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Internationale Zeitschriftenschau am 29. November

Angst vor dem Islam?
Aus den Zeitschriften

Angst vor dem Islam?

„Muss man vor dem Islam Angst haben?“, fragt Charles-Henri d'Andigné in einem Beitrag für Famille Chrétienne. „Die Zahl der Mädchen, die ihren Schleier am Ausgang des College ablegen, hat explosionsartig zugenommen. Alles hier ist halalisiert.“ Nicht von Marine Le Pen stammt dieser Ausspruch, sondern von der in Kabul gebürtigen Fadela Benrabia, Abgeordnete für Chancengleichheit in Seine-Saint Denis. In dem kürzlich erschienenen Buch „Inch' Allah“ zweier Journalisten von „Le Monde“, das die Islamisierung im Departement nördlich von Paris untersucht, spricht sie über die religiöse Entwicklung der Region: „Hier tragen die Mädchen Kopftuch, und dann ist das Kopftuch schwarz, und dann ist es zum Niqab geworden. Das ist ganz schnell gegangen. Die Bevölkerung hat sich vollständig gewandelt. Die Weißen gehen weg, ebenso die nicht-muslimischen Araber. Es bleiben die, die akzeptieren, ohne Fleischerei zu leben und ohne Möglichkeit für die Frauen, sich im öffentlichen Raum zu bewegen et cetera.“ Das Fazit der journalistischen Recherche nach dem Besuch vieler Örtlichkeiten, den 200 geführten Gesprächen mit Islamologen, hohen Beamten, Polizisten und Richtern „jagt einem einen kalten Schauer über den Rücken“, denn „die fortschreitende Islamisierung von Seine-Saint-Denis ist Realität“. Viele Frauen tragen den – im Prinzip verbotenen – Niqab, manche tragen wegen des Verbots einen medizinischen Mundschutz, der ebenfalls nur die Augen freilässt. In der Auslage der Buchhandlungen liegen „Bücher, die man nur in diesen Bezirken sieht, a la , ,Ich liebe meinen Ehemann‘, mit denen man den Frauen beibringt, in jedem Punkt und jederzeit ihrem Herrn und Meister zu gehorchen“. In der nichtstaatlichen „Schulgruppe Al Andalus“ (eine Schule „hors contrat“), in der derzeit 134 Mädchen unterrichtet werden, tragen die Lehrerinnen – wie auch ihre Schülerinnen ab der Pubertät – das schwarze lange Gewand, den Dschilbab. Die Puppen hier in der Schule „haben kein Gesicht, aufgrund des Verbots der Darstellung von Menschen, und auch Musik ist verboten, weil die Salafisten verkündet haben, dass sie nur für Affen und Schweine gut ist“.

