Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 18. April

Aufruf zur Denunziation
Internationale zeitschriftenschau

Aufruf zur Denunziation

In seiner Presseschau greift das katholische Magazin Homme Nouveau unter der Überschrift „Chinesischer Judas“ eine Nachricht von asianews.it auf. Darin heißt es, dass das Büro für ethnische und religiöse Angelegenheiten von Guangzhou am 20. März Maßnahmen ergriffen habe, um all jene zu belohnen, „die in der Stadt illegale religiöse Aktivitäten anzeigen“. Dazu gehören heimliche Zusammenkünfte, Katechismusunterricht oder auch Austausch mit Ausländern aus religiösen Motiven. Die Belohnungen reichen von 3 000 bis 10 000 Yuan (zwischen 400 und 1 300 Euro) – je nach Bedeutung und Genauigkeit des Berichts an die zuständigen Behörden. Ein Priester vor Ort sagte: „Die Behörden hätten keinen besseren Zeitpunkt wählen können – genau vor Ostern –, um diese Maßnahmen zu treffen.“ In dieser Zeit betrachten die Katholiken die Passion Christi und den Verrat des Judas um dreißig Silberlinge: „Die Regierung von Guangzhou will die Menschen zu lauter kleinen Judassen umerziehen.“ Diese Maßnahmen sollen für alle Religionen und im ganzen Land gelten, wie einige Katholiken berichten.

Über den „einstigen Glanz der Kirche“

In der Zeitschrift First Things führen Michel Houellebecq und Geoffroy Le-jeune, der Chefredakteur von „Valeurs Actuelles“, ein Gespräch über die katholische Kirche. Auf die Frage, ob die Kirche „zu ihrem einstigen Glanz“ zurückfinden könne, antwortet der Agnostiker Houellebecq: „Ja, vielleicht, ich weiß nicht. Es wäre gut, wenn sie sich endgültig vom Protestantismus entfernt und sich der Orthodoxie annähert.“ Entschiedener reagiert der Katholik Lejeune: „Ja, zweifellos, doch der Weg ist lang. Wenn man die letzten Jahrzehnte resümiert, könnte man sagen, dass die Kirche nach dem Verlust der weltlichen Macht zu überleben versuchte, indem sie sich tolerieren ließ – dafür hat sie sich hauptsächlich den Fehlentwicklungen einer Welt angepasst, die sie eigentlich retten soll. Diese Umkehr der Rollen führt sie tatsächlich in den Selbstmord. Um das zu retten, was sie sein kann, müsste man vielleicht mit dem Relativismus brechen, der seit den 60er Jahren in Mode ist. Vielleicht fände die Kirche ein wenig zu ihrem Glanz zurück, wenn sie aufhörte, cool sein zu wollen und wenn sie wieder die Furcht Gottes lehrte, ohne die es keine Liebe gibt. Das ist genau wie bei der Kindererziehung, bei der die elterliche Autorität mit den gleichen Folgen untergraben wurde.“ Außerdem sollte die Kirche „ihre Faszination für die anderen Religionen mäßigen. Wie kann man in Bezug auf den Protestantismus trojanische Pferde tolerieren, wie den Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, Bischof Nunzio Galantino, der vor kurzem sagte: ,Die Reform von Martin Luther war ein Ereignis des heiligen Geistes‘?“ Zudem vermehre im Hinblick auf die Muslime „Papst Franziskus selbst die Signale, wie seine jüngste Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate zeigt, und am Tag seiner Wahl war er bedacht darauf, sich als einfachen ,Bischof von Rom‘ zu bezeichnen, ein Beweis der Offenheit gegenüber der Orthodoxie“. Man müsse, so Lejeune weiter, „mit der ständigen Suche nach Emotionen Schluss machen, denn die Kirche kann nicht mit Konzerten oder dem Kino konkurrieren, doch wenn sie sich auf ihre Aufgabe konzentriert, Gott zu verkünden und die Menschen zum ewigen Leben zu führen, bleibt sie absolut unentbehrlich“.

