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Internationale Zeitschriftenschau am 24. April

Geschlechtsänderungen bei Kindern
New York - Ausgabe 15. - 28. April 2019

Geschlechtsänderungen bei Kindern

Die Londoner Times sprach mit fünf Klinikärzten, die an der einzigen staatlichen Gender-Klinik für Kinder ihre Stelle gekündigt haben, weil sie Bedenken in Bezug auf die Behandlung von „schutzbedürftigen Kindern“ äußerten, die sich in der Klinik als „Transgender vorstellen“. Der Zeitung zufolge handle es sich bei den Therapien um ein „Live-Experiment“, bei dem die jungen Patienten medizinischen Eingriffen und hormonellen Behandlungen unterworfen werden, ohne dass es ausreichende Belege für die langfristigen Auswirkungen gebe. In den letzten drei Jahren hätten mindestens 18 Mitarbeiter ihren Job aufgegeben. Ärzte beklagten, dass Transgender-Lobbyisten wie die „Mermaids UK“ Druck auf sie ausgeübt hätten, Kinder mit Hormonen zu behandeln oder zu operieren. Eine Anfrage an staatlichen Behörden ergab, dass das Mindestalter für Patienten im Hinblick auf die Gabe von geschlechtsumwandelnden Sexualhormonen von 13 auf acht gesunken ist.

Die Schönheit der Kathedralen

„Könnten wir so etwas Schönes wie Notre-Dame noch erbauen?“, fragt Andrew Sullivan im New York Magazine. Für ihn waren die Bilder von der Zerstörung von Notre-Dame unerträglich. Für andere stelle dieses Unglück „einfach nur einen entsetzlichen Verlust für die Weltkultur dar“. Für andere sei es eine Art „Tortur“ im Hinblick auf die Geschichte, die Seele Frankreichs gewesen. Aber die Zerstörung erinnere ihn auch an den Stellenwert der Schönheit in der Moderne: Kann unsere Zivilisation jemals wieder etwas von vergleichbarer Schönheit wie Notre-Dame erschaffen oder auch die unzähligen Kathedralen in ganz Europa, die aus dem Mittelalter stammen? Nein, meint Sullivan: „Die Hauptkriterien der modernen Architektur – selbst dann, wenn diese nicht brutal hässlich oder mittelmäßig ist – sind Nutzen und Kosten. Schönheit ist heute nebensächlich. Wenn man moderne Kathedralen inspiziert, so mangelt es dort an Details, und es fehlt irgendwie die Fertigkeit, die es dem 12. Jahrhundert möglich machte, Wunderwerke jenseits unserer heutigen Fähigkeiten zu konstruieren. Wir besitzen Technik im Übermaß, wir haben Technologien, die den Konstrukteuren von Notre-Dame wie Magie erscheinen würden, und wir verfügen über einen vergleichsweise maßlosen Reichtum: Doch selbst die architektonischen Spielereien unserer neuen Religion – man denke beispielsweise an Apples neuen Hauptsitz – umfassen nichts derart Komplexes oder Atemberaubendes oder Ehrfurcht Gebietendes wie das Rosenfenster eines Meisterwerks aus dem 11. Jahrhundert.“ Man hatte damals etwas, was wir heute nicht haben: „Eine einigende Vorstellung von Leben und Tod als Ganzem, einen gemeinsamen metaphysisch verwurzelten Glauben und einen Zauber, den die Moderne vertrieben hat.“

