Die unauffälligen Bankräuber

ARTE zeigt einen Fernsehfilm nach wahren Begebenheiten: „12 Winter“

Zwölf Jahre lang hielten sie die Polizei in Atem: Zwei Bankräuber legten von 1988 bis 2000 die wohl spektakulärste Bankraubserie in der deutschen Kriminalgeschichte hin. Paradoxerweise bestand das besondere an ihrem Vorgehen darin, nicht spektakulär zu handeln.

Denn sie raubten lediglich zwei Banken pro Jahr aus, immer im Winter. Die Polizei kam ihnen erst nach jahrelangem Tappen im Dunkeln auf die Schliche: Erst der eigens einberufenen „EK Winter“ gelang es, nach drei Jahren intensiver Arbeit den Fall aufzuklären, sodass 2002 die zwei Bankräuber ergriffen werden konnten. Diesen Kriminalfall haben die Filmemacher Holger Karsten Schmidt (Drehbuch) und Thomas Stiller (Regie) zu einem Fernsehfilm verarbeitet, der am 1. Mai bei ARTE, am 6. Mai in der ARD ausgestrahlt wird. Eine Besonderheit des Fernsehfilmes „12 Winter“ besteht in der engen Zusammenarbeit der LKA- bzw. Polizeibeamten mit den Filmemachern (siehe auch Interview).

Weil „12 Winter“ ein Spielfilm und keine Dokumentation ist, sind viele Details aus der künstlerischen Freiheit der Autoren entstanden, so etwa die Charakterisierung der Bankräuber, die im Film Mike Roth (Jürgen Vogel) und Klaus Starck (Axel Prahl) heißen: Ersterer wird als Lebemann, der zweite als „biederer Typ“ dargestellt.

Ähnliches gilt für die Arbeit des LKA-Beamten Reiner Geugis (Matthias Koeberlin) und des Bonner Polizisten Gerd Prothmann (Wotan Wilke Möhring): Die Darstellung ihrer Arbeit im Film, etwa bei der Erstellung des Täterprofils und der Einschränkung des Täterkreises, muss nicht in allen Einzelheiten mit der Wirklichkeit übereinstimmen – schließlich gehorcht ein Fernsehfilm dramaturgischen Gesetzen. Aber im Kern stimmt die Darstellung – dafür bürgen die beteiligten Beamten „Reiner Geugis“ und „Gerd Prothmann“.

Mit „12 Winter“ ist Thomas Stiller sowohl bezüglich des Drehbuchs als auch der Kameraführung und der schauspielerischen Leistung ein anspruchsvoller Film gelungen, der auch eine Charakterstudie der zwei Bankräuber „Roth“ und „Starck“ liefert.

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