Fernsehkritik: „Wir kamen zu 90 aus Syrien“

Von Alexander Riebel

„Es sind Gauner, sie nehmen Haschisch, trinken Alkohol und schlafen mit den Mädchen“, hieß es in der Phönix-Sendung „Der lange Arm des IS“ am Donnerstagabend über die Drahtzieher der Attentate in Paris. Kleinkriminelle aus Syrien, so waren sie vor ihrer Tat in den europäischen Datenbanken aufgelistet; der sogenannte „Islamische Staat“ habe sie mit den Flüchtlingen eingeschleust. Dass der Zugriff auf die Terroristen so schwierig ist, liegt auch an der mangelnden Koordination der polizeilichen Datenbanken. Belgien darf nach seinen Gesetzen die Angaben über radikalisierte Verbrecher nicht ans Ausland weitergeben. Darum konnten die französischen Behörden nach dem Anschlag in Paris den Hauptverdächtigen Salah Abdeslam bei einer Razzia nicht festhalten, weil er ihnen als Terrorist aus Belgien nicht genannt wurde.

Phönix hat Einblicke in die Mängel der Terrorfahndung gegeben, aber auch in den Charakter der Terroristen. Die Behörden haben geforscht, auch unabhängig von der „öffentlichen Leugnung der IS-Gefahr“ durch Medien, wie es in der Sendung hieß. Diese Gefahr gerade auch für Deutschland wurde deutlich. Es gibt einen deutschen Islamisten aus Berlin, der in den höchsten Rängen des IS-Kalifats für Attentate in Deutschland zuständig ist. Auch sind Namenslisten von Attentätern bekannt. Nach Aussage von Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, ist der europäische Pool an Sympathisanten für den IS viel größer als die Zahl der IS-Kämpfer. Man weiß auch, dass Anschläge lange geplant sind, manchmal länger als ein Jahr. Die Behörden hinken hinterher. Abdeslam hatte seiner Cousine zu den Ermittlungspannen gesagt: „Die Franzosen können nichts... wir sind zu 90 aus Syrien gekommen.“ Obwohl Europa die Gefahr ahnte, habe man zu wenig Grenzbeamte eingestellt, konstatierte die Sendung. Der IS habe Dutzende potenzieller Terroristen eingeschleust, „die Kontrolle über die Einreise war verloren“. So kam denn „Der lange Arm des IS“ pünktlich vor dem 4. September, an dem 2015 durch das Willkommen der Kanzlerin die Kontrolle verloren wurde.

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