktionsgesellschaften bekommen hier Steuervergünstigungen. Ein früherer Gesetzentwurf rief ebenfalls eine Boykottandrohung hervor. Der Entwurf sollte sicherstellen, dass kirchliche Amtsträger nicht zur Durchführung von gleichgeschlechtlichen Hochzeitszeremonien gezwungen werden können. Als Reaktion auf den Boykottaufruf legte der damalige Gouverneur sein Veto gegen das Gesetz ein.

Politisch korrekt unterrichten

Die älteste katholische Universität in Pennsylvania fährt in Sachen einer seit Herbst 2018 für ihren Lehrkörper geltenden „Diversitäts- und Inklusionspolitik“ harte Geschütze auf. Das Wall Street Journal veröffentlicht einen Artikel zweier Professoren an der Villanova University, in dem diese beklagen, dass „ein von Angst erfülltes Klima eines aufgezwungenen Schweigens eine echte geisteswissenschaftliche Ausbildung unmöglich macht“. Jeder Student solle pro Semester auf einem „Monitoring“-Formular nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch die Vorurteilsfreiheit und Toleranz seiner Professoren in Bezug auf deren „Sensibilität“ bewerten. Wie vorurteilsfrei seien sie, wenn es um „biologisches Geschlecht, Behinderung, Genderidentität, nationale Herkunft, politische Standpunkte, Rasse/Ethnie, religiöse Überzeugungen, sexuelle Orientierung, sozioökonomischer Status etc.“ geht? Kurzum, so schreiben Colleen Sheehan und James Matthew Wilson, „Studenten werden gebeten, Professoren nach deren wahrgenommener Zustimmung zu progressiven politischen Anschauungen über Vorurteile und Identität zu bewerten“. Rod Dreher kommentiert in The American Conservative: Das sei „erschütternd“. Welche Universität unterziehe ihre Professoren einer solchen ideologischen Bewertung durch ihre Studenten? Die Professoren, so Dreher weiter, sagen, „dass diese Politik die Fakultät verängstige, irgendetwas Kontroverses zu unterrichten – aus Furcht, bei Studenten etwas auszulösen (zu ,triggern‘)“. Sheehan und Wilson fragen: „Was ist angesichts des katholischen Charakters von Villanova mit der Sensibilität gegenüber sozialen Identitäten“? „Wer Lehrveranstaltungen über die katholische Lehre über Ehe und Familie abhält, muss jetzt vielleicht befürchten, dass seine eigene Universität solche Positionen und die, die sie unterrichten, als unsensibel oder noch Schlimmeres betrachtet.“

Politisch korrekt Theater spielen

Der Figaro berichtet über die Verhinderung einer Aufführung des griechischen Dichters Aischylos an der Sorbonne. „Antirassisten“ hätten den Eingang der Pariser Universität blockiert, weil die Schauspieler des Stückes „Die Schutzflehenden“, die Protagonisten aus Ägypten darstellen sollten, schwarze Masken trugen. Das sei rassistisches „Blackfacing“.

Politisch korrekt essen

Wie sehr Politik heutzutage mit Kultur, in diesem Falle mit „Esskultur“, zu tun hat, lässt sich einem Artikel der New York Times entnehmen. Chris Crowley empfiehlt darin 17 alternative „Chicken-Sandwiches“-Schnellrestaurants in New York, die sich als Option anbieten, wenn man nicht mehr die Fastfood-Kette „Chick-fil-A“ unterstützen möchte und stattdessen „ohne die Angst speisen will, dass man, wenn auch indirekt, die Hass verbreitende Kette unterstützt“. „Hassverbreitung“ bezieht sich hier auf die Spendenbereitschaft von Chick-fil-A. 2017 vergab die Chick-fil-A-Foundation fast zehn Millionen Dollar an Gesellschaften in ganz Amerika. Zuzüglich von fast neun Millionen Dollar an Stipendien für Mitglieder der internationalen christlichen Sportorganisation „Fellowship of Christian Athletes“. In deren Statuten heißt es: „Weder heterosexueller Sex außerhalb der Ehe noch jedwede homosexuelle Betätigung stellen eine für Gott hinnehmbare Lebensweise dar“. Dieses Statement sowie Spenden an die Heilsarmee sind für die NYT handfeste Belege für eine „Anti-LGBTQ“-Position, die nicht mehr unterstützt werden dürfe.

Weniger Abtreibungen in Kroatien

Das französische Ärztejournal Le Quotidien du médecin beklagt, dass der Zugang zu Abtreibungen in Kroatien bedroht sei. Ursache dafür seien die Unterversorgung mit Ärzten und der „Anti-Abtreibungsaktivismus“. So finde sich am öffentlichen Krankenhaus „Heilig Geist“ in Zagreb kein einziger Gynäkologe, der den Eingriff durchführen würde. Das Gleiche gelte für weitere vier von 27 Kliniken in Kroatien: Sechs von zehn öffentlich praktizierenden Frauenärzten verweigerten sich aus Gewissensgründen einer Abtreibung, was ihnen in dem osteuropäischen Land im Jahr 2003 gewährt wurde. Das „Recht“ auf Abtreibung stamme noch aus der jugoslawischen Ära. Die ärztliche „Unterversorgung“ in diesem Bereich gehe Hand in Hand mit Aktionen von Abtreibungsgegnern (wie Mahnwachen vor Krankenhäusern und Märsche für das Leben), die von der Kirche unterstützt werden. Die Lebensrechtler seien außerdem im Internet aktiv: „Ein Kroate, der auf Google eine Adresse zum Abtreiben sucht, findet als ersten Link eine Anti-Abtreibungsseite mit einem Video des Eingriffs sowie der Beschreibung von Nebenwirkungen.“ Daher, so klagt das Fachjournal, sei die Anzahl der Abtreibungen in Kroatien nach den statistischen Angaben der Regierung von „25 000 im Jahr 1993 auf 2 416 im Jahr 2017 gesunken“. Die Regierung habe zudem angekündigt, ein neues Abtreibungsgesetz vorzubereiten. Gesundheitsminister Milan Kujundzic wolle einen Text verfassen, der „zu weniger Abtreibungen und zu mehr Neugeborenen“ führe.

DT/KS

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