Meinungsfreiheit an französischen Universitäten

Philippe Soual lehrt seit über 30 Jahren Philosophie an einem katholischen Gymnasium und an der Universität. Nachdem Plakate an der Universität Jean Jaures in Toulouse aufgehängt wurden, die ihm seine Teilnahme im Jahr 2015 an einer Sommer-Universität der Lebensrechtsbewegung „Manif pour tous“ vorwarfen, wurde ihm seine Vorlesung über Hegel gestrichen. Nachdem Studenten der Uni den Namen des Hegel-Spezialisten im Vorlesungsprogramm entdeckten, wurden sie aktiv, und die Gruppe „L'Union des ÉtudiantES de Toulouse“ verbreitete die diffamierenden Plakate auch auf Facebook. Soual sagt darüber im Figaro: „Ich bin kein Sprecher der Manif pour tous.“ Er habe einfach nur eine philosophische Rede über ein anthropologisches Thema gehalten. Die Tagung im September 2015 befasste sich mit Anthropologie und Transhumanismus. Seine Kollegen von der Universität hätten die Angelegenheit debattiert und beschlossen, ihm die Vorlesung zu entziehen. Als Grund gaben sie „die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ an: „Denn sie hatten Angst, dass all das Übergriffe provoziert.“ Die mitgliederschwache Toulouser Studentengruppe, die für die Verbreitung des Protests auf Facebook verantwortlich war, hatte sich zwischen Februar und Mai 2018 an der Besetzung der Universität beteiligt. Die Entscheidung der Universität nun zeige, so Soual, „wie sehr diese Studenten gefürchtet sind, und das zu Recht, denn sie haben bereits mehrere Male ihr Störpotenzial unter Beweis gestellt“. Die Studenten „kämpfen gegen die Meinungsfreiheit und schaden somit der Qualität der Diskussionen innerhalb der Universität“. Die Universitäten in Frankreich werden in Bezug auf die Meinungsvielfalt und auf konkurrierende politische oder metaphysische Standpunkte „immer eintöniger, so dass es inzwischen besorgniserregend ist“. Er bemerke zudem „eine Verkrampfung in bestimmten Debatten. Anstelle einer vernünftigen Diskussion zwischen zivilisierten Menschen werden manche Meinungen nunmehr kriminalisiert.“ Die Debatte gehe offenbar verloren, „zunächst seitens einer kleinen Anzahl von Intellektuellen, doch dann allmählich bei einem Großteil. Beispielsweise vernehme ich von den Philosophen, dass man den Unterschied zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen beseitigen müsse, oder den Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier. Natürlich kann das Gegenstand intellektueller Debatten sein! Doch daraus folgt eine Art Zusammenbruch der Gesellschaft: Eine gemeinsame Basis an Vorstellungen, die unsere gemeinsame Zugehörigkeit zur Menschheit begründeten, ist nun nicht mehr selbstverständlich.“ Deshalb sei er beunruhigt: „Können wir noch zusammenleben, wenn wir noch nicht einmal mehr wissen, was das Menschsein bedeutet, und wenn wir es nicht mehr schaffen, darüber zu diskutieren?“

Schwerer Stand für christliche Schulen in Alberta

In dem als „weltoffen und tolerant“ vielfach gelobten Kanada wird es für Christen enger. Der Bildungsminister der Provinz Alberta, David Eggen, wies 28 Privatschulen an, Regelungen zu erlassen, die die Rechte von „LGBTQ-Schülern“ bestätigen sollen. Anderenfalls würde ihnen in kommenden Schuljahr die Förderung entzogen. Wie die kanadische Tageszeitung The Chronicle Herald mitteilt, müssen die Privatschulen, die von der Provinz 70 Prozent Förderung erhalten, die Bildung so genannter „gay-straight alliances“ in ihren Lehranstalten dulden – „von Schülern aufgebaute Unterstützungsgruppen, die LGBTQ-Schülern dabei helfen, sich angenommen zu fühlen und Schikanen abzubauen“.

Ein Senator erklärt seinen „Geschlechtswandel

Wie der Catholic Herald berichtet, hat ein australischer Senator seinen Geschlechtswandel bekannt gegeben, damit er über Abtreibungsfragen sprechen kann. Nachdem die Senatorin der australischen Partei der Grünen, Larissa Waters, Senator Barry O'Sullivan sagte, dass er niemals „Abtreibung als ein Problem von Frauen begreifen würde“, verkündete O'Sullivan im Parlament, dass er eine Frau sei: „dann werden sie mich nicht mehr angreifen können.“ Man könne nicht mehr das Wort Abtreibung aussprechen, ohne attackiert zu werden, bemerkte der Politiker der Liberal National Party: „Diese Leute greifen mich wegen meiner Religion an und sagen Worte wie „Rosenkranz“, weil ich die Kühnheit besaß, Fragen in Bezug auf Spätabtreibungen aufzuwerfen, bei denen Babys, die nur Minuten davon entfernt sind, einen Klapps auf den Po und einen Namen zu bekommen, unter der Politik der australischen Grünen abgetrieben werden.“ Der erklärte Geschlechtswandel des Senators entfachte in den sozialen Medien größtenteils spöttische und verachtende Kommentare.

DT/KS

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