Heiraten unter griechischer Sonne

Pop-Musik und gute Laune: Die Filmfassung des ABBA-Musicals „Mamma Mia!“

Das aus Musikstücken der schwedischen Pop-Gruppe ABBA zusammengesetzte Musical „Mamma Mia!“ haben seit seiner Premiere im Jahre 1999 bislang 30 Millionen Zuschauer in 130 Städten auf der ganzen Welt erlebt. Die Musikstücke aus dem Musical wurden darüber hinaus in fünf verschiedenen Sprachen (englisch, deutsch, niederländisch, schwedisch und spanisch) veröffentlicht.

Nun wird das Musical für die große Kinoleinwand adaptiert, wobei das Drehbuch zu der Filmfassung von der Engländerin Catherine Johnson stammt, die bereits das Libretto zum Musical verfasst hatte. Regie führt die Theaterregisseurin Phyllida Lloyd.

Im Mittelpunkt des Filmes wie des Musicals steht freilich nicht die Popgruppe, sondern die alleinerziehende Mutter Donna (Meryl Streep), die mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie (Amanda Seyfried) auf einer griechischen Insel lebt.

Mitten in den Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit mit ihrer Jugendliebe Sky (Dominic Cooper) entwendet Sophie das Tagebuch ihrer Mutter in der Hoffnung, dort Hinweise auf ihren Vater zu finden, den ihr Donna immer verheimlicht hatte. Denn zu ihrer Hochzeit möchte ihn Sophie auf jeden Fall einladen. Laut Tagebuch kommen allerdings drei Männer als Sophies Vater in Frage. Um Gewissheit darüber zu erlangen, wer nun ihr Vater ist, lädt Sophie ohne Wissen ihrer Mutter alle drei zur Trauung ein: den Geschäftsmann Sam Carmichael (Pierce Brosnan), den Abenteurer Bill Anderson (Stellan Skarsgaard) und den Banker Harry Bright (Colin Firth).

Zu den Hochzeitsgästen gehören darüber hinaus zwei alte Freundinnen Donnas, die in früheren Jahren zusammen mit ihr die Musikgruppe „Donna and The Dynamos“ bildeten: Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski). Zu dieser Figurenkonstellation kommen noch die zwei Freundinnen hinzu, die Sophie als Brautjungfern beistehen sollen.

Die weltbekannten ABBA-Hits fügen sich in die Handlung ein, wobei natürlich „Mamma Mia!“ so etwas wie ein Leitmotiv bildet. Als erstes singt Sophie „I Have A Dream“ („Mich trägt mein Traum“), während sie die Einladungen an die drei potenziellen Väter schreibt. Später, als Donna ihren Freundinnen die schlechte finanzielle Lage ihres Hotels schildert, singt sie dazu „Money, Money, Money“.

Zu dem nostalgischen Ton einer Inszenierung, die von den Songs aus dem Ende der siebziger und dem Anfang der achtziger Jahre bestimmt wird, passt etwa der Auftritt der „Donna and The Dynamos“: Die drei älteren Damen (die Schauspielerinnen gehören den Jahrgängen 1949 bis 1952 an) singen „Super Trouper“ für die Jüngeren, die zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Songs (1980) noch gar nicht geboren waren.

Dieses Gefühl einer um 30 Jahre gealterten Flower-Power-Generation entspricht ebenfalls der Handlung – die Ungewissheit Donnas in bezug auf Sophies Vater stellt sich als Folge der zeittypischen sexuellen Libertinage dar. Gar nicht passend dazu, sondern höchst merkwürdig wirkt allerdings der Homo-Subtext, der wohl als Zugeständnis an den „modernen“ Zeitgeist in den Film Eingang findet.

Den Höhepunkt der Nostalgieveranstaltung bildet ohne Zweifel der Abschluss, bei dem „Donna and the Dynamos“ noch einmal „Mamma Mia!“ vortragen. Darauf folgt dann als Zugabe der erste und wohl bekannteste Hit von ABBA „Waterloo“, bei dem auch Pierce Brosnan, Colin Firth, Stellan Skarsgaard im 70er-Jahre-Look mit poppigen Kostümen und Plateauschuhen auftreten. Während des Abspanns singt Amanda Seyfried „Thank You for the Music“.

Insgesamt werden 17 ABBA-Songs von den Schauspielern selbst vorgetragen. Neben Amanda Seyfried, Julie Walters und Christine Baranski ragt die Hauptdarstellerin Meryl Streep heraus, die ihre musikalischen Qualitäten zuletzt in „Robert Altman's Last Radio Show“ („A Prairie Home Companion“, 2006) unter Beweis gestellt hatte.

Gegen sie können sich die männlichen Schauspieler allerdings kaum behaupten. Lediglich Pierce Brosnan hat mit seiner rauen Stimme etwas dagegenzuhalten. Kann dies als Authentizität ausgelegt werden, so geht manch eine musikalische Einlage jedoch bis an die Grenze des Infantilen. Was offensichtlich von der Regisseurin durchaus gewollt war, wie Meryl Streep in einem Interview ausführte: „Phyllida hat uns erlaubt, albern zu sein und Fehler zu machen – daraus ist die Magie entstanden“.

Bei einem Musical erstaunt es indes, dass gut choreographierte Tänze so rar gesät sind. Richtige Qualitäten weist eigentlich nur der Song „Dancing Queen“ auf, bei dem Donna und ihre zwei alten Freundinnen die Inselbewohnerinnen zu einem furiosen Tanz mitreißen.

Über die an den ABBA-Songs entlang konstruierte Handlung hinaus verbreitet „Mamma Mia!“ vor allem gute Laune: Die schönen Landschaftsaufnahmen und die hübschen Bilder mit blauem Himmel, blauem Meer und viel griechischer Sonne sorgen für ein sommerliches „Wohlfühl“-Kino. Nichts mehr und nichts weniger beabsichtigt offenkundig Regisseurin Phyllida Lloyd mit ihrer Musical-Verfilmung.

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