Indiana Jones im Vatikan

Schnitzeljagd im hohen Tempo: „Illuminati – Angels & Demons“ bietet reine Action, die Provokation läuft ins Leere

Diesmal hat die Provokation gar nicht funktioniert. Alle Versuche von Regisseur Ron Howard, aus der Empörung kirchlicher Kreise in Form von Publicity für seine neue Dan Brown-Verfilmung „Illuminati – Angels & Demons“ Kapital zu schlagen, liefen ins Leere. Auf Howards Vorwürfe, der Vatikan habe die Dreharbeiten behindert, reagierte Vatikan-Pressesprecher Federico Lombardi gelassen: Howard gehe es nur darum, die Werbetrommel für den Film zu rühren.

Gian Maria Vian, Chefredakteur des „Osservatore Romano“, nahm freilich die Einladung an, sich „Illuminati – Angels & Demons“ in einer Vorab-Filmvorführung anzuschauen. Sein Fazit: Der Film sei wie der Roman harmlose Unterhaltung mit stereotypen Figuren. Der zur Gattung des „Fanta-Vaticano“ (Fantasie-Vatikan) gehörende Spielfilm stelle keine Gefahr für das Christentum dar. Er bestätige vielmehr die jahrtausendealte vom Glauben und den christlichen Symbolen ausgehende Faszination.

Denn anders als bei „The Da Vinci Code – Sakrileg“, der den Anspruch erhob, die katholische Kirche „in ihren Grundfesten erschüttern“ zu wollen, hält sich bei „Illuminati“ die Kritik an der Kirche, abgesehen von einem vermeintlichen, schwammigen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glaube, sehr in Grenzen. Eine Kritik, die sich in der rasanten Inszenierung des Films als Action-Thriller lediglich auf sporadische, meistens eher belustigende Sticheleien beschränkt.

Scheiterte die Dramaturgie des Filmes „The Da Vinci Code – Sakrileg“ letztendlich daran, dass die Handlung immer wieder durch Dialoge unterbrochen wurde, in denen Dan Browns abstruse Theorien ausgebreitet wurden, so haben die Drehbuchautoren David Koepp und Akiva Goldsman diesmal ganz auf Action gesetzt.

„Illuminati – Angels & Demons“ beginnt mit einer Parallelhandlung: Im Vatikan zerbricht Camerlengo Patrick McKenna (Ewan McGregor) die päpstlichen Insignien Fischerring und Siegel nach dem Tod des Heiligen Vaters. Derweil bereitet sich das Genfer CERN-Labor auf ein gewagtes, von der jungen Wissenschaftlerin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) geleitetes Experiment vor: die Erzeugung von Antimaterie.

Während in Rom der Papst zu Grabe getragen wird und sich die Kardinäle, allen voran die „Favoriten“ für die neue Papstwahl, zum Konklave einfinden, wird in Genf ein Wissenschaftler mit Priesterkragen ermordet, wobei der Mörder eine hochgefährliche Probe Antimaterie entwendet.

Ortswechsel: In Harvard wird Professor Robert Langdon (Tom Hanks) von einem Vatikan-Diplomaten aufgesucht. Denn auf der Brust des ermordeten Priester-Wissenschaftlers wurde das von oben wie von unten gleich lesbare „Ambigramm“ der „Illuminati“ eingebrannt, und Langdon ist nun mal der beste Kenner dieser auf Galileo Galilei zurückzuführenden Geheimbruderschaft. So führen die Wege sowohl von Robert Langdon als auch von Vittoria Vetra nach Rom.

Kaum im Vatikan angekommen und vom ruppigen Chef der Schweizergarde Richter (Stellan Skarsgaard) eher abweisend aufgenommen, werden Langdon und Vetra mit der Entführung von vier Kardinälen – den „Favoriten“ – konfrontiert. Der Entführer (Nikolaj Lie Kaas) hat gedroht, einen nach dem andern zu jeder vollen Stunde zu ermorden. Zu allem Überfluss tickt im Hintergrund eine Zeitbombe, denn um Mitternacht würde die Antimaterie explodieren, sollte bis dahin der Akku der sie umhüllenden Kapsel nicht ausgewechselt werden. Die Folge wäre eine Detonation apokalyptischen Ausmaßes, in deren Gefolge der Vatikan und halb Rom untergehen würden.

Während auf dem Petersplatz Gläubige und Medien auf den weißen Rauch warten, der das Ende des Konklaves anzeigt, muss der neue Indiana Jones Robert Langdon durch die römische Nacht rasen, um in verschiedenen Kirchen nach verstecken Hinweisen der „Illuminati“ zu suchen. Die mit höchstem, von der Filmmusik Hans Zimmers noch gesteigertem Tempo inszenierte Schnitzeljagd erzeugt zwar Spannung, aber diese Aufgeregtheit vermag kaum über die sich wiederholende Handlung hinwegzutäuschen.

Hat der Regisseur für seinen „Fanta-Vaticano“ bestimmte Anklänge an real existierende Personen gesucht – der tote Papst erinnert an Johannes Paul II., das Konklave wird von einem deutschen Kardinal (Armin Müller-Stahl) geleitet –, so wundert es umso mehr, dass die Filmemacher die groben Fehler in der Romanvorlage nicht korrigiert haben, zumal sie für die gesamte Filmdramaturgie von entscheidender Bedeutung sind: Zwar werden bei einer Papstwahl immer „Papabile“ gehandelt, aber den offiziellen Rang von „Preferiti“ oder „Favoriten“ gibt es nur im „Fantasie-Vatikan“ des Dan Brown beziehungsweise Ron Howard.

Die für die Handlung des Films nicht unwesentliche Figur des Patrick McKenna gehört ebenfalls dem Reich der Fantasie an. Denn nur in einem fiktiven Vatikan verschmilzt der Privatsekretär des verstorbenen Papstes mit dem Camerlengo zu einer Person. Im echten Vatikan wird das Amt des Camerlengo von einem ranghohen Kardinal bekleidet – seit April 2007 von keinem Geringeren als von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

Themen & Autoren

Kirche