Geheimnisvoller Zauber der Schneelandschaft

Zwei romantische Kino-Geschichten: „Adam“ und „Das Orangenmädchen“

Von einem jungen Mann, der am Asperger-Syndrom leidet, einer leichten Form von Autismus, die sich in einer Wahrnehmungs- und Kommunikationsstörung manifestiert, handelte etwa der Spielfilm „Ben X“ (DT vom 06.05.2008) von Nic Balthazar. Konzentrierte sich „Ben X“ auf die Schwierigkeiten des Protagonisten Ben, zwischen virtueller und realer Welt zu unterscheiden, so stellt der nun anlaufende „Adam“ die Liebesgeschichte eines Asperger-kranken jungen Mannes in den Mittelpunkt.

Nach dem Tod seines Vaters lebt Adam (Hugh Dancy) allein in einer großen Wohnung in Manhattan. Die Kontakte in seinem Job als Spielzeugentwickler beschränken sich auf das rein Berufliche. Sonst lebt der junge Mann zurückgezogen. Einzige Bezugsperson in seinem Leben ist Harlan (Frankie Faison), ein Kriegskamerad seines Vaters, der sich aus alter Verbundenheit um den Jungen kümmert.

Das ändert sich blitzartig, als eines Tages die Vorschullehrerin und Kinderbuchautorin Beth (Rose Byrne) in dasselbe Haus einzieht, und damit in Adams Leben tritt. Adams Interesse für die Sterne und für Waschbären, die er nachts im New Yorker Central Park beobachtet, macht sie neugierig. Etwas merkwürdig findet sie ihn schon, bis Adam ihr den Grund für sein Verhalten erklärt. Adam und Beth verlieben sich ineinander.

Drehbuchautor und Regisseur Max Mayer umschifft sowohl die Klischees von tausendfach gesehenen Hochglanz-Liebeskomödien, in denen sich die auftauchenden Schwierigkeiten von allein lösen, als auch die aus Filmen mit autistischen Protagonisten a la „Rain Man“ oder „Forrest Gump“ bekannten Gemeinplätze. Wirkt der Erzählnebenstrang mit Beths Vater (Peter Gallagher), der sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten und seiner Frau eine Affäre gestehen muss, noch etwas konstruiert, so nimmt sich der Kern der Schwierigkeiten in einer solchen Liebesbeziehung authentisch aus.

Denn bald treten Irritationen auf, als Beth Adam eine „zufällige“ Begegnung mit ihren Eltern vorgaukelt, und er dahinterkommt, dass dies gelogen war. Zur handfesten Krise kommt es aber, als Adam eine neue Arbeitsstelle in Kalifornien bekommt. Er bittet Beth mit ihm dorthin zu kommen, weil er sie braucht – nicht weil er sie liebt. Beth muss sich entscheiden, ob dies eine tragfähige Grundlage für ein gemeinsames Leben darstellt.

Mit gut aufgelegten Darstellern, ausgefallenen Bildeinstellungen und einer sensiblen Filmmusik glückt Max Mayer eine etwas andere, aber voll und ganz bezaubernde Liebeskomödie, in der auch interessante Dialoge („sich geliebt zu wissen, ist wichtig, aber zu lieben ist das Wichtigste“) Platz finden.

Gegenüber der linearen Handlung von „Adam“ wendet Eva Dahr in ihrem auf dem gleichnamigen Roman von Jostein Gaarder basierenden Film „Das Orangenmädchen“ eine ungleich kompliziertere Erzählstruktur an. Denn sie verknüpft zwei Zeitebenen miteinander.

Zu seinem 16. Geburtstag bekommt Georg (Mikkel Bratt Silset) von seiner Mutter (Rebekka Karijord) drei verschlossene Umschläge seines bereits elf Jahre zuvor verstorbenen Vaters ausgehändigt. Eher widerstrebend fängt der Junge auf einer einsamen Zugfahrt an, die Briefe lesen. Nach und nach fesselt ihn jedoch die Geschichte, die ihm sein Vater als Vermächtnis hinterlassen hat. Denn darin erzählt Georgs Vater Jan Olav (Harald Thompson Rosenstr?m) von seiner Liebe zum „Orangenmädchen“ (Annie Dahr Nygaard).

Jan Olav begegnete einst in der Straßenbahn einem in ihrem orangenfarbenen Mantel apart aussehenden, mit einer großen Papiertüte Orangen bepackten Mädchen, das ihn auf der Stelle in seinen Bahn zog. Der flüchtigen Begegnung folgt ein monatelanges Suchen in der ganzen Stadt, bis er sie endlich wieder trifft. Dann eröffnet sie ihm aber, sie müsse ein halbes Jahr weg von Norwegen, und bittet, diese sechs Monate auf sie zu warten.

Während Georg diese Geschichte immer interessierter verfolgt, lernt auch der Junge mit dem Faible für Sterne ein Mädchen namens Stella (Emilie K. Beck) kennen und lieben.

Die zwei ineinander verflochtenen Erzählebenen unterscheiden sich dadurch, dass die in der Vergangenheit spielende Handlung einen märchenhaften, fast surrealen Charakter annimmt, während der in der Jetzt-Zeit angesiedelte Erzählstrang realistisch anmutet. Überwiegen dort die warmen Töne und insbesondere die titelgebende Orangenfarbe, so dominieren in Georgs Geschichte schon deshalb die kalten Farben, weil sie in einer Schneelandschaft spielt.

Obwohl die Parallelmontage handwerklich gelungen ist, schafft es Regisseurin Eva Dahr nur bedingt, die in der Vergangenheit spielende Geschichte mit dem behaupteten geheimnisvollen Zauber zu umgeben. Trotzdem ergibt das Ineinanderfließen der zwei Ebenen eine interessante Reflexion über den Wert der Erinnerung, über die Zeit, über Leben und Tod.

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