Hybrid-Embryonen in England: Schwerer Schlag gegen die Menschenwürde

Das britische Unterhaus hat am Mittwoch vergangener Woche ein Gesetz verabschiedet, das die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen erlaubt. Diese sogenannten Hybrid-Embryonen, auch als Chimären bezeichnet, sollen bei der Erzeugung von Stammzellen zu „Therapiezwecken“ behilflich sein.

Ein Aufschrei müsste in den Ländern der Europäischen Union (EU) und weltweit zu hören sein! Was da erlaubt wurde – nämlich die Injektion eines menschlichen Zellkerns in eine entkernte tierische Eizelle, die zur Teilung gebracht wird – überschreitet eine bis dahin akzeptierte Grenze, und ist ein schwerer und auf das Schärfste zu verurteilender Verstoß gegen die Würde des Menschen. Menschliches Leben, das immer zugleich personales und von Gott bejahtes ist (vergleiche die Instruktion „Donum vitae“ der Kongregation für die Glaubenslehre vom 10. März 1987, I.1), wird beliebig erzeugt, zur Entnahme von Stammzellen benutzt, zum Ersatzteillager degradiert und dann vernichtet. Solche Instrumentalisierung ist nicht hinnehmbar. Auch der vorgegebene „gute“ Zweck, die angestrebte Heilung von kranken Menschen, darf nicht um den Preis der Tötung menschlicher Embryonen geschehen. Die Grenze zur vollständigen Verzweckung ist überschritten. Der rapide abnehmende Respekt vor der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens und vor Gott, der den Menschen nach seinem Ebenbild schuf, wird schwerwiegende Konsequenzen haben. Niemand soll angesichts der fortschreitenden Fehlentwicklungen später sagen, dies habe man nicht gewollt. Deshalb gilt es, jeder Verzweckung menschlichen Lebens in allen Phasen entschieden entgegenzutreten und die Verantwortlichen in Forschung, Medizin und Politik an ihre Verantwortung für den Schutz des Lebens zu erinnern.

Vielleicht kann eine alte griechische Sage verdeutlichen, um was es geht. Die Heimfahrt des Odysseus nach dem trojanischen Krieg ist voller gefährlicher Abenteuer. Eines davon ist dieses: Das Schiff der Heimkehrenden muss an der Insel der Sirenen vorbeifahren. Sirenen, das heißt zu deutsch: die Bestrickenden, die Fesselnden. Diese Fabelwesen, halb Mensch und halb Vogel, mit großen Krallenfüßen, ziehen mit ihrem bezaubernden Gesang die Seefahrer an, um sie dann umzubringen. Ihre Insel ist übersät mit Skeletten. Odysseus ist gewarnt. Er befiehlt allen Leuten auf seinem Schiff, sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen. Er allein will die Ohren offen halten. Aber seine Gefährten müssen ihn fest an den Mastbaum des Schiffes binden. So will er es wagen, die tödliche Gefahr zu bestehen. Als das Schiff sich der Insel nähert, tritt zunächst eine unheimliche Stille ein. Dann ertönt der Zaubergesang der Sirenen. Aber Odysseus, der sich in Freiheit an den Mast gebunden hat, besteht die tödliche Gefahr.

Die Christen der ersten Jahrhunderte haben diese Sage aufgegriffen und mit der Glaubenseinsicht verbunden: Freiheit ohne Bindungen und Selbstbescheidung, besonders ohne Gottesbezug wird tödlich. Sie endet früher oder später in einer Tragödie. Das muss auch die Forschung heute einsehen, damit sie nicht zu einer Karikatur verkommt.

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