Fernsehkritik

Die Haltung Helge Cramers, dessen Film „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ der WDR am Gründonnerstag spätabends sendete, zum Exorzismus in der katholischen Kirche war bereits der Ankündigung zu entnehmen, die den Exorzismus als „Aberglauben“ bezeichnete, der von Benedikt XVI. „wieder in die Kirche zurückgeholt wird“.

Anhand neu aufgetauchter Tonbänder rollte der Film den „Klingenberger Fall“ wieder auf. Cramer spricht von einer „Instrumentalisierung“ der „an Epilepsie erkrankten Studentin“ Anneliese Michel: Die beteiligten Geistlichen hätten gegen Liberalisierungstendenzen „den Glauben der Vorkonzilszeit“ wieder einführen wollen. Immer wieder klagt Helge Cramer den damaligen „Dienstherrn“ der Priester an. Seien diese wie auch Anneliese Michels Eltern von einem Gericht wegen Totschlags verurteilt worden, so sei der damalige Bischof von Würzburg Josef Stangl nie zur Rechenschaft gezogen worden.

Als Kronzeugen für die erwähnten „liberalen“ Bestrebungen in der katholischen Kirche traten im Film drei emeritierte Theologen aus Tübingen auf, die vor vier Jahrzehnten den „Abschied von Teufel“ verkündeten, so etwa Mainrad Limbeck, der 1974 am Buch „Teufelsglaube“ mitarbeitete.

Demgegenüber erfährt der Zuschauer nichts über die Position der katholischen Kirche in Fragen „Teufel, Besessenheit und Exorzismus“. Dass beispielsweise der Katechismus der Katholischen Kirche von 1997 den Begriff „Teufel“ 17mal erwähnt, verschweigt Cramers Film. Die Dokumentation zeigt lediglich Bilder von einer Audienz auf dem Petersplatz, bei der Benedikt XVI. die Teilnehmer an einem Exorzismuskurs begrüßt, sowie ein Kurzinterview mit dem Kardinalvikar von Rom, Agostino Vallini, und ein Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Diese Bilder dienen Regisseur Cramer lediglich zur Empörung darüber, dass Rom Exorzisten ausbilde und sich der Papst „für jede deutsche Diözese einen amtlichen Exorzisten wünscht“. Auf den naheliegenden Gedanken, dass gerade gut ausgebildete Exorzisten die Fehler beim „Klingenberger Fall“ hätten vermeiden können, kam „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ jedoch nicht. José García

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