In der Nacht des Wissens gehen Lichter auf

Die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München feiern ihr 40-jähriges Bestehen. Von Carl-H. Pierk
Foto: dpa | Der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr, Professor Wilfried Seidel, in der Bibliothek in Hamburg.
Foto: dpa | Der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr, Professor Wilfried Seidel, in der Bibliothek in Hamburg.

Ein Studium an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr ist heute ein selbstverständlicher Bestandteil der Ausbildung zum länger dienenden Offizier. Am 1. Oktober 1973 konnten sich in Hamburg und München die ersten militärischen Studenten immatrikulieren. Vierzig Jahre Universitäten der Bundeswehr: Dieses Jubiläum wirft schon jetzt seine Schatten voraus.

Am 3. Oktober 1972 unterzeichnete der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Peter Schulz, das „Abkommen über die Errichtung einer wissenschaftlichen Hochschule für Soldaten der Bundeswehr in Hamburg“. Bereits ein Jahr später, am 1. Oktober 1973, nahmen die ersten Offizieranwärter das Studium auf, das Helmut Schmidt während seiner Zeit als Verteidigungsminister als einen integralen Bestandteil der Offizierausbildung gefordert und damit den Impuls für die Gründung der beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München gegeben hatte. Mittlerweile ist die Universität mit etwa 2 500 Studentinnen und Studenten und mehr als 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Dienststelle der Bundeswehr in der Hansestadt. Unverändert ist und bleibt, dass die Helmut-Schmidt-Universität in Aufgaben, Struktur und Rechten nach den Maßgaben des hamburgischen Landesrechts organisiert ist. Forschung und Lehre sind frei, ihre akademischen Angelegenheiten verwaltet die Universität selbst.

Ihr 40-jähriges Bestehen feiert die Helmut-Schmidt-Universität mit einem Programm, das sich über nahezu das ganze Jahr hinzieht. Am 22. März gab es einen Senatsempfang, der gleichzeitig der Auftakt des Festjahres ist. Vom 13. bis 15. Juni findet ein Absolventen-Kongress statt. Am 29. Juni gibt es einen Tag der Offenen Tür mit anschließender Leutnantsbeförderung an der HSU. An diesem Tag werden mehr als 300 Offizieranwärter zu Leutnanten und Leutnanten zur See – und damit zu Offizieren – ernannt. Der Beförderungsappell ist das größte militärische Zeremoniell, das jährlich in der Freien und Hansestadt Hamburg stattfindet. Am 2. November ist wieder eine „Nacht des Wissens“ und im Dezember 2013 schließlich gibt es eine große Abschlussveranstaltung. Präsident der Universität ist der Mathematik-Professor Wilfried Seidel, zuvor Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Zumindest nach außen hin noch etwas zurückhaltender begeht die Bundeswehr-Uni in München ihren 40. „Geburtstag“. Am 21. Juni lädt sie zu einem Festakt ins Audimax. Dann soll auch eine Fotoausstellung zu vier Jahrzehnten Universitätsgeschichte eröffnet werden. Zurzeit sind etwa dreitausend Studierende immatrikuliert, darunter etwa 300 Frauen, 150 ausländische Offiziere und ausländische Austauschstudierende sowie 50 zivile Studierende. Die Universität war wie ihre Schwesteruniversität in Hamburg als Reformuniversität gegründet worden. Die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt wollte an diesen beiden Hochschulen ihre hochschulpolitischen Reformvorstellungen umsetzen. Gleichzeitig war es das Ziel, die Ausbildung der Offiziere neu zu konzipieren und attraktiver zu machen. Von Anfang an vereinte die Universität der Bundeswehr München universitäre und Fachhochschul-Studiengänge unter einem Dach. Die Universität der Bundeswehr München ist als Bildungseinrichtung der Streitkräfte eine militärische Dienststelle und dem Organisationsbereich der Streitkräftebasis (SKB) zugeordnet. Geleitet wird sie von der Präsidentin Professor Merith Niehuss.

Die Zugangsvoraussetzungen für das Studium an einer Universität der Bundeswehr gleichen im Wesentlichen denen für andere Universitäten. Doch ähnlich wie bei der gehobenen Polizeilaufbahn ist neben dem Abitur das Durchlaufen eines Aufnahmetests erforderlich, bei dem auf sportliche Fitness geachtet wird. Im Vergleich zum Studium an öffentlichen Universitäten kann das Studium an einer Bundeswehruniversität in einer kürzeren Zeit abgeschlossen werden. Nach drei Jahren Regelstudienzeit, wobei jedes Studienjahr in Trimester unterteilt ist, erreichen die Studierenden den Bachelor-Abschluss, nach vier Jahren ist ein Master-Abschluss im Intensivstudium möglich. Die Abschlüsse der Bundeswehruniversitäten sind zivil anerkannt, da das allgemeine staatliche Hochschulrecht auch an den Bundeswehrhochschulen angewendet wird. Die akademischen Grade richten sich nach dem Hamburger und bayrischen Hochschulrecht.

Beide Universitäten vereinen unterschiedliche Fakultäten auf ihrem Campus: Die Bandbreite der Studiengänge reicht von der Pädagogik über Wirtschaftswissenschaften bis zu Informatik oder Luft- und Raumfahrttechnik. Es gibt vor allem technische, aber auch wirtschaftliche, organisationswissenschaftliche und pädagogische Studiengänge. Nicht an einer Bundeswehruniversität immatrikuliert sind Offizieranwärter, die Medizin, Pharmazie, Zahn- oder Tiermedizin studieren. Sie studieren nicht an einer Bundeswehruniversität, sondern sind regulär an zivilen Universitäten immatrikuliert. Als Campus-Universität zeichnet sich die Bundeswehruniversität über kurze Wege und eine örtliche Nähe von wohnen, studieren und leben aus. Daraus ergibt sich auch ein guter Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden. Die studierenden Soldaten sind von militärischen Diensten weitgehend freigestellt und beziehen weiter ihr reguläres Gehalt. Eine Voraussetzung für ein solches Studium ist es, sich für mindestens 13 Jahre zum Dienst in der Bundeswehr zu verpflichten. Neben den zahlreichen akademischen Veranstaltungen finden jeden Mittwoch in München und jeden Donnerstag in Hamburg militärische Nachmittage statt. Dort können militärische Pflichten wie Schießen, Marschieren oder aber die Erfüllung der sportlichen Anforderungen absolviert werden.

Die Bundeswehrhochschulen öffnen sich zudem national wie international. Zivile Studierende sind in kleiner Zahl an beiden Universitäten zugelassen. Die Teilnahme als Gasthörer kann auch gewährt werden. Hamburger Studierende können teilweise Leistungen an der Helmut-Schmidt-Universität erbringen. An der Universität der Bundeswehr München gibt es eine Initiative zur Hochbegabtenfrühförderung. Für befreundete Streitkräfte besteht zudem die Möglichkeit, ihre Offiziere in München ausbilden zu lassen. Und wie an jedem anderen Bundeswehrstandort auch werden in Hamburg und München die studierenden Offiziere und Offizieranwärter sowie alle militärischen und zivilen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von der Evangelischen wie Katholischen Militärseelsorge seelsorglich betreut.

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