Unterhaltungsmusik

Es tobt ein Kampf der Titan(inn)en um Platz 1

Abba, Adele, Taylor Swift: Gleich drei Pop-Schwergewichte warten im November mit neuen Alben auf.
Adele
Foto: Simon Emmett/Columbia Records/dpa | Abba, Taylor Swift und auch Popsängerin Adele meldet sich mit je neuen Alben zurück.

Selbst in Coronazeiten gibt es noch gute Nachrichten – vor allem, wenn man „Abba“-Fan ist. Denn auf einmal waren die vier schwedischen Poplegenden wieder da. Nach beinahe 40 Jahren Funkstille kehrten Agneta Fältskog, Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Anni-Frid „Frida“ Lyngstadt Anfang September dieses Jahres aus der vermutlich längsten Pause der Welt zurück und informierten ihre erstaunten Fans darüber, im kommenden Jahr mithilfe virtueller „Abbatare“ Konzerte in London zu geben (siehe DT vom 14.10.). Doch nicht nur das: Bereits vergangenen Freitag erschien gar ein neues Album – das erste seit 1981. „Voyage“ heißt es und löst damit den bisherigen finalen Longplayer „The Visitors“ als dieses Mal wohl wirklich letztes musikalisches Lebenszeichen der Popikonen ab, wie die Band kürzlich in einem Interview mit dem britischen „Guardian“ verriet.

Typisch Abba

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Eine Albumkritik erfolgt an dieser Stelle nicht. Doch die Eindrücke, die die bisherigen Singleauskopplungen „I Still Have Faith In You“, „Don?t Shut My Down“ und „Just A Notion“ hinterlassen haben, bestätigen sich auch auf „Voyage“. Man möchte sagen: Typisch Abba. Als wären sie nie weg gewesen. Und als wäre immer noch 1979. Musicalreifer Gesang, eine ausgetüfftelte Produktion mit vielen Reminiszenzen an die eigene musikalische Vergangenheit und zusätzlich – im Vergleich zum recht düster geratenen bisherigen Finalalbum „The Visitors“ vier Dekaden zuvor – außerdem ein Hauch von Entspanntheit, Lebensfreude und (man möchte fast sagen) Altersmilde. Dass die im September veröffentlichten Comeback-Singles kurze Zeit nach Erscheinen weltweit in die Top Ten einstiegen, versteht sich von selbst – denn ein solches Comeback, wie Abba es gegenwärtig hinlegen, ist wohl nur mit einer Wiedervereinigung aller „Beatles“ inklusive der bereits verstorbenen John Lennon und George Harrison oder einer Wiederauferstehung von Elvis Presley zu vergleichen.

Das Abba-Comeback ist ein Ereignis – und durchbricht für unzählige Fans den Alltagstrott nicht nur ein bisschen. „Ich kann nicht glauben, dass ich zur gleichen Zeit am Leben bin, in der Abba neue Musik machen. Ich bin so aufgeregt“, schrieb ein Fan am Tag der Comeback-Ankündigung auf Twitter. Ein anderer User meinte: „Abba sind offiziell wieder zusammen nach über 40 Jahren und ich weine hier“. Und jemand anderes twitterte: „Das Leben hat wieder einen Sinn.“ Quasi-religiöse Glücksgefühle also, die von Stockholm aus über den Globus schwappen.

Erfolgreich und Bond-Titelsängerin: Adele

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Ebenfalls große Freudenstürme löste vor kurzem die Ankündigung der britischen Sängerin Adele aus, mit einem neuen Album namens „30“ ins Musikgeschäft zurückzukehren – und das genauso im November wie Agneta und Co. Zwar betrug die Pause der 33jährigen „Rolling In The Deep“-Sängerin lediglich sechs Jahre, ein Kurzurlaub im Vergleich zu Abba. Doch Adele gehört mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern bei gerade einmal drei veröffentlichten Alben zu den erfolgreichsten Künstlern des noch jungen 21. Jahrhunderts. Zudem wurde sie in der Vergangenheit bereits für den Titelsong des James-Bond-Films „Skyfall“ mit dem Oscar sowie mehrfach mit dem Grammy ausgezeichnet – so ist auch ihre Fangemeinde alles andere als überschaubar.

