Wüzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 17. Januar

"Ade, Männlichkeit"
Aus den Zeitschriften

„Ade, Männlichkeit“

„In dieser Woche gab die American Psychological Association (APA) einige traurige Nachrichten für Anhänger der ,traditionellen Männlichkeit‘ heraus“, beginnt Heather Wilhelm ihren Artikel „Ade, du Männlichkeit: Wir werden dich vermissen, wenn du nicht mehr da bist“ im amerikanischen Magazin National Review. Den neuen „Richtlinien für die psychologische Praxis mit Jungen und Männern“ der Organisation zufolge muss die „schädliche“ Ideologie der Maskulinität weg. Denn diese sei gekennzeichnet durch „Gelassenheit, Konkurrenzdenken, Dominanz und Aggression“, gepaart mit „Anti-Weiblichkeit, Leistung, Vermeidung von Anzeichen der Schwäche, sowie Abenteuerlust, Risiko und Gewalt“. Wilhelm meint, die Richtlinien seien nicht wirklich dazu bestimmt, über Jungen oder Männer überhaupt zu reden: „Ihre Hauptabsicht, so scheint es, besteht darin, den Glauben einzuhämmern, dass alles Geschlechtsbezogene ein soziales Konstrukt ist und dass Biologie so lange keine Rolle spielt, bis wir es wollen.“ Wilhelm zitiert einen Satz, der auf der Webseite der APA steht: „In der Tat, sobald die Wissenschaftler Stereotypen und Erwartungen aussondern, gibt es keine großen Unterschiede in den grundlegenden Verhaltensweisen von Männern und Frauen.“ „Wie kann es sein“, fragt sie, „dass wir in einer derart hochentwickelten Zivilisation leben, dass wir eine Rakete 33 Millionen Meilen durch den kalten Abgrund des Weltraums schicken können, um auf einem unwirtlichen und weitgehend unerforschten Planeten erfolgreich zu landen, aber es noch immer schaffen, unbedarfte, sinnlose Sätze wie diesen zu veröffentlichen?“ „13 ganze Jahre brauchten die Genies, die die aktuellen Richtlinien verfassten“, für ihre Arbeit.

