Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 14. Februar

Die "höfliche Verfolgung" von und durch Christen.
Aus den Zeitschriften

Die „höfliche Verfolgung“ von und durch Christen

Im Beitrag von Matthew Schmitz für den Catholic Herald geht es um Christenverfolgung: „Westlichen Christen droht nicht die Gefahr durch Säbel-und-Sandalen-Tyrannen, sondern durch einen neuen Verhaltenskodex.“ Papst Franziskus beschrieb dies bereits 2016 als „höfliche Verfolgung“. Diese werde oftmals durch Christen selbst betrieben, um ihre nichtgläubigen Zeitgenossen zu „umschmeicheln“. Immer wieder „beeilen sie sich, andere Christen als ,hasserfüllt‘, ,unsensibel‘ und ,fanatisch‘ – in einem Wort als unhöflich – zu denunzieren“. Anti-Katholizismus existiere heute in hohem Grade als „katholische Selbstverachtung“. So können „höfliche Katholiken die Mahnung nicht leiden, dass sie sich trotz allem noch immer zu einem unmodernen Glauben bekennen“. Diese Menschen bemühen sich, sich von Christen zu distanzieren, die sich zur kirchlichen Sexuallehre bekennen: „Sie tun, was sie können, um sie zum Schweigen zu bringen.“ Christen „sollten zweimal darüber nachdenken, sich für diese Form der Selbstkontrolle einzusetzen“. Sie sollten stattdessen ihren Glaubensbrüdern beistehen, die „bei ihrem aufrichtigen Versuch, den Glauben zu verteidigen, wegen gelegentlicher Verstöße gegen die politische Korrektheit attackiert werden. Alles andere bedeutet, mitschuldig an einer Form der Verfolgung zu werden, die auch eine Art Klassenkampf ist.“

Weil sie die Wahrheit sagt

Eine groteske Posse ist Gegenstand des Artikels von James Kirkup im Spectator. Die 74-jährige Margaret Nelson aus Suffolk wurde eines Morgens durch einen Anruf geweckt. Eine Polizistin forderte die ehemalige Journalistin auf, Tweets sowie Passagen auf ihrem Blog zu löschen. Nelson interessiert sich besonders für den Begriff „Gender“. So twitterte sie: „Gender ist modischer Unfug. Ich schäme mich nicht, die Wahrheit zu sagen. Sorry, Ihr glaubt der Mythologie.“ Auf ihrem Blog, der sich vor allem um Tod und Begräbnisrituale dreht, schrieb sie: „Wenn der Leichnam eines Transgendermenschen seziert wird, dann springt dessen Geschlecht auch einem Studenten oder Pathologen ins Auge. Nicht das Geschlecht, das er sich ausgewählt hat, sondern das, mit dem er geboren wurde.“ Die Polizistin sagte der älteren Dame, dass einiges, was sie geschrieben habe, „Transgendermenschen verärgert oder gekränkt haben könnte“. Später verlangte Nelson eine Erklärung von der Polizeistation. Die antwortete via Twitter: „Hi Margaret, eine Reihe von Leuten hat uns über soziale Netzwerke wegen Ihrer Online-Kommentare kontaktiert. Ein Anruf sollte das Bewusstsein für die Beschwerden schärfen.“ Kirkup kommentiert: „Lesen Sie das nochmal: Eine vereidigte Amtsperson scheute weder Zeit noch Mühe, um eine ganz und gar gesetzestreue Frau anzurufen und sie aufzufordern, keine Dinge mehr zu sagen, die Unmut hervorrufen könnten.“ Nelson twitterte: „Ich werde nicht schweigen, nur weil einige Leute sich ein bisschen aufregen könnten.“