Erscheinungsdatum von „30“ wird Freitag, der 19. November sein – die erste Single „Easy On Me“ ist bereits erschienen und erreichte aus dem Stand heraus die Nummer 1 in mehr als 23 Ländern, wie unter anderem in Deutschland, Großbritannien und den USA. Bei Youtube wurde das Musikvideo zum Lied am Erscheinungstag zudem schon mehr als 19 Millionen Mal angeklickt auf Spotify ist es der meistgestreamte Song an einem einzigen Tag. Adele, die trotz aller Erfolge und aufgrund ihres manchmal frechen Mundwerks von ihren Fans als „eine der ihren“ betrachtet wird und musikalisch zumeist ihre privaten Höhen und Tiefen verarbeitet, sagte zu den Aufnahmen ihres noch unveröffentlichten Albums: „Ich habe auf diesem Weg viele bittere Wahrheiten über mich selbst herausgefunden. Ich habe viele Schichten abgeworfen, mich aber auch in neue gewickelt. Und so bin ich bereit, endlich dieses Album herauszubringen.“

Swift mixt neu aufgenommenes Altes mit bisher Unbekanntem

Der Albumtitel „30“ war von Musikbeobachtern und Fans gleichermaßen erwartet worden, seitdem die Zahl kurz vor der offiziellen Ankündigung weltweit im typischen Adele-Design an wichtige Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm projiziert worden war. Zudem hat die Britin auch ihre ersten drei Alben stets nach dem Lebensjahr benannt, in dem sie die Arbeit daran begonnen hat: „19“, „21“ und „25“.

„Als ich 30 war, fiel mein Leben auseinander, ohne Vorwarnung“, sagte Adele kürzlich der Zeitschrift „Vogue“. Damals trennte sie sich kurz nach der Hochzeit von ihrem Ehemann Simon Konecki, der der Vater ihres Sohnes Angelo (9) ist. Es sei die „turbulenteste Zeit meines Lebens“ gewesen, fügte sie hinzu. Adele wird also nicht – so hoffen es ihre Fans sicherlich – mit selbsterlebtem Herzschmerz auf ihrem neuen Album geizen: Ein Grund mehr für diese, sich das neue Album zuzulegen.

Bereits Mitte Oktober kehrte Schlagersängerin Helene Fischer („Atemlos durch die Nacht“)
mit ihrem achten Studioalbum „Rausch“ aus einer mehrjährigen Pause zurück
und belegt seitdem ununterbrochen Platz 1 der deutschen Albumcharts“

Und dann ist da noch Taylor Swift: Die 31jährige US-amerikanische Sängerin („Shake It Off“), die mit 200 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Musikern aller Zeiten zählt, quetscht sich gewissermaßen an diesem Freitag zwischen Abba und Adele und veröffentlicht dann ihr insgesamt elftes, aber genaugenommen zweites „wiederaufgenommenes“ Album. Der Titel: „Red (Taylor?s Version)“ – die Originalfassung von „Red“ stammt von 2008. Warum dieser Aufwand?

Der Hintergrund: Da Taylor Swift die Masterbänder für ihre ersten sechs Studioalben nicht mehr gehören, entschloss sich die erfolgreiche Sängerin, diese Stück für Stück und Ton für Ton wieder neu einzuspielen. Im April dieses Jahres kam beispielsweise zunächst eine neu aufgenommene Fassung ihres zweiten Studioalbums „Fearless“ heraus – insgesamt 26 Stücke nahm Swift hierfür komplett neu auf. Der Lohn: Platz 1 in den US-Billboard-Album-Charts und das (bislang) erfolgreichste Album dieses Jahres – und das (trotz zum Teil unveröffentlichter Stücke) mit hauptsächlich neu aufgewärmter, bereits bekannter Musik. Klar, dass Taylor Swift sich nicht ganz unberechtigte Hoffnung macht, hier erfolgreich nachlegen zu können.

In Deutschland mischt auch Helene Fischer mit

 

Doch wer wird am Ende das Albumrennen machen: Abba, Adele oder Taylor Swift? Vermutlich wird sich die Albumkrone im globalen Maßstab geteilt werden: In den USA dürften sich Adele und Taylor Swift einen starken Zweikampf liefern, in Europa sowie im Rest der Welt Abba und Adele.

Und in Deutschland? Dort wird vermutlich einmal mehr ein Sonderweg beschritten, dieses Mal in musikalischer Form: Bereits Mitte Oktober kehrte Schlagersängerin Helene Fischer („Atemlos durch die Nacht“) mit ihrem achten Studioalbum „Rausch“ aus einer mehrjährigen Pause zurück und belegt seitdem ununterbrochen Platz 1 der deutschen Albumcharts. Gewiss wird auch eine Helene Fischer den drei Pop-Titanen ihren Tribut zollen müssen, sobald deren Fans sich deren neueste Alben in physikalischer oder digitaler Form sichern. Doch am Ende wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auf einen Erfolg von Deutschlands Schlagerkönigin Nr. 1 hinauslaufen. Dies mag man musikalisch durchaus bedauern. Aber auch schon Abba wussten schließlich: „The Winner Takes It All.“

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