„Eheleute sind unverzichtbar für die Arbeit im Weinberg“

Die Sehnsucht nach Ehe und Familie ist ungebrochen. Ein Gespräch mit dem Leiter der Kommission Ehevorbereitung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Weihbischof Dominik Schwaderlapp. Von Jürgen Liminski
Weihbischof Dominikus Schwaderlapp
Foto: KNA | Weihbischof Dominikus Schwaderlapp.

Exzellenz, in der liberalen Gesellschaft steht die Ehe, der Kern der Familie, nicht mehr so hoch im Kurs wie früher. Ist das für die Kirche eine Herausforderung oder muss sie das einfach nur zur Kenntnis nehmen?

Auch wenn die Familie allgemein in der Gesellschaft sich nicht mehr der Wertschätzung erfreut, die ihr zukommt, so kann man doch beobachten, dass ihr Stellenwert bei jungen Leuten ungebrochen ist. Das zeigen die Jugendstudien, zum Beispiel die Shell-Studie, seit nunmehr Jahrzehnten. Die Werte, wofür die Familie steht, sind für Jugendliche nach wie vor besonders erstrebenswert. Ich denke an Geborgenheit, an Treue, Verlässlichkeit – Werte eben, die in der Familie gelebt werden. Ja, mir scheint, je häufiger Jugendliche zerbrochene Familien erleben, umso stärker ist die Sehnsucht nach Familie und diesen Werten. Das ist für sehr viele auch wichtiger als die Karriere. Ich beobachte gerade bei Mädchen im Firmalter diese tiefe Sehnsucht und auch eine sehr hohe Motivation, kirchlich zu heiraten. Die Kirche hat bei dieser Herausforderung also einen starken Verbündeten, den Menschen selbst und seine Sehnsucht nach Familie. Einen besseren Verbündeten für die Verkündigung der Botschaft von Ehe und Familie, auch für die Theologie des Leibes, gibt es nicht.

Amoris laetitia legt viel Wert auf die Ehevorbereitung. Sie leiten in der Familienkommission der DBK die Arbeitsgruppe Ehevorbereitung. Was wird da ausgearbeitet?

Unsere Arbeitsgruppe hat im Auftrag der DBK zehn Eckpunkte formuliert, die den Bischöfen wichtig sind. Das ist kein ausgefeiltes Konzept, aber ein Rahmen für die Arbeit in den Diözesen. Es handelt sich um Grundlagen nicht nur für Christen, sondern für alle, die diese Sehnsucht haben nach Treue und Verlässlichkeit in ihrer Beziehung. Das ist ernst zu nehmen und deshalb kann man die Ehevorbereitung auch nicht in zwei Stunden abhaken. Beispiel Empfängnisregelung: Da geht es um eine Haltung zum Leben, das ist mehr als eine Methode.

Sie selber haben schon viel Erfahrung gesammelt mit Paaren, die heiraten und sich ernsthaft auf die Ehe vorbereiten wollen. Was ist für Sie das Wichtigste bei dieser Vorbereitung?

Meine durchgängige Erfahrung ist, dass junge Paare sehr positiv und offen sind. Sie wollen alles tun, damit ihre Ehe gelingt. Sie hören zu, sie sind mit Ernst bei der Sache. Auch wenig praktizierende Katholiken sind zum Beispiel beim Thema Sexualmoral sehr aufgeschlossen. Einige haben mir nach einem Kurs schon gesagt: Wenn wir das doch früher gewusst hätten. Es kommen ja auch junge Paare, die nach der leichten Bravo-Moral leben „wir dürfen alles, nur nicht einander weh tun“. Wichtig ist, dass alle dies verstehen: Die Morallehre der Kirche zeigt den Weg zu echter Liebe und damit zum Glück. Das Ehesakrament ist zuerst Geschenk und dann erst moralische Anforderung, ein Geschenk, das die Kraft gibt, die Sehnsucht nach einer guten Ehe auch zu leben. Wichtig ist mir auch der familiäre Charakter bei der Ehevorbereitung. Wir, also etwa acht bis zehn Paare, treffen uns bei mir zuhause, kochen zusammen und diskutieren. Das mindestens sechsmal und schon beim zweiten Mal sind die Gespräche in der Regel sehr offen und von einer großen freundschaftlichen Ernsthaftigkeit getragen.

Haben Sie schon mal einem Paar von einer Eheschließung abgeraten?

Nein, das müssen die Paare schon selber wissen. Aber ein Paar hat sich nach den Gesprächen getrennt mit der Begründung: Wir haben erkannt, dass wir uns eigentlich gar nicht wirklich kennen. Die Freundschaft war zu oberflächlich. Die beiden sind später wieder zusammengekommen und haben auch geheiratet.

Es heißt im Evangelium, es gibt wenig Arbeiter im Weinberg des Herrn. Gehören die Eheleute zu diesen Arbeitern?

Jedes Ehepaar ist Botschafter des Bundes Christi mit seiner Kirche und dass dieser Bund unauflöslich ist. Die Ehe ist auch eine Berufung und natürlich sind die Ehepartner auch Arbeiter im Weinberg. Sie sind sogar die idealen Verbündeten für die Botschaft von dieser Berufung, denn die meisten Paare orientieren sich an anderen Paaren. Und diese Arbeiter im Weinberg kommen mit Menschen zusammen, die Priester vermutlich nie treffen werden. Schon deshalb sind sie unverzichtbar für die Arbeit im Weinberg.

Wann kommt der Hirtenbrief der DBK zu Ehe, Familie und Gender?

Der Genderismus ist eine Problematik, der wir uns stellen müssen. Und das geschieht auch. Die Diözese Augsburg zum Beispiel hat einen Flyer erarbeitet, der knapp, präzise und gradlinig das Thema aufgreift. Es geht hier im Kern um das Menschenbild und die Natur des Menschen. Die Frage ist: Ist diese Natur vorgegeben oder basteln wir uns unser eigenes Menschenbild? Die Antwort der Kirche ist klar und die Päpste des letzten halben Jahrhunderts haben sich, seit diese Frage auftauchte, dazu vielfach und tiefgründig geäußert.

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