Fernsehkritik

Wenn die Moral in Bezug auf die Präimplantationsdiagnostik (PID) gleichgültig ist, dann sind ihr alle Tore geöffnet. Und um diese Gleichgültigkeit ging es am Mittwochabend in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ zum Thema „Vom Kinderwunsch zum Kind nach Wunsch – ist nur gesundes leben lebenswert?“ Die 29-jährige Sonja Werner sprach über ihre inzwischen viereinhalbjährige Tochter Maxima – hier ist der Name nun wirklich Programm. Die Mutter leidet an einem Gendefekt und Ärzte sagten ihr damals, ein Kind würde körperlich und geistig behindert und nur maximal zwei Jahre überleben. Darum habe sie sich für die verbotene PID entschieden. Auf die Frage von Moderator Frank Plasberg, ob sie wisse, wie viele Embryonen getötet wurden, antwortete sie, sie wisse es nicht; Embryonen in diesem Stadium sieht Werner ohnehin nicht als menschliches Leben an, darum sei ihr hier die moralische Frage egal. So machte die Sendung schon zu Beginn klar, dass hier nur noch das Gesetz greifen kann. Aber selbst das hatte Werner ja ignoriert.

Ihr damaliger Arzt Matthias Bloechle, der sich nach der Tat selbst anzeigte, meinte einfach, jede Frau habe das Recht auf medizinische Behandlung. Die Anwendung der PID sei ein privates Problem, das privat entschieden werden müsste, ohne Staat und Kirche. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber hielt ihm zu Recht entgegen, dass Embryonen nicht als Sachen behandelt werden dürften – er hätte zur Adoption geraten. Das Argument des evangelischen Theologen Peter Hintze (CDU), es seien noch keine befruchteten Eizellen beerdigt worden, wenn sie doch Menschen seien, konnte nicht überzeugen. Erfrischend war der Musiker und Diplompädagoge Guildo Horn, der Behinderte nicht nur in Schutz nahm, sondern sie auch für wichtig in der Gesellschaft hält. Die Sendung hat ausführlich über die für den Gesetzgeber zur Abstimmung bereitstehenden Entwürfe diskutiert, das webTV auf der Internetseite der ARD ist sehr empfehlenswert. Alexander Riebel

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