Literatur

François René de Chateaubriand: Schriftsteller und Verteidiger des Christentums

Vor 250 Jahren wurde der französische Schriftsteller und Verteidiger des Christentums François René de Chateaubriand geboren.
François René de Chateaubriand
Foto: IN

Aus provinzadeliger Familie stammend, begrüßte der ursprüngliche liberale François René de Chateaubriand (1768-1848) das Beben von 1789. Damit ging eine gewisse Distanz zum überlieferten Glauben einher, die er aber bald überwinden konnte. Der ehemalige Rousseau-Jünger versuchte ein Gegengewicht zu Voltaire und dessen Erben zu schaffen. Er vertrat eine seit der Alten Kirche bekannte Literaturgattung: die Glaubensapologie.

François René de Chateaubriands Hauptwerk

Die um 1800 einsetzende, so wirkmächtige Strömung der Romantik schuf den Rahmen für eine breite Abkehr vom Rationalismus. Chateaubriands Hauptwerk „Genius des Christentums oder Schönheiten der christlichen Religion“ ist in vier Teile gegliedert: Dem Abschnitt über Dogmen des Christentums folgen im zweiten und dritten Teil Anmerkungen zur Poesie des Glaubens. Abschließend nimmt er die Erzählung „René“ auf, die an Goethes „Werther“ anschließt. Hier erörtert der Autor die Frage, wie das Christentum unser Tugendverständnis beeinflusst.

Chateaubriand präsentiert einen ganzen Katalog von Argumenten, die gegen die Herkunftsreligion ins Feld geführt werden. Nach Meinung der Verächter sei sie „entsprungen aus dem Schoß der Barbarei, abgeschmackt in seinen Dogmen, lächerlich in seinen Gebräuchen und feindlich den Künsten und Wissenschaften, der Vernunft und Schönheit gegenüberstehend; ein Kultus, der nur zu Blutvergießen und Knechtschaft führe und das Glück und die Bildung des menschlichen Geschlechts aufhalte“.

Im Gegensatz dazu arbeitet der Advocatus Christianorum wortmächtig heraus, dass keine unter den Kulten „so viel Poesie und Humanität in sich schließe und der Freiheit den Künsten und Wissenschaften so hold sei, als die christliche; dass die moderne Welt dem Christentum alles verdanke vom Ackerbau bis zu den abstrakten Wissenschaften, von den Zufluchtsstätten der leidenden Menschheit bis zu den Tempeln, die Michel Angelo gebaut und Raphael geschmückt haben …“.

Dogmen, Sittenlehre und Gottesdienst werden im hellsten Licht gedeutet. Sein Bestreben ist primär darauf gerichtet, die sichtbaren Früchte christlicher Einflüsse herauszustellen: Die Kathedralen des Mittelalters sind für ihn ein exzeptionelles Beispiel ebenso wie die Werke Fenelons, Massilons, Bacons, Pascals, Newtons und vieler anderer. Selbstverständlich fehlt in der Aufzählung auch der Leuchtturm Dante nicht.

Chateaubriands euphorischer Charakter

Dem euphorischen Charakter Chateaubriands ist es geschuldet, dass er manchmal übers Ziel hinausschießt. Die Bibel betrachtet er im Vergleich mit Homers Schriften als überlegen. Der in jener Zeit anhebende Klassizismus forderte eine Antwort. Chateaubriand präsentierte sie ohne Umschweife. Chateaubriand setzt dichterische Einbildungskraft mit dem schöpferischen Wirken Gottes gleich. So kommt er zu dem Urteil, dass christliche Dichtung und bildende Kunst den entsprchenden heidnisch-antiken Erzeugnissen überlegen seien.

Der Traktat des Umstrittenen löste eine heftige Kontroverse aus, in deren Rahmen sich der Verfasser nochmals äußerte und die Einwände zurückwies. Chateaubriand, aus dessen reichem OEuvre neben dem „Genius“ die Autobiografie „Erinnerungen von jenseits des Grabs“ und die Kurzromane „René“ und „Atala“ herausragen, galt schon Zeitgenossen als genialer Dilettant. Eine Begründung findet dieses Urteil in der Vielzahl von Disziplinen, mit denen sich der Literat beschäftigte. Dass der Heilige Stuhl den „Genius“ aufgrund einiger marginaler Bemerkungen auf den Index gesetzt hat, darf aus heutiger Sicht eher als bedauerlich bewertet werden.

Viele namenhafte Rezipienten

Namhafte Rezipienten sind viele auszumachen, unter ihnen Lamartine und Hugo. Auch jenseits des Rheins fand Chateaubriand immer wieder Biografen. Darunter war der Literaturkritiker Friedrich Sieburg wohl der bekannteste.

Der Zusammenhang von Christentum und Schönheit regte auch im 20. Jahrhundert das Nachdenken an. So ist das siebenbändige Werk des kurz vor seinem Tod noch in den Kardinalsstand erhobenen Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar zu nennen, das unter dem Titel „Herrlichkeit“ erschienen ist.

Hinzuweisen ist weiter auf die (mehrfach im Druck erschienene) Abschiedsvorlesung „Von der Schönheit des Christentums“ des langjährigen Inhabers des Münchner Lehrstuhles für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie Hans Maier im Jahre 1999. Chateaubriands wichtiges Thema bleibt aktuell.

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