Eine neunhundert Jahre alte Brücke sorgt für Streit

Die Unesco entscheidet bald über Regensburger Brückenpläne Von Ulf Vogler

Eigentlich könnten die Regensburger aufatmen. Denn die Steinerne Brücke, das neben dem gotischen Dom herausragende Denkmal der Weltkulturerbestadt, ist seit einigen Wochen teilweise eingerüstet. Nach jahrelangen Diskussionen hat endlich die 20 Millionen Euro teure Sanierung der völlig maroden und einst als „Weltwunder“ bezeichneten Brücke begonnen.

Prüfen, ob die Pläne welterbeverträglich sind

Doch die Sperrung der fast 900 Jahre alten „Steinernen“ sorgt auch für Streit. Denn die Stadt würde für die Nahverkehrsbusse gerne eine Ersatzbrücke über die Donau bauen. Kritiker sehen eine Parallele zur umstrittenen Waldschlösschenbrücke, deren Bau schließlich zur Aberkennung des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal führte. Nun beschäftigt sich das Welterbekomitee der Unesco auf seiner diesjährigen Tagung in Brasilia mit den Regensburger Plänen. Mit Spannung wird von der Oberpfälzer Stadt aus auf die von diesem Sonntag bis 3. August dauernde Tagung im fernen Südamerika geschaut.

Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) weist alle Vorwürfe, die Stadt gefährde wie Dresden das für den Tourismus lukrative Welterbe-Prädikat, entschieden zurück. Es gebe keinen Streit mit der Weltorganisation. „Wir wollen erst mal von der Unesco wissen, ob die Pläne welterbeverträglich sind“, sagt er. Erst dann werde entschieden, ob überhaupt gebaut wird.

Bis vor zwei Jahren durften die Regensburger Busse noch über die Steinerne Brücke fahren. Dann wurden die tonnenschweren Fahrzeuge quasi über Nacht vom Denkmal verbannt. Ein Gutachten hatte ergeben, dass die Brüstung der Brücke einem Busunfall nicht gewachsen wäre. Es bestand die Gefahr, dass ein vollbesetzter Bus im Notfall in die gefährlichen Donaustrudel stürzen könnte. Nun müssen täglich hunderte Busse große Umwege fahren, um die nördlichen Stadtteile zu erreichen.

Seitdem gibt es Streit um mögliche Alternativen. Ein Tunnel wurde von der Verwaltung als nicht machbar abgelehnt. Die Stadt wird nun der Unesco eine Studie zu zwei Ersatzbrücken im Osten und im Westen der Steinernen Brücke vorlegen. Die Studie hat bereits im Vorfeld der Tagung in Brasilien das Landesamt für Denkmalpflege in München auf die Barrikaden getrieben. Bayerns Generalkonservator Egon Johannes Greipl ist seit Jahren ein vehementer Gegner der sogenannten Westtrasse, weil diese seiner Meinung nach den optischen Eindruck der historischen Altstadt nachhaltig beschädigen würde.

Greipl lehnt das städtische Papier als „Tendenzgutachten“ ab: „Die Tendenz, das Risikopotenzial zu verniedlichen, ist in diesem Gutachten nicht zu übersehen“, lautet sein vernichtendes Urteil. Es ist nicht das erste Mal, dass der Chefdenkmalpfleger des Freistaats mit der Regensburger Stadtverwaltung hart ins Gericht geht. Der Experte kennt allerdings die Regensburger Verhältnisse auch besonders gut, schließlich war er in der Donaustadt Kulturreferent, ehe er in die Landeshauptstadt berufen wurde.

Rückendeckung erhalten OB Schaidinger und seine Mitarbeiter unterdessen aus Düsseldorf, wo Deutschlands wichtigste Welterbe-Expertin sitzt. Birgitta Ringbeck, die Welterbe-Beauftragte der Kultusministerkonferenz, sieht in Regensburg überhaupt keinen Konflikt mit der Unesco: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Stadt nur das machen wird, was wirklich welterbeverträglich ist.“

Die Brücken-Diskussion in Regensburg verfolgt Ringbeck aus der Ferne mit Gelassenheit. Einen Vergleich mit Dresden hält sie für unzulässig. Schließlich wolle Regensburg in erster Linie verhindern, dass noch einmal Busse über das herausragende Brückendenkmal rollen müssen. „Es geht um eine Ersatztrasse, die einen Teil des Welterbes schützt, nämlich die Steinerne Brücke“, betont Ringbeck.

Allerdings wird in Regensburg schon heftig darüber gestritten, ob eine Ersatzbrücke überhaupt benötigt wird. Große Proteste von Buspassagieren, die sich über längere Fahrzeiten beschweren, gibt es nicht. „Ich glaube, dass wir eine neue Trasse brauchen“, sagt Schaidinger trotzdem. Er befürchtet ohne gute Busverbindungen finanzielle Einbußen für die Kaufleute in der Altstadt.

Unterdessen hat eine Bürgerinitiative schon einmal in der „Mittelbayerischen Zeitung“ (Freitag) angekündigt, dass sie bei einem Neubau auf jeden Fall ein Bürgerbegehren gegen das Projekt starten wird – egal welche der beiden Brückenversionen kommt. Regensburg hat schon Erfahrungen mit Bürgerentscheiden bei Bauprojekten: Immer wieder haben in der Vergangenheit Initiativen den Bau der seit Jahrzehnten geplanten Stadthalle verhindert. Wann das Kongress- und Kulturzentrum kommt, steht bis heute in den Sternen.

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