Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 29.01.2020

Ungerecht? Mehr ausgestopfte Männchen als Weibchen/Studie: Kalifornische Familien reden progressiv, leben aber traditionell/Anglikaner: Ehe nur zwischen Mann und Frau/Muslime und die französischen Kommunalwahlen
Internationale zeitungsschau - Causeur von Januar 2020

Ungerecht? Mehr ausgestopfte Männchen als Weibchen

„Die ausgestopften Tiere in den Naturkundemuseen könnten die nächsten Opfer der ,Post-#metoo-Säuberung‘ sein.“ Mit diesen Worten führt Jonathan Siksou im französischen Monatsmagazin Causeur in die Vorstellung einer kuriosen Studie zum zahlenmäßigen Verhältnis von Männchen und Weibchen in den Natursammlungen ein. Natalie Cooper, Forscherin am Londoner Museum für Naturgeschichte, sei „mächtig stolz darauf, in einer von der Zeitschrift „Proceeding of the Royal Society B“ publizierten Studie bewiesen zu haben, dass die männlichen Vögel und Säugetiere in den Sammlungen historischer Einrichtungen wie den Museen von London, Paris, New York, Washington und Chicago skandalöserweise überrepräsentiert sind: „Wir interessieren uns für die Gender-Vorurteile in der Wissenschaftsgemeinschaft“, erklärte sie, „wo beispielsweise in den hohen Posten männliche weiße Forscher überrepräsentiert sind. Darüber hinaus fanden wir es interessant herauszufinden, ob sich diese männliche Schieflage auch in den Sammlungen der Museen wiederfindet.“ Ihre Intuition habe gestimmt, schreibt Siksou, „nur 40 Prozent der ausgestopften Vögel und 48 Prozent der Säugetiere sind weiblich“. Bei manchen Arten seien die Unterschiede noch krasser: „Bei den Spatzen zähle man nur 9,7 Prozent Damen, 11,5 Prozent bei den Trauerschnäppern und weniger als zehn Prozent Mädchen in den Vitrinen der Fledermäuse.“ Die vorgelegte Untersuchung betone zudem, dass weniger als 40 Prozent der Paarhufer (Giraffen, Kamele, Hirsche) in unseren Museen Weibchen seien, während sie in der Natur doch die Mehrheit bilden. „Müsste man nun“, so fragt sich Siksou, „im Namen der Gleichheit mehr Bambimamas töten?“

Studie: Kalifornische Familien reden progressiv, leben aber traditionell

Der katholischen Diözesanzeitung CSF (Catholic San Francisco) von San Francisco zufolge besagt eine aktuelle Studie, dass die meisten Kalifornier intakte Ehen und traditionelle Familien bevorzugen, obwohl sie die Neudefinierung von Ehe und Familie unterstützen. In einem Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur CNA sagte Catherine Pakaluk, Lehrbeauftragte für Sozialforschung und ökonomisches Denken an der Catholic University of America: „Menschen mit den größten Privilegien entscheiden sich, wenn sie eine Wahl haben, für Dinge wie diese traditionellen Strukturen, in denen es sich am angenehmsten lebt.“ Der neue Report vom Institute for Family Studies (IFS) mit dem Titel „State of Contradiction: Progressive family culture, traditional family structure in California“ beleuchtet diese Frage bei Kaliforniern nach Ehe und Kindern. Das Ergebnis: „Während Kalifornier größtenteils eine ,Vielfalt der Familien‘ oder nicht-traditionelle Familien unterstützen, berichten sie selbst von zahlenmäßig überdurchschnittlichen intakten Ehen und Familien, in denen die Kinder bei ihren biologischen Eltern leben – also in ,traditionellen‘ Familien.“ Laut den Volkszählungsdaten sind etwa zwei Drittel – 67 Prozent – der Ehen des US-amerikanischen Bundesstaates intakt, was mehr als der Durchschnitt in den gesamten Vereinigten Staaten ist (63 Prozent). 65 Prozent der Kinder im Alter von Null bis 17 Jahren leben bei ihren verheirateten biologischen Eltern, im nationalen Durchschnitt sind es nur 62 Prozent. Auch der Bildungsstand der Eltern sei von Bedeutung: So lebten 80 Prozent der Eltern, die ein College absolviert hatten, in intakten Ehen. Unterdessen trifft das bei den Eltern ohne einen College-Abschluss nur bei 60 Prozent zu.

