Geheilt auf einer Pilgerfahrt

Der Film „Lourdes“ der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner kommt demnächst in die Kinos

Am 1. April wird der Film „Lourdes“ der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner in die deutschen Kinos kommen. Erste Preise hat er bereits gewonnen. „Lourdes“ wurde im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig im September 2009 gezeigt. Die Kritiker tendierten dazu, den Film positiv zu bewerten, überraschenderweise sogar solche, die dem Katholizismus offen feindlich gegenüberstehen. „Lourdes“ wurde von SIGNIS, der „World Catholic Association for Communication“, ausgezeichnet. Die Jury betonte, dass die Auszeichnung nicht nur auf den katholischen Inhalt zurückzuführen ist, sondern auch wegen der hohen Qualität des Filmes sowie des Themas des Glaubens und der Wunderheilung. Auch die katholische Organisation „Ente dello Spettacolo“ hat den Film mit ihrer Navicella ausgezeichnet.

Außerdem gewann der Film die Auszeichnung der Internationalen Filmkritik FIPRESCI, ein Indiz für die Leistung des Filmes, denn der Preis zeichnet die hervorragende Qualität im Filmgeschäft aus, sowie die Erforschung neuer Themen. Dennoch hat der Film keinen Preis von der Hauptjury des Festivals in Venedig erhalten. Autorin Stephanie Bunbury legt in der Zeitung „The Age“ in Melbourne nahe, dass Franzosen Wundern skeptisch gegenüberstehen. Umso rätselhafter ist es, dass „Lourdes“ mit dem Brian Award bedacht wurde – der alljährliche Nebenpreis, der nach dem Brian in „Das Leben des Brian“ bezeichnet ist und von einer Gruppe Rationalisten und Atheisten verliehen wird.

Für die katholische Regisseurin und Drehbuchautorin Jessica Hausner erzählt der Film „den Widerspruch vom Glauben an das Gute im Angesicht von Willkür und Vergänglichkeit Für mich wird gerade in dieser Hoffnung, dass es einen guten Gott geben möge, der einen auffängt und tröstet, die Abwesenheit genau eines solchen Beschützers offensichtlich: daher die Wahl des Settings Lourdes. Lourdes ist der Ort, an dem Sterbende und Verzweifelte auf Trost und Heilung hoffen.“ Die Regisseurin sieht das Glück der Heilung als nur vorübergehend, die endgültige Heilung sei erst im Jenseits zu erwarten: „Für mich ist das katholische Lourdes die Bühne, auf der das Drama der Sehnsucht nach Glück und erfülltem Leben im Gegensatz zur Halbheit, Willkür und Absichtslosigkeit jeglichen Geschehens spielt. Jemand, der gelähmt ist, möchte lieber gehen können – jemand der einsam ist, möchte lieber Freunde haben, jemand, der Hunger hat, möchte was essen.“

Der Film zeigt eine Gruppe von Pilgern mit ihren Geistlichen und Assistenten des Malteserordens, die den Ritualen eines Besuches in Lourdes folgen: Die Grotte, die Abendmahlssegnung, die Beichte, Prozessionen, das Baden im Wasser. Hauptfigur des Films ist eine gelähmte Frau, Christine: Wir sehen die Reise durch ihre Augen, ihr durch die Bewegungsunfähigkeit eingeschränktes Blickfeld ist auch das Fenster des Betrachters zur Welt, durch das er ihre Sehnsucht nach menschlicher Gemeinschaft und Nähe erlebt. Ihr durch die Krankheit verändertes Leben hat sie in eine unfreiwillige Isolation gezwungen, die sie überwinden möchte. Sie sehnt sich danach, wieder dazuzugehören, alles tun zu können, was die anderen so problemlos können, normal zu sein. In Maria, einer jungen Malteserin und Christines Betreuerin, findet sie das Bild ihrer Vergangenheit und eine neue Hoffnung erwacht in ihr; Maria begleitet Christine in die Bäder und zu den Prozessionen.

Aber Marias Jugend sehnt sich nach ihresgleichen, manchmal versucht sie dem Anblick der Krankheit zu entkommen, sich zu amüsieren und Christine beobachtet diese Welt der Anderen sehnsuchtsvoll, während sich nun Frau Hartl ihrer annimmt. Frau Hartl ist eine ältere Pilgerin, die kein körperliches Gebrechen hat, aber von ihrer lebenslangen Einsamkeit gequält ist, die sie hier lindern möchte. Ihre wortlose Leere wartet darauf gefüllt zu werden, durch eine Aufgabe, durch einen Sinn, den sie nun darin findet, für Christine zu beten – und ihr Gebet wird erhört: Tatsächlich kommt es im Verlauf des Aufenthaltes zu einer Besserung von Christines Zustand bis hin zu einer Heilung, Christine kann wieder gehen. Das Wunder wird nun vor dem Ärztekomitee in Lourdes geprüft.

In diesen Tagen wird der Film in Deutschland der Presse vorgeführt.

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