Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 19. Juni

Mehr minderjährige Prostituierte
Internationale Zeitschriftenschau

Mehr minderjährige Prostituierte

Famille Chrétienne publiziert eine „alarmierende Nachricht“: Einem Bericht der „Fondation Scelles“ zufolge – einer Stiftung zur Erforschung von Ursachen und Folgen der Prostitution – ist die Zahl der Minderjährigen, die sich prostituieren, in den letzten Jahren weltweit, auch in Frankreich, stark angestiegen. Ursache dafür seien vor allem das Internet und die sozialen Netzwerke. WhatsApp, Facebook, Instagram und sogar Airbnb: In vielen Fällen hätten sich die Webseiten „zum Zwecke der Prostitution von ihrer Zielsetzung abgekehrt“, wie die NGO feststellt. Der Stiftungsbericht beleuchtet zudem den Anstieg der Prostitution unter jungen Leuten, vor allem bei Minderjährigen, die mitunter kaum 13 oder 14 Jahre alt sind. So hätten „zehn Prozent der Prostituierten in Frankreich ihre Tätigkeit als Minderjährige begonnen, und 39 Prozent zwischen 18 und 24 Jahren.“

„1984“ – eine Lektüre für heute

Im Figaro befasst sich der kanadische Essayist Mathieu Bock-Côté mit dem im Juni vor 70 Jahren erschienenen Roman „1984“ von George Orwell. Alles, was der britische Autor darin anprangerte, „erweist sich von einer erschreckenden Aktualität“. Man finde hier „die scharfsinnigste Beschreibung der Funktionsweise des Totalitarismus und seiner Auswirkungen auf das Bewusstsein des Menschen. Orwell hatte die Sowjetunion im Blick. Doch die erneute Lektüre seines Meisterwerks 70 Jahre später verblüfft: Auch wenn der Kommunismus zusammengebrochen ist, taucht die totalitäre Versuchung heute mittels der diversitären Ideologie und der politischen Korrektheit erneut wieder auf, auch wenn die liberale Demokratie es noch immer schafft, sie zu zügeln und die öffentlichen Freiheiten zu bewahren.“ Im Herzen des Totalitarismus, schrieb Orwell, herrsche die „institutionalisierte Lüge“. Man müsse lernen, zu sagen, „dass 2+2=5 sind“. Man müsse „in eine Welt umschwenken, in der einzig die Ideologie und ihre Vorschriften zählen“. Heute akzeptiere der Mensch etwa, dass „Mann und Frau nur künstliche soziale Konstruktionen“ seien. Orwell habe gut erkannt: „Der Totalitarismus etabliert eine umgekehrte Parallelwelt und zwingt diejenigen, die dies hinnehmen, ihr einen Treueeid zu leisten“. Beispiel dafür sei der „Zwei-Minuten-Hass“, ein Ritual, bei dem „alle dazu aufgefordert werden, dem öffentlichen Feind des Augenblicks gegenüber ihren Hass auszudrücken. Alle müssen daran demonstrativ teilnehmen.“ Man könne, so Bock-Côté, dieses Szenario mühelos auf die heutige Zeit übertragen, da diese überall „Intoleranz“ wittere: Sobald sich die Medienmaschinerie ereifere, „ist es besser, nicht zu widersprechen. Man darf aber auch nicht damit vorliebnehmen zu schweigen. Das Schweigen maskiert unredliche Gedanken. Denn unter einem Regime der allgemeinen Überwachung werden auch die Hintergedanken verfolgt, selbst dann, wenn man sie nicht ausspricht. Jeder soll sein eigener Polizist im Namen einer tugendhaften Wachsamkeit sein“.

