Freiheit wehrt sich gegen Schicksal

Geschichte einer Liebe mit wirrem „übernatürlichem“ Hintergrund: George Nolfis Spielfilmdebüt „Der Plan“. Von José García
Foto: UPI | Um seine Liebe zu Elise (Emily Blunt) zu verteidigen, muss der New Yorker Politiker David Harris (Matt Damon) gegen den von einem höheren Wesen für ihn vorgesehenen Plan ankämpfen – und buchstäblich anrennen.
Foto: UPI | Um seine Liebe zu Elise (Emily Blunt) zu verteidigen, muss der New Yorker Politiker David Harris (Matt Damon) gegen den von einem höheren Wesen für ihn vorgesehenen Plan ankämpfen – und buchstäblich anrennen.

Die Frage nach der Gewissheit menschlicher Wahrnehmungen haben nicht nur Philosophen, etwa Plato mit seinem Höhlengleichnis, und klassische Schriftsteller wie Calderón („Das Leben, ein Traum“), sondern auch Filmemacher gestellt. Besonders bekanntes Beispiel: das Spielfilmdebüt der Brüder Andy und Larry Wachowski „Matrix“ (1999). Über seine neue Kino-Ästhetik hinaus kleidete „Matrix“ die uralte Frage nach der Realität dessen, was wir Wirklichkeit nennen, in ein modernes Gewand. Laut „Matrix“ ist unsere Welt nichts anderes als ein gewaltiges Computer-Simulationsprogramm, das von Maschinen aufrechterhalten wird, um die Ahnungslosigkeit der Menschen auszunutzen.

Ob die Menschen wirklich ihr Leben bestimmen können, oder vielmehr Marionetten des „Plans“ einer höheren Macht sind, dies ist ebenfalls der Ausgangspunkt im Spielfilmdebüt des bislang als Drehbuchautor insbesondere von „Ocean's Twelve“ (2004) und „Das Bourne Ultimatum“ (2007) bekannten George Nolfi. Das von Nolfi selbstverfasste Drehbuch basiert auf einer Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Philip K. Dick, der die Vorlage für bedeutende Science-Fiction-Filme wie „Blade Runner“ (Ridley Scott, 1982) und „Minority Report“ (Steven Spielberg, 2002) lieferte.

„Der Plan“ („The Adjustement Bureau“) erzählt vom jungen, aufstrebenden New Yorker Politiker David Harris (Matt Damon), der just in der Nacht, in der er die Wahl zum Senator verliert, die aparte Ballett-Tänzerin Elise Sellas (Emily Blunt) kennenlernt. Dass er ihr anderntags erneut auf dem Weg zur Arbeit im Bus begegnet, ist auf den Fehler eines „Agenten“ zurückzuführen – wie der Zuschauer, nicht jedoch David weiß. Was es mit diesen Männern in dunklem Anzug, Schlips und Hut auf sich hat, die an die grauen „Zeit-Diebe“ aus Michael Endes „Momo“ erinnern, wird der Nachwuchspolitiker allerdings bald erfahren. Denn kaum in seinem Büro angekommen, wird David Zeuge einer Szene, zu der er eigentlich keinen Zugang hätte haben dürfen: Sein Bürokollege wird von solchen „Agenten“ einer Art Gehirnwäsche unterzogen.

Die Männer in Anzug und Hut weihen daraufhin David Harris – und mit ihm den Zuschauer – in den „Plan“ ein: Sie handeln im Namen einer „Regulierungsbehörde“ (daher der Originaltitel „The Adjustment Bureau“), die hin und wieder in die Weltgeschichte eingreift. Für Harris heißt dies konkret: Er ist als künftiger Präsident der Vereinigten Staaten vorgesehen, allerdings unter der Bedingung, dass er Elise nie wiedersieht. Selbstverständlich darf er niemandem davon berichten, andernfalls werden seine Erinnerungen gewaltsam gelöscht. Natürlich kann David Elise nicht vergessen. Bei seinem Bemühen, der „Regulierungsbehörde“ ein Schnippchen zu schlagen, bekommt er unerwartet Hilfe von einem Mitglied des „Adjustment Bureau“, Harry Mitchell (Anthony Mackie). So hetzen Elise und David auf der Suche nach dem Vorsitzenden der Behörde, verfolgt von den Hutträgern, durch halb New York, wobei sie durch bestimmte Türen „Abkürzungen“ nehmen können.

Als Liebesgeschichte funktioniert „Der Plan“ dank der angenehm wohldosierten Action ohne außergewöhnliche Spezialeffekte sowie den gelungenen filmischen Qualitäten: Die klassische Kameraführung von John Toll entlockt New York hervorragende Einstellungen, die von Thomas Newmans Musik und Kevin Thompsons Produktionsdesign wirkungsvoll unterstützt werden. Größere Schwierigkeiten bereitet dem Zuschauer die Story, die im Gegensatz etwa zu „Matrix“ in keinem Augenblick eine wie auch immer geartete Glaubwürdigkeit entfaltet. Eine mögliche Interpretation könnte die Beamten der Regulierungsbehörde als eine Art Engel und deren „Vorsitzenden“ als ein die Geschicke der Welt lenkendes, höheres Wesen deuten. Dieses höhere Wesen, das auf die Unwissenheit der Menschen setzt, deren Freiheit es gegebenenfalls gewaltsam unterdrückt, hat jedoch mit dem christlichen Gott nichts gemein. Eher lässt es an eine auf dem Olymp thronende, ihre Macht eifersüchtig bewahrende Gottheit oder sogar an den „Allmächtigen Baumeister aller Welten“ der Freimaurerei denken. Für die letztgenannte Deutung spricht beispielsweise ebenfalls die „Geschichtsstunde“, die David Harris von den Agenten erhält, bei der die Aufklärung zum Höhepunkt der Menschengeschichte stilisiert wird.

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