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Es reicht jetzt mit den vielen Provokationen

Einige Theologen aus Deutschland rütteln beständig an den Fundamenten der kirchlichen Lehre. Derzeit arbeiten sich einige an den Sakramenten und deren Umdeutung ab. Für Bernhard Meuser ist jetzt das Maß voll.
Segnung homosecueller Beziehungen
Foto: screenshot HP Bistum Essen | "Homosexuelle Beziehungen können nicht kirchlich gesegnet werden". So hat das Rom festgehalten. In Deutschland formiert sich Widerstand gegen die kirchliche Lehre: hier ein Beispiel aus Essen, dem Bistum von Bischof ...

Was ein „Liturgiewissenschaftler“ ist, scheint bekannt zu sein: Das ist ein Mensch, der sich in wissenschaftlich abgesicherten Begründungszusammenhängen mit dem kultischen Dienst an Gott befasst, also mit Formen, Texten und Handlungen der Gottesverehrung. Mit dem Titel Liturgiewissenschaftler schmückt sich auch der Erfurter Theologieprofessor Benedikt Kranemann. Glaubt man der Homepage des Bistums Essen, so hat Kranemann auf einer Fachtagung in der Mülheimer Wolfsburg, „Segen für alle“, seine Wissenschaft neu begründet. Kranemann soll tatsächlich gesagt haben: „Segensfeiern sind Hochformen christlicher Liturgie, vergleichbar mit der Taufe.“

Kühne Behauptungen - mehr nicht

Das ist kühn und neu und muss katholisch erst einmal verdaut werden. Bis Kranemann kam, gab es die verbreitete Annahme von sieben – nicht acht – Sakramenten, die noch einmal überwölbt wurden von Jesus Christus als dem Ursakrament und der Kirche als dem Grundsakrament. Als Tor in die Gemeinschaft mit Christus und der Kirche und als das wichtigste Sakrament nahm man im Zeitalter ante Kranemann die Taufe an, gemäß dem Wort Jesu: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet...“ (Mk 16, 16) Auch war die Kirche der Überzeugung (und schrieb es ins kirchliche Gesetzbuch): „Wer die Taufe nicht empfangen hat, kann zu den übrigen Sakramenten nicht gültig zugelassen werden.“ (CIC 842)

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Segnungen gehörten als sogenannte Sakramentalien immer in den „Vorgarten der Sakramente“ – man sah darin fürbittende Gesten der Kirche, dazu bestimmt, „Menschen auf den Empfang der Frucht der Sakramente vorzubereiten und die verschiedenen Lebensumstände zu heiligen.“ (KKK, Nr. 1677). Blasiussegen, Weihwasser und Aschenkreuz sind Sakramentalien. Die Kirche nimmt sie immerhin so erst, dass in CIC 1167 verfügt wird: „Neue Sakramentalien einführen oder anerkannte verbindlich auslegen, einzelne von ihnen abschaffen oder verändern, kann allein der Apostolische Stuhl.“ Realistisch betrachtet, sind Segensfeiern für Liebende vom Eintrag ins kirchliche Gesetzbuch weiter entfernt als der Nordpol vom Südpol.

„Ist das noch meine Kirche?“

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Lassen wir den Spott über einen Professor, der sich in überbordendem Eifer um die moraltheologische und liturgische Normalisierung von Homosexualität ins theologisch Absurde verstiegen hat – befassen wir uns lieber mit dem Bistum Essen, von dem man im Blick auf sein Erscheinungsbild, seine Verlautbarungen und seine handelnden Personen befürchten muss, dass sich da eine lokalkirchliche Einheit in einer Weise radikalisiert, dass sich Katholiken, die mit Konzil, dem Papst und der Universalkirche gehen möchten, nicht mehr zuhause fühlen.

„Ist das noch meine Kirche?“, machte sich mir gegenüber ein Angestellter im Bistum Luft, „Ich kann meine Meinung nicht mehr laut sagen, ohne von oben, links und rechts ausgegrenzt zu werden. Bin ich in eine Sekte geraten?“ Das nun nicht, solange im Bistum die Sakramente gültig gespendet, der Glaube vollumfänglich verkündet und die Einheit mit der Universalkirche nicht aufgekündigt wird. Aber sehr viele weitere Provokationen vom Kaliber Kranemann darf sich Essen nicht mehr erlauben. Es reicht.

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