Gurlitt ist nicht der einzige

Auf der Suche nach den geraubten Bildern – Zwei Bücher schildern die Probleme im Kunsthandel. Von Dorothea Hülsmeier

Der Fall Gurlitt hat die Debatte über NS-Raubkunst in Deutschland wieder angeheizt. Viele jüdische Kunstsammler sind heute vergessen. Doch ihre Bilder werden weiter gehandelt oder hängen in Museen.

Zwei Bücher, die angesichts des Gurlitt-Falls jetzt in überarbeiteten Neuauflagen erschienen sind, erinnern an jüdische Kunstsammler und schildern die bis heute dauernde Suche nach ihren Werken. Die Bücher analysieren aber auch die Rolle des Kunsthandels im NS-System und zeigen, wie nach Hitlers Ende der Kunsthandel ohne Bruch weitermachen konnte. Noch heute tauchen in Auktionen Bilder mit Raubkunstverdacht auf – auch aus der Gurlitt-Sammlung kamen Werke auf den Markt.

„In Deutschland gibt es nach wie vor tausende Besitzer von NS-Raubkunst. Cornelius Gurlitt ist keineswegs allein“, das ist die These des Kölner Publizisten Stefan Koldehoff in seinem Buch „Die Bilder sind unter uns“. Koldehoff sieht deutsche Galeristen und den Kunsthandel an der systematischen Ausplünderung der Juden maßgeblich beteiligt. Denn sie hätten die NS-Elite mit Kunstgegenständen versorgt und nach 1939 auch einen „schwunghaften Handel“ mit privaten Sammlern betrieben. Die wenigen Überlebenden des Holocaust und ihre Nachkommen hätten später nur einen Bruchteil zurückerhalten. „Verschollen oder vernichtet waren die Kunstwerke aber nicht“, schreibt Koldehoff. „Bis heute wird mit Tausenden dieser Kulturgüter viel Geld verdient.“ Ähnlich ist auch die Schlussfolgerung von Monika Müller und Monika Tatzkow in ihrem Buch „Verlorene Bilder, verlorene Leben“: Auffallend regelmäßig hätten vom NS-Regime verfolgte Kunstsammler zu hören bekommen, ihr einstiger Besitz sei verbrannt, verschollen oder verloren. „Der Kunsthandel im Dritten Reich war ein Wirtschaftszweig wie jeder andere ... mit viel Raum für Schattengeschäfte.“ Nach dem Krieg sei das Auktionsgeschäft im Wirtschaftswunder „zu neuer Blüte gekommen – „in typischer Schlussstrichmentalität“ habe kaum jemand nach Provenienzen der Kunst gefragt. „Am Fall Gurlitt überrascht nur seine Dimension“, schreiben Müller und Tatzkow.

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