Hundert Prozent feminin und christlich

Begleitet durch den Tag: Die neue französische Zeitschrift „Zélie“ ist kostenlos im Internet verfügbar. Von Katrin Krips-Schmidt
Foto: Zélie | Die Oktober-Ausgabe der französische Zeitschrift „Zélie“ stellt die Heiligsprechung von Zélie Martin in den Mittelpunkt.
Foto: Zélie | Die Oktober-Ausgabe der französische Zeitschrift „Zélie“ stellt die Heiligsprechung von Zélie Martin in den Mittelpunkt.

Die französischen Frauenzeitschriften hält Solange Pinilla, Chefredakteurin von „Zélie“, für seicht und oberflächlich: Flüchtig durchgeblättert, hinterlassen sie durch ihren oftmals dürftigen Inhalt einen schalen Eindruck bei der Leserin. Bei den bunten Magazinen steht die Frau als Konsumentin im Vordergrund, die in erster Linie mit Shoppen und Diäten beschäftigt ist. Für die verheiratete diplomierte Journalistin und Mutter eines kleinen Sohnes ist dies ein verengter Blick.

Was auf dem großen Markt der Illustrierten noch fehlte, war ein wirklich „100% feminines“ und zugleich „100% christliches“ Magazin, das Frauen in ihrem Leben als Ehefrau und Mutter, aber auch in ihrem Beruf ganzheitlich begleitet, also auch Intellekt, Herz und Seele anspricht. Das neue Journal sollte zudem digital, also nicht am Kiosk erhältlich, und außerdem kostenlos verfügbar sein.

Weibliche Kleidung aus einem christlichen Blick

Das Resultat ist höchst ansehnlich: www.magazine-zelie.com/. Eine Leserin lobt in einer ersten Reaktion das neue Monatsmagazin „Zélie“, das im September 2015 erstmals erschienen ist: „Ein schönes Gleichgewicht zwischen der Leichtigkeit, wie man sie in einer normalen Frauenzeitschrift findet, und seriösen Artikeln“. Zélie lässt sich am Bildschirm durchblättern oder im DIN-A4-Format ausdrucken.

Neben den typischen Frauenthemen, wie Kochen und Kindererziehung, stehen geistliche und weitere Inhalte auf dem Programm, wie etwa literarische und historische Beiträge. Wer auf der Modeseite vorbeischaut, wird überrascht sein, wie auch weibliche Kleidung aus einem christlichen Blickwinkel beleuchtet werden kann – durchaus frisch und originell ohne altjüngferliche Attitüde. Französisch-elegant eben.

Hinter dem Konzept verbirgt sich ein gut durchdachtes System, wie die Frau in ihrem Tagesrhythmus begleitet werden kann, wobei auch eine berufstätige Frau Berücksichtigung findet: der Morgen beginnt mit dem Gebet, daher gibt es Artikel mit einem spirituellen Hintergrund; dem Arbeitstag im Büro entspricht ein berufliches Thema, für Freizeit und Unterhaltung liefern Film- und Bücherrezensionen sowie Ausstellungs- und Reisetipps wertvolle Anregungen.

Das Septemberheft wartet sogleich mit einem brisanten wie aktuellen Dauerbrenner auf: „Die Frau im Mittelalter“ wird jenseits aller Klischees von einer „finsteren Epoche“ und „von Männern unterdrückten Frauen“, wie sie heute leider noch immer in vielen Köpfen herumgeistern, auf drei Seiten so farbig dargestellt, dass bei den Leserinnen Interesse geweckt wird, sich mit dem Buch „Frauen zur Zeit der Kreuzzüge“ (Herder Verlag, 1995) der renommierten Mediävistin Régine Pernoud, der dem Artikel zugrunde liegt, eingehender zu befassen. Die Verteidigerin des Mittelalters, die 1998 mit 88 Jahren starb und mehr als 50 Werke hinterließ, darunter faszinierende Lebensbildnisse bedeutender Gestalten (Eleonore von Aquitanien, Hildegard von Bingen, Johanna von Orleans, Christine de Pizan, Martin von Tours und Héloise und Abaelard), betonte, dass es gerade das Christentum war, das die Frau vom römischen Gesetz befreit habe, durch das sie zuvor vom pater familias abhängig gewesen war. Daher, so „Zélie“, war das Mittelalter eine Zeit, in der die Frauen mehr Möglichkeiten bekommen hatten. Sie konnten nun „ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten, und sich frei entscheiden zu heiraten oder Nonne zu werden.

Das 15. Jahrhundert und vor allem die Renaissance markierten eine Rückkehr zum römischen Recht und damit insbesondere im intellektuellen Leben zur Herrschaft des Mannes sowie zur Frauenfeindlichkeit, die von der höfischen Literatur teilweise überdeckt worden war“. Zur Zeit des Baus der Kathedralen vom 11. bis zum 13. Jahrhundert, haben einige Frauen höhere Positionen inne, was sie – hier zitiert „Zélie“ Pernoud –: „nicht daran hindert, dennoch voll und ganz Frauen zu sein. Sie machen sich nicht die geringsten Gedanken darum, ein männliches Vorbild zu imitieren oder zu kopieren“.

Zélie Martin ist auch ein Vorbild für Familien

Bisher hat das Projekt „Zélie“ vier Mitarbeiter, die sich um die Gestaltung des Heftes kümmern. Abbé Vincent Pinilla, der Bruder der Chefredakteurin, kümmert sich um die geistlichen Artikel des Magazins, das sich im Übrigen aus Spenden finanziert.

Der Name des neuen 20-seitigen Journals spielt natürlich auf die Mutter der heiligen Therese von Lisieux, auf Zélie Martin, an. Sie wurde am vergangenen Sonntag heiliggesprochen. Insofern liegt das Blatt ebenfalls voll im Trend und widmet der neuen Heiligen im aktuellen Oktoberheft auch gleich die Titelgeschichte. Warum ausgerechnet diese Heilige? Sie sei zugleich ein Vorbild für die Familien, sagt Solange Pinilla, „da sie ihre Heiligkeit in der Ehe und ihrer Mutterschaft gelebt hat, doch auch als Unternehmerin in ihrer Klöppelwerkstatt in Alençon. Sie hat schmerzhafte Prüfungen durchgemacht, wie den Verlust von vier ihrer neun Kinder im frühen Kindesalter und ist damit den Frauen von heute nicht als unerreichbares Vorbild, sondern durch ihre tiefe Menschlichkeit sehr nahe.“

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