„Glauben Sie an uns“

Schutzengel auf Mission. Von Katrin Krips-Schmidt

Schutzengel kommen wieder in Mode. Spielten sie noch vor wenigen Jahrzehnten innerhalb der katholischen Kirche – in Religionsunterricht, Liturgie und religiösem Brauchtum der Familie – eine nicht unwesentliche Rolle, sind sie schon seit längerem fast nur noch in esoterischen Zirkeln anzutreffen.

Andererseits: Die in heutiger Zeit selbst in einem heidnischen Umfeld nicht selten gehörte Redewendung „Da hattest Du aber einen Schutzengel!“ verfügt oftmals über keinen ernst gemeinten Hintergrund, und auch cineastische Produktionen widmen sich der Schutzengel-Thematik aus einer eher versponnenen Perspektive.

Einen Mittelweg zwischen Schutzengel-Romantik und unrealistischer Fiktion geht die junge Würzburgerin Christine Pierk mit ihrem Debütwerk „Himmlische Ausbildung – Meine Erlebnisse als Schutzengelanwärter“. Die 29-jährige Diplom-Politologin erschafft vor märchenhafter Kulisse eine Handlung, die sich in ihrer Auflösung als handfester Entwicklungsprozess des Ich-Erzählers entpuppt.

Der ist nämlich anfangs ein ziemlich unleidlicher Zeitgenosse, als er zu Beginn der Geschichte plötzlich vor der Himmelspforte steht. Als er Einlass findet, geht es dort recht bürokratisch zu: Er muss einen zehnseitigen Antrag stellen, um einen „vorläufigen Himmelspass“ zu erwerben, schließlich erfährt er, dass er als „Schutzengelanwärter“ für die „Schutzengelausbildung“ vorgesehen sei. Dazu bekommt er einen erfahrenen Betreuer namens Erwin zur Seite gestellt. Gleichzeitig verliert er seine Identität und damit auch sein Gedächtnis. Seine „Schutzengelausbilderin“ Kathi klärt ihn auf: Er wird von der Schutzengelplanungskommission jeweils einem bestimmten Schützling auf Erden zugewiesen.

Nach Beendigung seiner Mission werde ein Teil seines Gedächtnisses freigeschaltet, so dass er sich erinnern könne, weshalb er überhaupt im Himmel gelandet sei. Er bekommt nun Flügel, lernt fliegen und wird mit den Gaben eines Schutzengels vertraut gemacht, die es ihm ermöglichen sollen, seine Schutzbefohlenen zu bewachen und gegebenenfalls zu retten, wenn ein Unheil droht. Die drei ihm gestellten Aufgaben erledigt er bravourös.

Wie die Missionen des „Schutzengelanwärters“ alle miteinander letztendlich zusammenhängen, erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten. Dass seine Aufträge darüber hinaus aufs Engste mit dem eigenen Leben des Protagonisten und mit seinem eigenen Versagen verwoben sind, führt zu einer heilenden Selbsterkenntnis des einst Ungläubigen.

Anders als im wirklichen Leben ist der Hauptfigur in dieser märchenhaften Geschichte noch einmal die Möglichkeit zur Umkehr gegeben, zur Wiedergutmachung seiner Fehler.

Das überraschende Ende auf privater Ebene spannt den Bogen zur religiösen Erkenntnis: „Ach und noch etwas sehr Wichtiges: Zweifeln Sie bitte nicht an unserer Existenz, sondern glauben Sie auch an uns, wenn wir Ihrer Meinung nach nicht präsent zu sein scheinen. Denn gegen das Schicksal sind auch wir machtlos – alles im Leben hat seinen Sinn, wir erkennen ihn nur manchmal nicht sofort. Und wenn man etwas nicht sehen kann, dann heißt das noch lange nicht, dass es das nicht gibt. Die wunderbarsten Dinge kann man nicht sehen: die Luft, die Liebe und eben uns Schutzengel!“

Christine Pierks Büchlein ist eine kurzweilige, nachdenkliche Geschichte, die sich auch zum Vorlesen in der Familie, gerade auch in der Weihnachtszeit, eignet.

Christine Pierk: Himmlische Ausbildung – Meine Erlebnisse als Schutzengelanwärter. Books on Demand, 132 Seiten, ISBN-13: 978-384481-011-0, EUR 10,90

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