„Klimatischer Infantilismus“

Der Philosoph Pascal Bruckner ist beunruhigt: „Der Angstdiskurs über das Klima schafft eine verängstigte junge Generation, die sich aufführt, als sei sie erwachsen.“ Im Figaro schlägt er angesichts der Klima-Demos einen Bogen zu Platon. In seiner „Politeia“ warne der antike Philosoph vor dem Verfall de Demokratie, der „durch ein Übermaß an Freiräumen auf einer Umkehrung der Hierarchien beruht: wenn der Vater seinen Sohn als ebenbürtig behandelt, Lehrer die Schüler umschmeicheln und Greise die Jugend imitieren. So weit sind wir schon. Wer in den letzten Wochen die Demonstrationen der jungen Leute für das Klima gesehen hat – wo man bis hin zu Krippen- und Kindergartenkinder mobil gemacht hat, wo niedliche kleine Braun- oder Blondschöpfe die Slogans fromm aufsagten, die ihnen von ihren Eltern beigebracht wurden –, kann sich angesichts dieser wahren Bauchrednerei nur Sorgen machen.“ Es handle sich bei den „kleinen Papageien“ um eine „Echokammer“ und man finde bei ihnen die Worte wieder, „die ihnen seit den ersten Schulklassen durch eine Indoktrination, ja, sogar eine tägliche Gehirnwäsche, in den Mund gelegt wurden. Die infame Propaganda richtet bei unseren Kleinen ein Chaos an: Im Namen eines gerechten ökologischen Kampfes erzählt man ihnen Tag und Nacht, dass die Welt in Brand geraten, die Katastrophen uns vernichten werden und die Menschheit dafür büßen oder aussterben wird.“ Damit raube man ihnen ihre Kindheit und Unbekümmertheit. 1989 habe die UNO „eine fragwürdige Entscheidung getroffen, nach der das Kind bereits ein Bürger ipso jure ist“. Es aufgrund seines Alters auf den Status der Unmündigkeit zu reduzieren, sei eine Diskriminierung. Doch dabei handele es sich, so Bruckner, um „ein vergiftetes Geschenk an die Kindheit, die man damit auf Gedeih und Verderb allen Manipulatoren auslieferte“. Denn Kinder müssen „beschützt werden“ und mit den Möglichkeiten ausgestattet werden, heranzuwachsen.

„Es gibt kein drittes Geschlecht“

„Das lange Martyrium des ersten amerikanischen ,non-binären‘ Menschen“ schildert Marianne Lecach in Valeurs Actuelles. James Shupe hat seit 2013 dreimal seine „sexuelle Identität“ gewechselt. Nun macht er Ärzten und der LGBT-Community Vorwürfe. Vor sechs Jahren litt Shupe, der 18 Jahre lang in der Armee diente, an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Überzeugt, eine Frau zu sein – was er heute einer psychischen Krise zuschreibt –, erhielt er ein Rezept für weibliche Hormone. „Ich hätte gestoppt werden müssen“, doch aus Angst vor Repressalien von Transgenderaktivisten habe man ihm die Medikamente nicht verweigert. Zudem fand er damals einen Arzt, der ihm seine weibliche Identität bestätigte. Um seinen Wandel zu beschleunigen, schminkte sich Shupe, trug Perücken, Kleider und hohe Schuhe. Eines Tages betrachtete er sich im Spiegel: „Trotz all der Spritzen sah ich immer noch nicht wie eine Frau aus.“ Die Blicke der Leute auf der Straße bestätigten seinen Eindruck: „Das biologische Geschlecht ist unveränderbar.“ Daraufhin beschloss er, „nicht-binär“, also weder Frau noch Mann, zu werden. Doch sein Privatleben, er hat Frau und Tochter, litt darunter. 2019 beendete er seinen Leidensweg: „Zwei falsche Genderidentitäten konnten nicht meine biologische Realität verbergen. Es gibt kein drittes Geschlecht.“

DT/KS

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