Im virtuellen Raum Freunde finden

Schwester Mirjam Beike ist eine Schwester vom guten Hirten: Zu Hause ist sie auch im weltweiten Netz,

in dem sie für den Glauben wirbt (4. Teil der Blog-Serie) Von Barbara Wenz

Von Schwester Mirjam Beike könnte man sagen, dass sie mit allen virtuellen Wassern gewaschen ist. Die Schwester vom guten Hirten ist Gast auf katholon.net, einem katholischen Internetforum, nutzt den populären Dienst Facebook, um sich mit anderen Katholiken und Ordensschwestern zu vernetzen und führt ein Blog über ihre missionarische Tätigkeit in Albanien. Mit ihrer Protestseite gegen das blasphemische Titanic-Cover vom April 2010 auf Facebook konnte sie rund 1 500 gleichgesinnte Menschen erreichen. Was sie an ihren Aktivitäten im Netz besonders schätzt: Aus der virtuellen Begegnung entwickelt sich oft eine Freundschaft im echten Leben.

Sie nutzen selbstverständlich das Internet und seine kommunikativen Möglichkeiten bei Ihrer missionarischen Tätigkeit in Albanien. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Nach der gemeinsamen Laudes am Morgen haben wir Sprachunterricht. Am Nachmittag halten wir vorwiegend Katechese- und Gruppenstunden mit Kindern und Taufunterricht. Da wir hier in einer sehr tiefen Diaspora leben, gibt es kaum Katholiken. Die Albaner sind aber interessiert am christlichen Glauben. So versuchen wir, ihnen durch Informationen, Katechese und vor allem durch unsere Anwesenheit zu zeigen, wie wir leben. Am Sonntag ist, wenn möglich, eine heilige Messe, aber die Priester müssen zwei bis fünf Stunden fahren, bis sie bei uns sind. Daher kann sie leider nicht jeden Sonntag gefeiert werden. Wir beten außerdem die Vesper, haben eine Stunde persönliche Gebetszeit am Tag, kochen und essen gemeinsam. Außerdem treffen wir uns alle zwei Wochen zu einem Bibelgespräch oder anderen internen Besprechungen und halten gemeinsam eine wöchentliche Anbetungsstunde, die auch vorbereitet werden muss. Über die Möglichkeit, hier auch Internet nutzen zu können, sind wir sehr froh! Besonders wichtig ist für uns Email, mit der wir ohne lange Wartezeiten unsere Post sofort auf die PCs der Empfänger im Heimatland senden können.

Auf Ihrem Albanien-Blog kann man Ihren Alltag nachlesen, sogar mit Bildern und Videos von den gemeinschaftlichen Veranstaltungen mit den albanischen Jugendlichen. Was ist Ihre Motivation dabei?

Um Mitschwestern, aber auch Freunde und Interessierte über unsere Tätigkeit auf dem Laufenden zu halten, habe ich begonnen, ein Blog zu führen, um eine größere, aktuelle Nähe herzustellen. Für mich bedeutet es, dass ich, auch wenn es manchmal zeitlich knapp ist, trotzdem einen Text eintrage, Bilder oder Videos einstelle, weil ich weiß, dass viele der Mitschwestern regelmäßig das Blog öffnen. Der Zähler, den ich in den Blog eingebaut habe, zeigt mir, dass die Zugriffe aus der ganzen Welt kommen. Vor meiner Ausreise habe ich eine Vorbereitung bei der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungshilfe in Köln gemacht. Diese Gruppe informiert sich regelmäßig auf unterschiedliche Weise über ihre Auslandseinsätze. Manche schreiben Rundbriefe, andere haben Mailinglisten, und ich habe das Blog. Die weltweiten Zugriffe kommen wohl größtenteils aus diesem Kurs. Es ist einfach schön zu wissen, wie viele Menschen an unserer Arbeit und unserem Leben hier interessiert sind.

Sie haben auf Facebook mit der Gründung einer sehr erfolgreichen, aber auch heftig bekämpften Protestseite gegen das blasphemische Titanic-Cover aus dem Monat April diesen Jahres Furore gemacht. Wie nutzen Sie Facebook, was gefällt Ihnen dort?

