Die Freiheit der Kirche verteidigen, nicht die Zumutungen des Staates

Das ZdK steckt in der Krise – Wie steht es um die Zukunftsfähigkeit des organisierten Laienkatholizismus in Deutschland? – Ein Zwischenruf

Kurz vor der Frühjahrsvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Anfang Mai kam es zum Eklat: Die Bischofskonferenz teilte dem ZdK mit, dass sie den nach einer langwierigen internen Suche im ZdK einzig übriggebliebenen Kandidaten für die Wahl des Präsidenten, Staatssekretär Heinz Wilhelm Brockmann, nicht bestätigen werde. Das war keine Willkür der Bischöfe. Die „Bestätigung“ des Präsidenten mit einer 2/3 Mehrheit der Bischofskonferenz ist in den Statuten des ZdK (§11) festgelegt. Die Bischofskonferenz finanziert die Arbeit des ZdK zu 95 Prozent, mit einem Jahresetat von rund zwei Millionen Euro. Eine Nichtbestätigung hat es in der langen Geschichte des ZdK noch nie gegeben. So war die Aufregung zu Beginn der letzten Vollversammlung des ZdK in der Katholischen Akademie in Berlin groß.

In der Sitzung des ZdK und auch in der Öffentlichkeit ist ein falsches Bild über das Verhältnis Bischofskonferenz und ZdK entstanden. Man gab den Bischöfen die Schuld, obwohl offensichtlich vielen Mitgliedern des ZdK manche Zusammenhänge und Hintergründe nicht klar zu sein scheinen. Es ist nachvollziehbar, dass manches Mitglied die ZdK-Statuten im Detail nicht kennt. Etwas anderes ist es aber, wenn der gescheiterte Präsidentschaftskandidat in einem „Spiegel“-Interview munter davon redet, dass einige Bischöfe wohl noch eine alte Rechnung offen gehabt hätten.

Wichtiger als „sterile Strukturdebatten“

Damit meinte Brockmann, Mitgründer der aus dem ZdK entstandenen Schwangeren-Konfliktberatung Donum Vitae, den seit zehn Jahren schwelenden Streit um diese vom Vatikan energisch und wiederholt abgelehnte Beratung mit Abtreibungsschein. Und forsch fügte Brockmann hinzu: „Wir sind Teilhaber einer offenen Diskussion mit eigenem Selbstbewusstsein. Die Bischöfe können in einer offenen Gesellschaft uns katholische Laien nicht als reine Befehlsempfänger oder Nachbeter haben.“ Und er beruhigte das Plenum: „Die Mehrheit der Bischöfe sieht das so wie wir, aber eine Minderheit hat ihre Chance jetzt zur Blockade in einer Personalfrage genutzt.“ Der Präsident des Bundestages, Norbert Lammert, der als Gastredner des ZdK bei der Vollversammlung über Demokratie und Wahlen sprach glaubt, das Zentralkomitee der Katholiken gehöre zwar nicht zu den mächtigsten Institutionen der Republik, wohl aber zu den wichtigsten, denn es repräsentiere rund 25 Millionen Bundesbürger. Die Ablehnung eines Präsidentschaftskandidaten des ZdK durch die Bischöfe habe das Ansehen der Kirche in der Gesellschaft nicht gefördert. Angesichts solcher Äußerungen ist zumindest eines klar: Hier fehlt viel Aufklärung.

Dass das ZdK keineswegs alle katholisch getauften Christen in Deutschland repräsentiert, muss nicht weiter erläutert werden. Das ist schlicht lächerlich, und wird durch Wiederholung nicht wahrer. Die Bischofskonferenz hat mit dem Kommissariat der Deutschen Bischöfe in Berlin eine eigene Vertretung gegenüber der Regierung und den politischen Parteien. Der Leiter, Prälat Karl Jüsten, ist kooptiertes Mitglied im Hauptausschuss des ZdK.

Gewisse Spannungen und bisweilen auch Unstimmigkeiten zwischen Bischofskonferenz, einzelnen Bischöfen und dem ZdK hat es in der hundertfünfzigjährigen Geschichte des ZdK immer gegeben. Die Laienorganisationen wurden damals mit Unterstützung der Bischöfe ins Leben gerufen, um die „Freiheit der Katholiken gegenüber dem Staat zu gewährleisten“. Die Freiheit der Kirche ist die Mutter einer besseren Zukunft für Deutschland“ war das Motto des Katholischen Vereins Deutschlands. Bereits 1849 war der 1. Katholikentag als Generalversammlung der sich schnell ausbreitenden „Piusvereine für religiöse Freiheit“.

