Diskussion über die Blattlinie

Sterzinsky trennt sich von der Katholischen SonntagsZeitung, der Augsburger Verlagsgeschäftsführer Voß möchte sie übernehmen

Der Augsburger Verlagsgeschäftsführer Dirk Hermann Voß will nach dem Rückzug des Berliner Erzbischofs die „Katholische SonntagsZeitung für das Erzbistum Berlin“ in eigener Verantwortung herausgeben. Das kündigte Voß am Donnerstag in Augsburg an. Zugleich teilte er mit, er sei erstaunt darüber, dass der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky sich aus der Herausgeberschaft zurückziehen wolle. „Weder der Erzbischof noch ein anderer Vertreter des Erzbistums Berlin haben bisher mit uns darüber gesprochen“, so Voß.

Die „SonntagsZeitung für das Erzbistum Berlin“ erscheint im Kölner Verlag Christliche Familie, der seinerseits zur Augsburger Mediengruppe Sankt Ulrich Verlag gehört. Voß ist Geschäftsführer der Mediengruppe und leitet den Medien- und Kommunikationsbereich des Bistums Augsburg.

Der Berliner Bistumssprecher Stefan Förner hatte am 27. Januar erklärt, Sterzinsky wolle seine Herausgeberschaft zum Ende des Jahres niederlegen. Bis dahin werde ein Arbeitskreis von Medienexperten des Erzbistums Vorschläge für Alternativen zu dem Blatt vorlegen. Als Grund gab Förner „anhaltende Unzufriedenheit“ über das publizistische Konzept mit dem bisher bereits von Voß herausgegebenen Mantelteil der Zeitung an. Die höchste Laienvertretung der Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern hatte den Diözesanrat der Katholiken bereits im vergangenen März um eine Vertragskündigung gebeten. Zur Begründung führte der Diözesanrat unter anderem einen Leitartikel von Voß vom Januar 2009 im Mantelteil an. Darin hatte er über die israelische Regierung geschrieben, sie handle im Gaza-Krieg „wie in einem Blutrausch“. Sterzinsky kritisierte daraufhin in einem Interview des Diözesanteils, die Formulierung erinnere ihn „an antijüdische Stereotype“.

Daraufhin schrieb Voß in einer weiteren Ausgabe im Mantelteil: „Meine Kritik an der israelischen Regierung ist scharf ausgefallen, und das war auch so gemeint. Antisemitisch war die Kritik nicht.“ Als Journalist wolle er „auch zukünftig die Lüge eine Lüge, ein Verbrechen ein Verbrechen und das Leid unschuldiger Menschen beim Namen nennen dürfen“.

In seinem Schreiben wirbt der Diözesanrat nun für eine Zusammenarbeit des Erzbistums mit der Osnabrücker Verlagsgruppe Bistumspresse. Diese liefert den Mantelteil für mehrere deutsche Kirchenzeitungen. Darunter ist auch der in Leipzig erscheinende „Tag des Herrn“, der als Kirchenzeitung der übrigen ostdeutschen Bistümer erscheint. Zudem hält der Diözesanrat eine ökumenische Kirchenzeitung für erwägenswert.

Voß betonte, der geltende Herausgebervertrag, wonach er für den Mantel- und der Erzbischof für den Diözesanteil verantwortlich zeichnet, könne rechtlich erst zum 31. März 2011 beendet werden. Zudem nannte er die vom Diözesanrat der Katholiken in Berlin erhobenen Vorwürfe gegen sein Blatt „absurd und ideologiegeleitet“.

Dem Gremium sowie einigen Abteilungen des Berliner Ordinariats warf der Verleger vor, mehrfach den „massiven und vergeblichen Versuch“ unternommen zu haben, die Pressefreiheit der Zeitung zu beschränken. Die Katholische SonntagsZeitung habe sich in der siebenjährigen Zusammenarbeit mit dem Erzbistum und dessen Erzbischof stets an die vertraglich vereinbarte Redaktionslinie gehalten, betonte Voß.

Gelegentliche Meinungsverschiedenheiten in politischen Fragen hätten niemals Glaubens- oder Ordnungsfragen der Kirche betroffen. Vielmehr habe es sich um Themen gehandelt, die nach dem Leitgedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils der „Autonomie der weltlichen Dinge“ unterlägen. Bei diesen dürften Katholiken unterschiedlicher Meinung sein. DT/KNA

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