Am Anfang war ich sehr skeptisch. Als ich diese Facebookgruppe gründete, hat sich das auf einmal geändert. Etwa 1 500 Menschen, die sich angesichts des Titelbildes in ihren religiösen Gefühlen verletzt sahen, sind ihr beigetreten. Sehr interessante, mir bisher fremde Menschen, deren Beiträge mir gut gefielen. Zwei Mitglieder werde ich sogar in meinem anstehenden Urlaub besuchen, um sie auch im realen Leben zu treffen. Facebook ist für mich eine Möglichkeit geworden, gleichgesinnte Menschen kennen zu lernen, mit ihnen in Kontakt zu treten, und es ist tatsächlich möglich, seinen Freundeskreis auch im realen Leben zu erweitern.

Warum Ordensschwester bei den Schwestern vom guten Hirten? Was hat Sie an dieser Gemeinschaft besonders überzeugt?

Meine Ordensgemeinschaft hat ein spezielles Charisma. Es wird durch ein viertes Gelübde ausgedrückt, das auf den heiligen Johannes Eudes zurückgeht, welches wir zu den drei Gelübden der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit zusätzlich ablegen. Es ist das Gelübde des „apostolischen“ Eifers, und wir werden dadurch ausschließlich an die Seite von Frauen und Mädchen gestellt, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden – als Prostituierte, als Strafgefangene, als HIV-Infizierte, als heimatlose Migrantinnen, als Menschen ohne jede Bildungsperspektive. Wir versuchen, ihnen durch Bildung und Ausbildung aber auch durch die Vermittlung des Glaubens eine neue Lebensperspektive zu geben. Diese Aufgabe und dieses Charisma meiner Ordensgemeinschaft übte eine starke Faszination auf mich aus, und tut es immer noch.

Das klingt nach harter Arbeit im Auftrag des Herrn. Wo sehen Sie die Möglichkeiten der modernen sozialen Kommunikationsmittel für Ordensschwestern in einem karitativen Orden?

Generell denke ich, dass sie eine gute Möglichkeit bieten, als Ordensschwester präsent in den Diskussionen und Lebenssituationen vieler verschiedener Menschen zu sein. Ebenso haben noch mehr Menschen die Möglichkeit, einer „echten“ Ordensschwester zu begegnen. Die Zahl der Ordensschwestern in Deutschland sinkt ja dramatisch. Tatsächlich fiel kürzlich die Entscheidung einer jungen Frau, Postulantin bei den Schwestern vom guten Hirten zu werden, mit Hilfe des Internet. Die Kandidatin hatte sich vorher auf unseren Onlineseiten informiert und beginnt jetzt – nach einer persönlichen Kennenlernphase – am 15. August ihr Postulat, worüber wir uns herzlich freuen.

Im echten Leben die Arbeit in der Missionsstation, im Internet für den katholischen Glauben werben – nutzen Sie die Möglichkeiten im Netz auch mal ganz profan zum Entspannen und Erholen? Was genau machen Sie dann?

Die Entspannung und Erholung durch das Internet geschieht bei mir durch den Austausch auf dem katholischen Internetforum katholon.net, durch die Gemeinschaft auf Facebook und vor allem über Internettelefonie. Mir ist hier im Ausland der Kontakt und vor allem das Gespräch in deutscher Sprache wichtig. Da wir ein internationaler Konvent aus vier Nationalitäten sind, sprechen wir gemeinsam englisch und französisch, außerhalb des Hauses albanisch. Für mich ist es wirklich sehr wichtig, auch ab und zu noch einmal deutsch reden zu können, und mich wenigstens „virtuell“ innerhalb meiner eigenen Kultur bewegen zu dürfen.

Sie haben sich als fünfzehnjähriges Mädchen bekehrt, Ihre Geschichte ist nachzulesen in dem Band „Wenn Er anklopft“, her-ausgegeben von Birgitt Kerz (MM-Verlag). Denken Sie manchmal darüber nach, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wenn Sie dieses Bekehrungserlebnis nicht gehabt hätten?

Ja, in der Tat! Da frage ich mich dann, ob ich wohl geheiratet hätte, ob ich inzwischen gar geschieden wäre, ob ich Kinder hätte, und wie viele, und auch, wo ich leben würde. Es wäre sicher ein ganz anderes Leben geworden, aber es könnte nicht erfüllter und glücklicher sein, als das Leben, das ich jetzt führen darf.

– Internetauftritt der Schwestern vom guten Hirten: www.guterhirte.de

– Katholisches Internetforum katholon.net: www.katholon.net

– Albanien-Blog von Sr. Mirjam Beike: neues-aus-albanien.blogspot.com

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