Die „Perle Vorpommerns“ und ihre malerische Umgebung

Unterwegs in der Heimat von Caspar David Friedrich und anderen Romantikern. Von Constantin Graf von Hoensbroech
Foto: CvH | Es gibt sie tatsächlich: die von Caspar D. Friedrich gemalte Klosterruine Eldena.
Foto: CvH | Es gibt sie tatsächlich: die von Caspar D. Friedrich gemalte Klosterruine Eldena.

Es gibt sie tatsächlich, jene wunderbare Klosterruine, die Caspar David Friedrich auf seinen bekannten Gemälden beispielsweise „Im Riesengebirge“ oder als „Abtei im Eichenwald“ verewigt hat. Dieses bekannte Sujet, das der wohl bedeutendste Maler der deutschen Frühromantik immer wieder aufgegriffen hat, kannte er seit Kindertagen: In Eldena, einem kleinen Ortsteil vor den Toren von Friedrichs Geburtsstadt Greifswald, stehen bis heute die Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters und erinnern an die Zeit, als im 13. Jahrhundert von hier aus die Gründung der späteren Hanse- und Universitätsstadt ausgegangen ist. „Gerade dann, wenn Friedrich besonders Heimweh hatte, malte er Bilder, in denen er sich mit seiner Heimat auseinandersetzte“, erklärt die freundliche Dame am Eingang vom Caspar-David-Friedrich-Zentrum im Herzen der Greifswalder Innenstadt. Die Wand mit den vielen Kunstpostkarten Friedrichscher Gemälde zeigen noch viele andere Gemälde, in denen der vor 240 Jahren geborene Künstler Impressionen aus seiner Heimat später in seinem Atelier in Dresden bis zu seinem Tod im Jahr 1840 immer wieder aufgegriffen und verarbeitet hat.

Dazu zählt beispielsweise auch der berühmte „Mönch am Meer“ aus dem Jahr 1808. Bis zu seinem 20. Lebensjahr blieb Friedrich in Greifswald und darüber hinaus zeitlebens seiner Heimat Pommern und seiner Familie in seiner Geburtsstadt verbunden. In dem Haus in der Langen Straße 57, das bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Hausnummer 28 geführt wurde, stand bis ins Jahr 1901 das Haus, in dem Caspar David im Jahr 1774 als sechstes von zehn Kindern des Seifensieders und Lichtgießers Adolf Gottlieb und dessen Frau Sophie Dorothea Friedrich zur Welt gekommen ist. Nach einem Brand wurde es wiederhergestellt. Die Außenfassade und viele Details im Inneren des Gebäudes stammen noch aus dieser Zeit.

Auch der städteräumliche Kontext ist nach wie vor gegeben: der sehenswerte Marktplatz ist ebenso nur einige wenige Schritte entfernt wie der mächtige und stadtbildprägende Dom Sankt Nicolai mit seinem markanten Turm – ein formidables Beispiel der berühmten norddeutschen Backsteingotik. Dazu zählt auch die Marienkirche, von den Greifswaldern liebevoll „Dicke Marie“ genannt. Ein eigens konzipierter Caspar-David-Friedrich-Bildweg führt Besucher entlang von Lebensstationen und Aussichtspunkten des Künstlers durch die Stadt, die auch als „Perle Vorpommerns“ bezeichnet wird und mit dem Vorpommerschen Landesmuseum zudem ein sehenswertes Museum beherbergt. Seit 1998 kümmert sich die Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft Greifswald darum, das Erbe des Malers zu bewahren.

Darüber hinaus bietet sich Greifswald mit der nach dem von der Insel Rügen stammenden Gelehrten und Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860) benannten Universität als Ausgangspunkt für vielfältige Ausflüge in die malerische Umgebung und Landschaft an. Genannt seien hier etwa der Fischerort Wieck, in dem eine über hundert Jahre alte hölzerne Zugbrücke die Ausfahrt vom Flüsschen Ryck hinaus auf die an dieser Stelle Greifswalder Bodden genannte Ostsee ermöglicht. Außerdem sind die Inseln Rügen und Usedom per Schiff, aber auch mit dem Auto zügig zu erreichen. Kurz vor dem Übergang nach Usedom liegt Wolgast, der Geburtsort eines Zeitgenossen von Caspar David Friedrich und nicht minder bedeutenden Malers: Philipp Otto Runge (gestorben 1810) wurde nur drei Jahre nach seinem Greifswalder Kollegen geboren und gilt neben Friedrich als bedeutendster Vertreter der deutschen Frühromantik.

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