Ein ideologisches „Schlachtfeld“

Notre-Dame soll wieder aufgebaut werden, aber wie?, fragt Olivier Babeau im Figaro. Der Präsident der Denkfabrik „Institut Sapiens“ befürchtet das Schlimmste. Nach dem Löschen des Feuers scheinen nun noch „größere Gefahren die Kathedrale zu bedrohen. Die künftige Baustelle hat sich in wenigen Tagen zu einem Schlachtfeld entwickelt.“ Der Vorschlag von Innenminister Edouard Philippe, einen internationalen Architekturwettbewerb auszuschreiben und möglicherweise einen modernen Wiederaufbau zu favorisieren, stößt bei Babeau auf Widerstand: „Manche wollen am liebsten das Gedächtnis Frankreichs ausdrücklich begraben“, sagt er. Immer mehr seltsame Aussagen tauchten auf: „Edouard Philippe kündigt ein Auswahlverfahren an, um eine neue Turmspitze zu gestalten, die ,auf die Probleme unserer Zeit zugeschnitten ist‘. Andere empfehlen, das langweilige, in Rauch aufgegangene Dach durch eine wunderschöne Glaskuppel zu ersetzen, die ein ,transparenter weltlicher Raum‘ sein solle.“ Dafür solle „kein Baum gefällt“ werden. Die Webseite „RollingStone“ merke sogar an, dass die Sehenswürdigkeit „ein äußerst belastendes Symbol für ein ,idealisiertes christliches Europa ist, das niemals existiert hat‘“. Ein Architekt der Harvard-Universität habe festgestellt: „Das Bauwerk war derart mit Sinngehalten aufgeladen, dass das Feuer wie ein Akt der Befreiung scheint“. Und „RollingStone“ fordert: „Jede Rekonstruktion muss ein Nachdenken nicht über das alte Frankreich oder das Frankreich sein, das noch nie existiert hat – sondern über das heutige Frankreich.“ Die Vorstellung, die Kathedrale so wiederaufzubauen, wie sie einmal war, sei „naiv“. Babeau widerspricht: „Notre-Dame läuft Gefahr, durch unser Jahrhundert konfisziert zu werden.“ Manche sähen in dem Wiederaufbau die Gelegenheit, „ihre revolutionäre Agenda durch die Umfunktionierung einer verhassten Vergangenheit zur Verherrlichung der neuen Ordnung voranzubringen. Die Debatte um die Baustelle von Notre-Dame offenbart die Fundamentalismen, auf denen unsere Moderne beruht.“

Die Kathedrale und die Katholiken

Auch Alan Jacobs ist pessimistisch, was die Renovierung von Notre-Dame angeht. Auf seinem Blog erinnert der namhafte Professor of Humanities in Texas daran, dass die Kirchen in Frankreich seit 1905 dem Staat gehören, seitdem dieser sie im Namen des Antiklerikalismus enteignet hatte. In The American Conservative greift Rod Dreher den Beitrag Jacobs' auf und kommentiert ihn. Jacobs schreibt: „Diese katholische Kathedrale gehört dem französischen Kultusministerium. Juristisch ist sie ein ,bloßes Kulturobjekt‘. Soweit ich das beurteilen kann, ist Notre-Dame de Paris nur ein geduldeter Gottesdienstort. Wenn die französische Regierung die Kathedrale als Ruine hinterlassen will für die Übel des Kolonialismus, der Homophobie, des klerikalen sexuellen Missbrauchs – was durchaus möglich scheint –, oder sie wiederaufbauen will als leuchtendes Monument für die Übel des Kolonialismus, der Homophobie, des klerikalen sexuellen Missbrauchs – was noch etwas wahrscheinlicher scheint –, kann sie das tun. Wenn die französische Regierung sie in eine Disco verwandeln will“, dann werde das so geschehen, „mit einer riesigen flimmernden Discokugel, die von dem wiederhergestellten Dach herunterhängt. Ich habe keine Ahnung, was das Kultusministerium beschließen wird, aber ich bezweifle ernsthaft, dass katholische Christen in dieser Angelegenheit tatsächlich irgendetwas zu sagen hätten.

Bischöfe und Priester sowie einige gläubige Laien wird man wohl in Gremien berufen. Doch sie werden keine Vorgaben machen oder auch nur ihr Veto einlegen können.“ Notre-Dame, vor 800 Jahren der seligen Jungfrau Maria geweiht, „gehört nun ganz den Bürokraten. Wir können nur zuschauen und abwarten, was sie damit machen werden.“

DT/KS

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