Kommentar um "5 vor 12"

Facebooks doppelter Blackout

Sieben Stunden lang ging am Montagabend beim Sozialen Netzwerk gar nichts mehr. Im US-Senat droht dem Zuckerberg-Konzern heute ein weiterer Tiefschlag.
Instagram, Facebook und WhatsApp
Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) | Facebook droht heute neues Ungemach: Denn Frances Haugen, eine ehemalige Facebook-Mitarbeiterin, wird umfassend vor dem US-Senat gegen ihren früheren Arbeitgeber aussagen.

Und da stand es auf einmal still. Zwar nicht gleich das gesamte Internet auf einmal – aber ein kleines bisschen fühlte es sich dennoch so an während der sieben Stunden, in denen Facebook, dessen Tochterseite Instagram und der Messengerdienst Whatsapp für deren User nicht zu erreichen waren.  Also für Milliarden von Menschen, die alle mittlerweile Kunden bei Facebook und deren Tochterunternehmen sind.

Nichts ging mehr beim „Sozialen Netzwerk“

Der große Facebook-Blackout begann aus deutscher Sicht am späten Montagnachmittag um 17 Uhr 30. Auf einmal konnten die Seiten von Facebook und Instagram nicht mehr über den Browser geladen werden. Facebook zeigte eine Störungsmeldung an, bei Whatsapp konnten weder über die App noch über den Browser Nachrichten verschickt werden. In der Instagram-App wurde zudem der Feed nicht neu geladen. Besonders kurios: Facebook-Mitarbeiter konnten während des Blackouts nicht mehr in ihre Büros, da der Zugang zu den Räumen scheinbar ans Internet gekoppelt ist.

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Im Laufe der Nacht äußerte sich Facebook zu den Ursachen des Ausfalls. In einem Blogpost erklärte Santosh Janardhan, Geschäftsführer für Infrastruktur bei Facebook, dass wohl Konfigurations-Änderungen an den Backbone-Routern die Kommunikation unterbrochen haben  – wie es zu dem Fehler kommen konnte, jedoch nicht. Ebenso wenig geht der Facebook-Manager darauf ein, warum es offenbar keine zweite Kontroll-Instanz für so wichtige Änderungen gibt. 

Facebook-Whistleblowerin will umfassend vor dem US-Senat aussagen

Während im Rest des offenen Internets – vor allem beim großen Konkurrenten Twitter - sich Hohn und Spott über Facebook ergoss und Mark Zuckerberg angeblich wegen des Blackouts rund sieben Milliarden Dollar an Vermögen eingebüßt hat, droht am heutigen Dienstag neues Ungemach für seinen Konzern: Denn Frances Haugen, eine ehemalige Facebook-Mitarbeiterin, wird umfassend vor dem US-Senat gegen ihren früheren Arbeitgeber aussagen. 

Die Vorwürfe der Whistleblowerin und Harvard Business School-Absolventin, die sie gegenüber dem „Wall Street Journal“ und „60 Minutes“ anhand interner Facebook-Dokumente bereits belegen konnte: Facebook nehme es billigend in Kauf, dass die Social-Media-Plattform aufgrund des bei Instagram vorherrschenden Schönheitsideals psychologischen Schaden bei ihren jugendlichen und minderjährigen Benutzern anrichte. Ebenso würde Facebook verstärkt – und vor allem ganz bewusst - Inhalte in seinen Netzwerken zulassen, die Emotionen wie Wut und Hass hervorriefen, damit die User sich länger dort aufhielten. Frances Haugen bei „60 Minutes“: „Facebook hat die Folgen davon erkannt, was passiert, wenn sie den Algorithmus sicherer machen. Die Menschen verbringen weniger Zeit auf der Website, sie klicken auf weniger Anzeigen und Facebook verdient schlussendlich weniger Geld. “ Für Haugen ist Facebooks Geschäftsmodell nichts weniger als ein klarer Verrat an der Demokratie.

Wird es Facebook wie der Tabakindustrie ergehen?

Nun wird der US-Senat Haugen anhören – der für andere Facebook-Mitarbeiter bereits seit längerem einem Spießrutenlaufen gleicht: Zum Beispiel für die für Nutzer-Sicherheit zuständige Managerin Antigone Davis. Der Demokrat Ed Markey verglich ihr gegenüber die Vorgehensweise des Online-Netzwerks unverhohlen mit dem früheren Handeln der Tabakindustrie.

Demnach sei Instagram „diese erste Zigarette der Kindheit“, die Teenager früh abhängig machen solle und am Ende ihre Gesundheit gefährde, sagte Markey gegenüber Davis. Facebook verbreite wie die großen Tabakkonzerne, so Markey weiter, ein Produkt, von dem sie wissen, dass es der Gesundheit junger Menschen schadet. Der Senator macht damit deutlich: Nicht nur Tabakkonzerne müssen sich ändern.

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