Die theologische Bedeutung der Mediengesellschaft klären

Mit der „Clearingstelle Medienkompetenz“ will die Deutsche Bischofskonferenz Bürger beraten. Von Alexander Riebel
Foto: dpa | Jugendliche brauchen Anleitung, um ihre Medienkompetenz zu stärken. Die Kirche kann dabei helfen.
Foto: dpa | Jugendliche brauchen Anleitung, um ihre Medienkompetenz zu stärken. Die Kirche kann dabei helfen.

Über Medienkompetenz wird in den Medien selbst viel diskutiert, der Christ sucht aber spezielle Orientierung. Die versucht nun die Deutsche Bischofskonferenz mit der „Clearingstelle Medienkompetenz“ anzubieten. Die Clearingstelle ist zunächst für drei Jahre an der Katholischen Hochschule in Mainz eingerichtet, geleitet wird die Institution von Professor Andreas Büsch mit zwei Studentischen Hilfskräften. Der kirchliche Auftrag ist klar definiert. Denn bereits bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Regensburg hatten die Bischöfe eine verbesserte Medienkompetenz als „grundlegend für ein friedliches Zusammenleben der Menschen“ bezeichnet. Die Clearingstelle, den maßgeblichen Geldgebern Bischofskonferenz und Hochschule gefiel der Name, versteht sich in erster Linie als ein Beratungsangebot. Denn mit Verboten allein ist dem häufigen Fehlverhalten in Sachen übermäßiger Nutzung sozialer Netzwerke, Datenmissbrauch oder Cybermobbing kaum beizukommen. Darum soll jetzt erst einmal gesammelt werden, was über Medienkompetenz zu raten ist. Dabei werden die medienpädagogischen Angebote von Diözesen, Verbänden, kirchlichen Trägern und Institutionen in Mainz zusammengetragen, um dann möglichst außenwirksam für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Professor Büsch sagte gegenüber dieser Zeitung, es gehe um die ethischen und theologischen Implikationen der Medien, wobei keineswegs nur die digitalen Medien gemeint seien. Schließlich, denn die Kompetenzstelle ist ja erst im Aufbau, sollen auch ganz konkrete Ratschläge gegeben werden können, was es etwa mit den Apps auf Smartphones auf sich habe oder eben „best practice-Projekte“ wie etwa Medien-Schulungen für Multiplikatoren. Die Kirche will aber nicht nur Rat nach außen geben, sondern sich auch selbst medial stärker aufstellen.

Einen schnellen Überblick über die geplanten Projekte gibt die Internetseite www.medienkompetenz.katholisch.de, auf der das Kernangebot der Medienstelle verfügbar wird. Aber schon jetzt findet sich hier der Hinweis, dass es auf der Internetseite bald interessante Angebote zur Medienbildung in den Diözesen geben wird, dass demnächst Theoriebeiträge zu lesen sein werden und dass die Beteiligung der Kompetenzstelle an Kongressen und Tagungen den Standpunkt kirchlicher Medienpädagogik verdeutlicht. Doch einige Rubriken gibt es bereits, die den Rahmen für das Künftige abgeben, wie die Dokumentation der Ergebnisse der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischöfe vom 29. Juni 2011 unter dem Titel „Virtualität und Inszenierung. Unterwegs in der digitalen Mediengesellschaft – Ein medienethisches Impulspapier“.

Auch praktische Tipps für Eltern gibt es schon zu lesen, die ihre Kinder zum richtigen Medienverhalten anleiten sollen. Darunter sind auch viele Standardregeln, die Eltern sicher auch schon aus den Medien kennen. Etwa dass man Mail-Adressen oder persönliche Daten nicht im Internet einfach weitergeben soll, dass man Kindern keine Kreditkartennummern zugänglich machen sollte oder dass Filterprogramme keinen wirklichen Schutz gegen Gewaltverherrlichung oder Pornographie bieten. Im Hinblick auf die Fernsehnutzung beruhigt die Internetseite vor Sendungen wie „Teletubbies“, weil Kleinkinder in den wenigen Minuten des Gequietsches dieser Wesen nicht das Sprechen verlernen. Zentral sei die Ansprache durch die Eltern, die natürlich auch genügend stattfinden muss.

Die Jugendschutzseite ist noch im Aufbau, ebenso die Datenbank und Dokumentensammlung. Die Medienstellen in den Diözesen sind leicht auffindbar mit ihren Adressen. Professor Büsch sieht mit der Medienkompetenzstelle ein Alleinstellungsmerkmal der Kirche. Wichtig wäre es, ein eigenes Profil zu entwickeln, das sich von den bereits gängigen Diskussionen zur Medienkompetenz abhebt. Zwar lässt sich hier das Rad nicht neu erfinden, wohl aber kann die theologische Bedeutung der Medienwelt klarer gemacht werden. Dazu ist es wichtig zu sehen, was die Botschaft der Medien in ihrem Kern bedeutet und ob die Medien letztlich nur eine Mode sind oder nicht viel mehr.

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