Drei Generationen der Fürsten zu Löwenstein haben das Schiff der organisierten Laien als Präsidenten und Verantwortliche durch Kulturkampf unter Bismarck, Nazizeit und Nachkriegszeit bis in die siebziger Jahre gesteuert. Der Episkopat stellte 1952 bei der Neugründung des ZdK die Hälfte des Jahresetats von 66 000 DM für den Aufbau aus überdiözesanen Mitteln zur Verfügung. Ein Fünftel sollte je durch die Organisationen und die Landespilgerstelle mitgetragen werden. Zum Start der Arbeit des ZdK gab es 4 000 DM extra. Der Weg von damals bis heute war weit. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder klare Worte der Bischöfe zum ZdK: Kardinal Kasper, damals noch Bischof in Deutschland, sagte schon 1996 auf dem Neujahrsempfang: „Seelsorgerische Lebensbegleitung und Wegbegleitung an den Knotenpunkten des Lebens sind mehr gefragt als sterile Strukturdebatten und selbstgenügsamer Sitzungskatholizismus“. Vor zehn Jahren mahnte Kardinal Lehmann in einem Leitartikel der Mainzer Kirchenzeitung: „In pluralistischen Gesellschaften geht man jedoch unter, wenn man nicht in der immer unübersichtlicheren Vielfalt der zahlreichen Stimmen einen eigenen unverwechselbaren Standpunkt kräftig und vernehmbar markiert.“ Der lautstarke Kampf gegen die Linie des ZdK, den der Fuldaer Bischof Dyba mutig führte, ist unvergessen.

Seit zehn Jahren haben sich die Differenzen mehr und mehr verstärkt. Das ZdK hat sich klar für eine Richtung entschieden. Im Herbst 2000 bat das Präsidium um die Zustimmung zu Donum Vitae. Die Vizepräsidentin Annette Schavan fragte, ob das ZdK „wohl die Kraft haben würde, eine der im Dschungel der pluralen Standpunkte nach Orientierung und Prioritäten suchenden Gesellschaft in der Kirche Pluralitätsfähigkeiten zu entwickeln“. Sie sah die dringende Notwendigkeit, die vorhandenen Ansätze des innerkirchlichen Dialoges zu bündeln. Das hat in der Sitzung wohl kaum jemand richtig verstanden, aber in der Rückschau wird deutlich, dass sich das ZdK hier für „die Einheit in der Vielfalt – Vielfalt in der Einheit“ entschieden hatte. Diese nebulöse Formulierung wurde jahrelang immer wiederholt. Die Stellung zur Initiative „Kirchentag von unten“ (Ikvu), die Annäherung an das Kirchenvolksbegehren mit seinen sattsam bekannten Themen und im Höhepunkt die Zustimmung zu Donum Vitae machen das deutlich. Der Konflikt um Donum Vitae schwelt bis heute weiter. Maßgebliche Teile des ZdK stellten sich damals und stehen bis heute unverändert gegen die Weisung Roms. Obschon die gesellschaftliche Realität längst gezeigt hat, wie recht Johannes Paul II. damals hatte, als er um der Klarheit des kirchlichen Zeugnisses willen die Scheinvergabe untersagte. Weder das ZdK noch ein Großteil der Bischofskonferenz haben damals den Ernst der Lage erkannt.

Wenn Donum Vitae gegründet werden sollte, warnten damals viele außerhalb des ZdK, dann könnte dies das Ende der über hundert Jahre alten Entwicklung des deutschen Laienkatholizismus bedeuten. Das Zentralkomitee verteidige dann nicht mehr die Freiheit der Kirche gegen die Zumutungen des liberalen Staates, sondern das staatliche deutsche Abtreibungssystem gegen Papst und Bischöfe.

An genau diesem Punkt sind wir jetzt angekommen. Gerade noch rechtzeitig haben mutige Bischöfe die Reißleine gezogen. In der Öffentlichkeit und in den Medien werden diese Bischöfen kritisiert. Die Interna des ZdK sind dagegen nahezu unbekannt. Sollte man im Herbst tatsächlich einen neuen Präsidenten wählen, der Mitbegründer von Donum Vitae ist und zu den Gründern der Zeitung „Publikforum“ gehört, könnte die lange traditionsreiche und erfolgreiche Geschichte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zu Ende gehen. Spätestens hier wird deutlich, wie notwendig es für Beurteilungen und erst recht Entscheidungen ist, die Organisation und die Arbeit des gesamten organisierten Laienkatholizismus und des ZdK einmal in all seinen komplizierten Einzelheiten genauer zu betrachten. Das ZdK steht auf drei Säulen: Verbandsvertreter, Delegierte aus den 27 Diözesanräten und berufene Einzelpersönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Der Etat des ZdK mit 2,1 Millionen Euro wird zu 95 Prozent von der Bischofskonferenz finanziert. Das ZdK hat ein hübsches Haus in Bad Godesberg, am Waldrand. Heute arbeiten dort noch circa dreißig Angestellte, die dem Präsidium, dem Hauptausschuss, den zehn Sachbereichen, diversen Kommissionen, Gremien und Gesprächskreisen zuarbeiten und die Katholikentage vorbereiten. Da die Kirchensteuerausfälle inzwischen in die Millionen gehen, wurde der Etat mehrfach gekürzt und der Mitarbeiterstab verkleinert. Das ZdK-Büro in Berlin wurde geschlossen.