Anglikaner: Ehe nur zwischen Mann und Frau

Der Catholic Herald berichtet, dass die Mutterkirche der anglikanischen Gemeinschaft, die Church of England, eine pastorale Orientierungshilfe herausgegeben habe, in der festgestellt wird, „dass sexuelle Beziehungen zu verheirateten heterosexuellen Paaren gehören, und dass Sex in homosexuellen oder heterosexuellen zivilen Partnerschaften ,der Absicht Gottes für die Menschen nicht entspricht‘“. In der als Reaktion auf die neue Einführung von gemischtgeschlechtlichen zivilen Partnerschaften gedachten Leitlinien heißt es: „Für Christen bleibt die Ehe – das heißt, die lebenslange Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau, die mit einem Eheversprechen geschlossen wurde – der ordnungsgemäße Rahmen für sexuelle Aktivität.“

Muslime und die französischen Kommunalwahlen

Das linke Magazin L'Obs veröffentlicht ein Interview mit François Pupponi anlässlich seines soeben erschienenen Buches „Les Emirats de la Republique – Comment les islamistes prennent possession de la banlieue“ (auf Deutsch etwa: „Die Emirate der Republik – wie die Islamisten Besitz von der Banlieue ergreifen“). Pupponi, der 20 Jahre lang Bürgermeister von Sarcelles (nördlich von Paris) war, schlägt vor den im März anstehenden Kommunalwahlen Alarm. Der Abgeordnete der Nationalversammlung aus dem Wahlkreis Val d'Oise erzählt in seinem Werk, „wie die Anhänger eines politischen Islam seine Kommune, in der seit Jahrzehnten jüdische, maghrebinische, türkische und orientalische christliche Gemeinschaften leben, aus dem Gleichgewicht gebracht haben“. Bei den Kommunalwahlen, so warnt er, „werden wir erleben, wie der politische Islam mit sich aufbauenden Netzwerken auftaucht“. Was planen diese Muslime, die sich da zur Wahl stellen? Warum sollte man vor ihnen Angst haben? Pupponi erklärt: „Sie wollen die Macht haben. Um auf sie zu hören, um sich um die Schulen, die Sicherheit und den Transport zu kümmern. Das Problem ist, dass sie eine sehr strenge Auffassung vom Islam haben. Ihr Ziel: dass diese Auffassung im öffentlichen Raum berücksichtigt werde. Auf lokaler Ebene kann man sich vorstellen, dass sie beschließen, nicht mehr diese oder jene Organisation zu finanzieren oder von der Religion geforderte Praktiken zu fördern.“ Als Bürgermeister erlebte er beispielsweise, wie Islamisten die Kontrolle einer Moschee übernommen hatten: „An dem Tag, an dem man mich bedrohte, weil ich ihnen kein Grundstück überlassen wollte, verstand ich, dass die Situation kippte. Dass man von einem konstruktiven Dialog zu einem gewalttätigen Anspruch überging.“ Zudem beklagt er, dass „sich die gesamte Linke der Nachsicht gegenüber dem Islamismus schuldig gemacht“ habe. Auf der Seite der Linken, die er auch als „Niqab-Linke“ bezeichnet, gab es „eine Art Naivität und Scheuklappenmentalität – man hat den Anstieg des politischen Islam nicht gesehen. Das sind Tabuthemen. Da sie von der Rechten und der extremen Rechten vorweggenommen wurden, wollte man nicht darüber sprechen“.

DT/ks

 
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