Weniger Geburten in Frankreich

Das Monatsmagazin La Nef meldet einen „Rückgang der Fruchtbarkeit in Frankreich“. Bereits das vierte Jahr in Folge sei die Geburtenrate in Frankreich zurückgegangen, während die Sterblichkeit einen Rekordwert erreicht habe. Laut der vom nationalen Statistikinstitut INSEE veröffentlichten Bevölkerungsbilanz für 2018 seien in diesem Jahr 758 000 Babys in Frankreich geboren und damit 12 000 weniger als 2017. Der Demograph Gérard-François Dumont erklärt: „Dieser Geburtenrückgang steht vor allem mit der Abnahme der Fruchtbarkeit in Zusammenhang. Die demographische Entwicklung des Jahres 2018 bestätigt die Auswirkungen der Verschlechterung der Familienpolitik. Heute befinden wir uns noch immer in einem Abwärtstrend, der 2015 seit der Bedürftigkeitsprüfung für Familienleistungen begonnen hat. Seitdem hat sich eine ganze Palette an Beschlüssen angehäuft und zu einem Verlust an Vertrauen geführt.“

Konversion als Tabu

Titelthema der Wochenzeitschrift Famille Chrétienne ist „Ein noch immer wirksames Tabu“ – die Evangelisierung von Muslimen. Bei einer Versammlung mit Katechisten sagte ein Bischof: „Sie wissen, dass heute nahezu zehn Prozent unserer erwachsenen Katechumenen aus dem Islam kommen. Das Beeindruckendste ist, dass uns alle sagen, dass sie mit dem Eintritt in die Kirche die Freiheit entdeckt haben.“ Diese „Konvertiten aus dem Islam... rütteln die katholische Kirche auf“, schreiben die Autoren des Artikels. Die Kirche werde aber auch „von den Gruppen ins Wanken gebracht, die eine ausdrückliche Mission bei den Muslimen in Frankreich fordern“. So habe das Forum „Jésus le Messie“, das sich für die Evangelisierung der Muslime einsetzt, „heimlich und bei seiner Gründung vor elf Jahren noch vom Klerus boykottiert, auf die Initiative von – mitunter aus dem Islam stammenden – Laien dennoch zahlreiche religiöse Gemeinschaften zusammengeführt“. Einerseits traditionelle Gemeinschaften, wie die Fraternité Saint-Vincent-Ferrier, die Gemeinschaft Saint-Martin oder die Missionaires de la Miséricorde, andererseits aus dem charismatischen Umfeld, wie die Communauté de l'Epiphanie et de la Croix, die dem Forum Räume bereitstellen. Von einigen Bischöfen „bekommt es eine – zuweilen zurückhaltende – Unterstützung“. Es findet nunmehr mehrere Male jährlich in verschiedenen Städten Frankreichs statt. Der 1970 getaufte ehemalige Muslim Mohamed Christophe Bilek meint, dass es „in der Kirche ein so starkes Tabu gibt, dass sogar die Aufnahme neuer Konvertiten ein Problem darstellt“. Der gebürtige Algerier hat 2016 eine 2001 von ihm gegründete Vereinigung aufgelöst, „die auf die Aufnahme von Christen aus dem Islam in die Kirche abzielte, und die ihm zufolge auf die Gründung einer nationalen Seelsorgestelle hinauslaufen sollte“. Der SNRM, der nationale Dienst für die Beziehungen mit den Muslimen der französischen Bischofskonferenz habe ihm ständig gesagt: „Wir denken darüber nach, es ist schwierig.“ Doch nichts sei geschehen. Dennoch sei es ein wichtiges Thema, denn „die Mehrheit der aus dem Islam stammenden Getauften geben die religiöse Praxis nach einigen Jahren auf. Etliche von ihnen leben unter ständiger Bedrohung“ und wurden von ihren Familien vor die Tür gesetzt. Die Frage der Konversion sei „noch immer sehr tabuisiert. Die Kirche möchte nicht den Eindruck vermitteln, den Gläubigen des Islam ein Übernahmeangebot zu machen.“ Laien von der „Basis“ bewegen hier etwas. Jean-Yves Nerriec, Mitbegründer der Mission Angélus, setzt sich für die Schulung von Katholiken zur Evangelisierung von Muslimen ein. Bei der Lektüre des Korans entdeckte er, dass für die Muslime Jesus nicht gekreuzigt wurde: „Ich habe das Buch geschlossen, das Millionen Seelen von Christus abbringt.“

DT/KS

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