Marihuana und psychische Krankheiten

Rod Dreher berichtet in The American Conservative von Reaktionen auf das neue Buch des ehemaligen New York Times-Journalisten Alex Berenson. Der Verfasser untersucht darin unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Gebrauch von Marihuana und kommt zu beängstigenden Ergebnissen. Er befasste sich mit diesem Thema, nachdem er mit seiner Frau – eine auf die Behandlung psychisch kranker Krimineller spezialisierte Psychiaterin – über die Gewaltverbrechen von marihuanarauchenden Tätern diskutierte. Dreher zitiert Stephanie Mencimer, die im zweimonatlich erscheinenden linksliberalen Magazin Mother Jones Berensons Neuerscheinung rezensiert: „in den letzten Jahrzehnten fanden Studien auf der ganzen Welt heraus, dass THC – der aktive Wirkstoff im Cannabis – in einem ganz engen Zusammenhang mit Psychosen, Schizophrenie und Gewalt steht. Berenson interviewte viele Wissenschaftler, die die Effekte von THC auf schwere psychische Erkrankungen unbemerkt von der Öffentlichkeit, aber methodisch genau dokumentierten. Überzeugend belegt er, dass eine Freizeitdroge, die als ein Allround-Gesundheitsprodukt vermarktet wird, tatsächlich wirklich gefährlich sein kann – besonders für Personen mit einer Familiengeschichte psychischer Erkrankungen und für Heranwachsende, deren Gehirn noch in der Entwicklung ist.“ So zeigte eine Studie im Jahr 2002, dass Menschen, die im Alter von 15 Jahren Cannabis konsumierten, viermal häufiger Schizophrenie oder ein verwandtes Krankheitsbild entwickelten, als diejenigen, die es nicht konsumierten. Eine fast 500-seitige Studie der National Medicine Academy von 2017 über die Gesundheitswirkungen von Cannabis ergab, dass es deutliche Belege dafür gibt, dass „Haschisch bipolare Störungen verschlimmern und das Risiko von Suiziden, Depressionen und sozialen Angststörungen erhöhen kann“. Die Forscher stellten fest: „Je höher der Konsum, umso größer das Risiko.“ Hinzu komme, dass das heute verkaufte Marihuana nicht mehr das sei, „was wir damals rauchten“, stellt Mencimer fest. Es enthielt ein bis zwei Prozent THC: „Das Gras von heute ist irrsinnig potenter.“ Manche Formen, die zum Inhalieren oder Tupfen bestimmt sind, „kommen ziemlich nahe an 100 Prozent heran“. Diese potenten Produkte können Halluzinationen, Unruhe und Paranoia verursachen. Nach der Lektüre des Buches von Berenson habe Mencimer es auf die Faktenlage überprüft und sei dabei ungewollt auf alle möglichen Webseiten gestoßen, „die Haschischkonsumenten berieten, wie sie mit ihrer Paranoia fertig werden und die psychotischen Effekte durchstehen sollten. Außerdem fand ich viele Geschichten über Horrortrips unter Haschischkonsum. Solche Begebenheiten werden normalerweise scherzhaft abgehandelt.“ Was kommt auf uns zu? Mencimer schreibt: „Paranoia und Psychosen machen Menschen gefährlich, so dass erwartet wird, dass der steigende Konsum einer Droge, die beides verursacht, zu einem Anstieg der Gewaltverbrechen führen wird, anstatt zu einem Rückgang, wie Haschischbefürworter behaupten.“ Berenson sah sich die Daten von vier US Bundesstaaten (Oregon, Washington, Alaska und Colorado) an, in denen 2014 und 2015 Marihuana legalisiert worden war, und berechnete von 2013 bis 2017 einen 35-prozentigen Anstieg an Morden in diesen Staaten gegenüber einem nationalweiten 20-prozentigen Anstieg.

Halal-Schlachtung in Belgien verboten

Belgien verbietet religiöse Schlachtungen, was zu Lob und Protest führt. Die New York Times berichtet über das am Neujahrstag in Kraft getretene Gesetz, demzufolge religiöse Minderheiten in Belgien, wie Muslime und Juden, künftig keine Halal- beziehungsweise koschere Schlachtungen mehr durchführen dürfen: Rechtsvorschriften in ganz Europa und der Europäischen Union fordern, dass Tiere vor dem Schlachten eine Betäubung erhalten, damit sie keinen Schmerz empfinden. Bei größeren Tieren geschieht die Betäubung mittels eines Bolzenschusses, Geflügel wird durch einen Elektroschock schmerzunempfindlich gemacht:„Doch das Schlachten durch muslimische Halal- und jüdische Koscher-Regeln erfordert, dass ein Tier sich bester Gesundheit erfreut – was durch die vorangestellte Betäubung ausgeschlossen wird, wie religiöse Autoritäten meinen – und mit einem einzigen Schnitt am Hals getötet wird, bei dem wichtige Blutbahnen durchtrennt werden.“ Muslimische und jüdische Vertreter protestierten gegen die neue Regelung, während das von dem Minister für Tierwohl in der flämischen Regierung angestoßene Gesetz von Tierrechtsgruppen begrüßt wurde. Die meisten Länder in der Europäischen Union erlauben religiöse Ausnahmen zur Notwendigkeit einer Betäubung, wie die Niederlande und Deutschland. Belgien geht nun den gleichen Weg wie Schweden, Norwegen, Island, Dänemark und Slowenien, Länder, die alle keine Ausnahmeregelungen kennen. Die 500 000 Muslime und mehr als 30 000 Juden in Belgien müssen sich nun ihr Fleisch aus dem Ausland besorgen.

DT/KS

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