Die drei Parolen des Wahrheitsministeriums in Orwells Roman: „Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!“ könne man ebenfalls auf die heutige Situation übertragen, wenn wir etwa an die „erstaunliche Fähigkeit der offiziellen Pädagogik“ denken, „den Zusammenbruch der Allgemeinbildung als eine Demokratisierung des Wissens zu präsentieren“. Das Wichtigste sei die „jedermann auferlegte Verpflichtung, die Welt nicht mit seinen eigenen Augen zu sehen, sondern durch die ideologische Brille des Regimes“. Gnadenlose Kritik habe Orwell am „Neusprech“ geübt. Dieser habe die Aufgabe, „nicht die Realität zu erkennen, sondern sie zu verschleiern. Der Totalitarismus will sich der Sprache bemächtigen und sie absolut transparent machen, um sie von jeder Form der Ambiguität zu befreien. Wer die Bedeutung der Wörter gekonnt kontrolliert und es schafft, Begriffe zu ächten, die er für gefährlich hält, beherrscht damit das kollektive Denken. Die mit der Perfektionierung des ,Neusprech‘ in ,1984‘ beauftragte Figur formuliert es so: ,Das wirkliche Ziel des Neusprech ist, die Grenzen des Denkens einzuschränken‘.“ Bock-Côté folgert: Die totalitäre Versuchung beabsichtige, „uns der abendländischen Zivilisation zu entreißen und uns zur diversitären Utopie zwangszubekehren, die den neuen Neuen Menschen hervorbringen soll, ohne Wurzeln und Geschlecht, ohne Natur und Kultur, ohne Eltern und Kinder sowie perfekt fügsam und formbar nach den Methoden des identitären Engineering. Man wird George Orwell nicht nur erneut lesen, um die Welt von gestern zu verstehen, sondern jene, die gerade aufgebaut wird.“

Das Los traditioneller Priester

„Was geschieht, wenn ein Priester für seine Gemeinde zu traditionell ist?“, fragt Michael Warren Davis im Catholic Herald und erläutert: „Zunächst wird ein junger Priester einer neuen Pfarrei zugewiesen, in der er Elemente der vorkonziliaren Liturgie wieder einführt. Jüngere, konservativere Gemeindemitglieder sind begeistert; die älteren, progressiveren sind schockiert. Dann ergreift der Bischof Partei für die älteren gegen den Priester und seine jüngeren Bewunderer. Der Priester wird entfernt – es folgt ein internationaler Aufruhr.“ Dieses Szenario spielte sich kürzlich ab, als der 38-jährige Fr. Nicholas Rynne als Pfarradministrator seiner Gemeinde in Tasmanien von Erzbischof Porteous abgezogen wurde. Er hatte einige Laien verärgert, weil er Soutane trug und zu der forma ordinaria wöchentlich eine Messe in der außerordentlichen Form feierte. Davis kommentiert: „Die Kluft zwischen jungen Traditionalisten und älteren Progressiven wächst weiter, besonders in der Priesterschaft. Aus der Erzdiözese Boston heißt es, dass mehr als ein Drittel der Seminaristen 2019 an der Zelebration der alten Messe interessiert ist.“

Unerwartete Allianz gegen Leihmutterschaft

In New York widersetzen sich Katholiken gemeinsam mit Feministinnen einem Gesetzentwurf, der die kommerzielle Leihmutterschaft in dem US-Bundesstaat legalisieren soll, wie der Catholic Herald berichtet. Dennis Poust, Direktor für Kommunikation der Catholic Conference in New York, sagte: „Bei der kommerziellen Leihmutterschaft wird die Menschenwürde der Frauen preisgegeben, und sie werden zu Objekten reduziert, die nur wegen ihrer Körperteile attraktiv sind – sowohl bei dem Verleih ihrer Gebärmutter als auch bei der Gewinnung ihrer Eizellen durch riskante medizinische Eingriffe. Die Nutznießer sind fast immer reich und oft Männer, während die Ausgebeuteten immer arme Frauen sind.“ Die Frauenrechtlerin Gloria Steinem beklagte: „Unter diesem Gesetz werden bedürftige Frauen zu kommerzialisierten Mietgefäßen, und die Föten, die sie austragen, werden zum Besitz von anderen.“

DT/KS

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