„Gemetzel in Stundentafeln wird es nicht geben“

Das bayerische Kabinett hat Stunden- und Lehrplankürzungen am achtjährigen Gymnasium beschlossen

Der Protest gegen das achtjährige Gymnasium war groß und Bayern hat am Dienstag Korrekturen beschlossen. Eltern und Lehrer hatten zu hohe Anforderungen an die Schüler wegen der Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr kritisiert. Jetzt sind die ersten Änderungen bekannt geworden. Anstatt der 266 Jahreswochenstunden sollen es künftig 260 sein. Im Vergleich zum neunjährigen Gymnasium werde der Lehrplan im G8 um etwa ein Neuntel gekürzt.

Das Gesamtpaket, das der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider im bayerischen Kabinett vorgelegt hat, nennt „nachhaltiges Lernen“ als Ziel. Das Investitionsprogramm bleibe vollständig erhalten. Jede Schule soll 10 000 Euro für neues Lehrpersonal erhalten. Der Lehrplan ist in den vergangenen Wochen verändert und gekürzt worden. In einer Mitteilung des Kultusministeriums heißt es: „Die Ergebnisse liegen für viele Fächer wie z.B. Geographie, Geschichte, Griechisch, Latein sowie Physik und Biologie schon vor. Das Institut der KMK zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin wird die neuen Lehrpläne in den Fächern begutachten, in denen es Standards gibt. Der Lehrplan für das bayerische Gymnasium wird bereits ab dem kommenden Schuljahr gelten.“ Leider ist noch nicht zu erfahren, was die Änderungen in den Fächern genau bedeuten. Klar ist aber schon, dass die Schulbücher verändert werden. „Das Schulbuch ist nicht der Lehrplan“. sagte Ministerpräsident Beckstein nach dem Kabinettsbeschluss.

Auch am Nachmittagsunterricht wird es ab dem kommenden Schuljahr Änderungen geben. „Die Anzahl der Nachmittage mit Pflichtunterricht wird künftig begrenzt. In den Jahrgangsstufen 5 bis 8 sollen der Mittwoch- und Freitagnachmittag frei von Pflichtunterricht sein. Lange Schultage sollen rhythmisiert organisiert werden und auch Doppelstunden umfassen. An Tagen mit Nachmittagsunterricht darf den Schülerinnen und Schülern der Unter- und Mittelstufe keine schriftliche Hausaufgabe bis zum nächsten Tag aufgegeben werden“, heißt es in der Erklärung des Ministeriums. Die bayerischen Schüler, so war man sich sicher, werden weiterhin in Deutschland vorne liegen. Die Landes-Eltern-Vereinigung (LEV) gab sich mit der Reform zufrieden. Dem Bayerischen Philologenverband (bpv) war dagegen nicht zum Jubeln zumute. Deren Vorsitzender Max Schmidt erklärte: „Nüchtern muss konstatiert werden, dass die Argumente von Philologenverband und Direktorenvereinigung gegen weitere Einschnitte bei Stunden und Lehrplänen am Gymnasium nur begrenzt auf offene Ohren gestoßen sind. Der politische und mediale Druck nach nochmaligen Einschnitten war offensichtlich zu groß.“ Er fügte hinzu: „Das Gemetzel, das die Landes-Eltern-Vereinigung in den Stundentafeln anrichten wollte, wird es nicht geben.“

Einen neuen Lernbegriff forderte Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverbands (BLLV). Er kritisierte die geplanten Stoffkürzungen als „Kurieren an Symptomen“ und will eine rhythmisierte Ganztagsschule nach Ergebnissen jüngster Hirn- und Bildungsforschung. Der Verband begrüßte aber ausdrücklich die Ankündigung Schneiders, die Klassenstärke an Gymnasien zu verringern.

Die Reaktionen auf die Reformen zeigen jedenfalls deutlich, dass auch diesmal der Gesprächsstoff über das Gymnasium noch nicht ausgegangen ist.

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