Zweimal im Jahr tagt die Vollversammlung, meistens in der Stadthalle von Bad Godesberg. Die Sitzungen haben den immer gleichen Ablauf. Wahlen, satzweise Abstimmung zu seitenlangen Anträgen und Vorlagen. Das ist nicht immer spannend. „Dies ist die reine Spiritualität des Herumsitzens“, stöhnte einmal ein Journalist. Es gab netterweise immer viel Kaffee, und für jeden zu Beginn der Sitzung ein kleines Stück Ritter-Schokolade. Die Atmosphäre war freundlich, gelassen und nur manchmal mischten, vor allem junge Leute, das Gremium gründlich auf.

Verbände, Diözesanräte und Promis aus den Parteien

Der Großteil der ZdK-Mitglieder kommt aus den noch 120 Katholischen Verbänden. In einer eigenen Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen (AGKOD), die nach eigenen Angaben noch rund drei Millionen Mitglieder hat, werden alle vier Jahre 97 Kandidaten der Vollversammlung zur Wahl vorgeschlagen.

Die Verbände haben in Deutschland eine große Vergangenheit. Heute sind es noch über hundert, viele von kirchlichen Finanzmitteln abhängig. In der Öffentlichkeit bekannt sind vor allem die großen wie Kolping, Katholische Arbeiterbewegung (KAB), der Malteser-Hilfsdienst (MHD) Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Bund der Katholischen Jugend (BDKJ), der Bund katholischer Unternehmer (BKU), Pax Christi, Familienbund der Katholiken und die Katholische Elternschaft (KED), um einige zu nennen. Daneben gibt es Vertriebenenorganisationen, Schützenbruderschaften, Verbände für Akademikerinnen, Religionslehrer, Pfarrhaushälterinnen, Landvolkbewegung und viele andere Gruppierungen.

Die zweite Säule des ZdK sind die Diözesanräte der 27 Diözesen. Aus jedem Diözesanrat werden drei Vertreter delegiert und in die Vollversammlung des ZdK gewählt. Diözesanräte sind gewählt und delegiert. Sie setzen sich zusammen aus Vertreten der katholischen Organisationen und Verbände, Delegierte aus den Dekanatsräten und Vertreter der Kleriker. Pfarrgemeinderäte, Dekanatsräte und Diözesanräte, das ist der Weg, um womöglich in das ZdK delegiert zu werden.

Hier gäbe es viele Möglichkeiten, sich für die Anliegen der Kirche einzusetzen. Aber wer von den aktiven Gläubigen kennt die Mitglieder, das heißt die Namen und die Arbeit seines Pfarrgemeinderates, des Dekanatsrates und des Diözesanrats? Wenn wir heute von zwölf Prozent sonntäglichen Kirchgängern ausgehen, (statistische Zahlen von 2007) und wissen, dass die durchschnittliche Beteiligung an Pfarrgemeinderatswahlen nur bei acht bis zehn Prozent liegt, wird die demokratische Vertretung schon recht fraglich und die Arbeitsmöglichkeiten sicher auch. Hinzu kommt, dass es heute schwer ist, überhaupt Gläubige zu finden, die bereit sind, sich im Pfarrgemeinderat zu engagieren. In der Diözese Mainz etwa wurde deshalb die Zahl der zu wählenden Pfarrgemeinderatsmitglieder herabgesetzt. Schließlich gibt es ja auch noch die Kirchenvorstände in den Gemeinden, die auch besetzt werden müssen. Tatsache ist, dass wir gerade in der Umstrukturierung der Gemeinden zu Seelsorgebezirken viel mehr engagierte Laien brauchen werden, die intensiver als bisher den Priestern und den Verantwortlichen helfen, ein neues Gemeindeleben aufzubauen.

Die Diözesanräte spielen heute im ZdK eine größere Rolle als die Verbandsvertreter. Wenn aber jemand in den Vollversammlungen ans Mikrophon tritt, wissen selbst Insider, die nicht in den vielen Sachausschüssen oder im Hauptausschuss mitarbeiten, selten, welcher Gruppe der jeweilige Redner entstammt. Hinzu kommt, dass am Abend vor jeder Vollversammlung immer getrennte Sitzungen von Verbandsvertretern und Diözesanvertretern stattfinden, sodass man sich nur mühsam kennenlernen kann.

Die dritte Säule des ZdK sind vierzig berufene und im Plenum zu wählende namhafte Einzelpersönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. In den letzten dreißig Jahren brachten sie dem ZdK Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Talentierte Redner unter ihnen bestimmten den Ablauf der Sitzungen. Unter ihnen waren Ministerpräsidenten oder Minister aus der CDU wie Bernhard Vogel, Hans Maier, Hanna Renate Laurien, Erwin Teufel, Rita Waschbüsch, Annette Schavan, oder der jetzt ausscheidende Präsident Hans Joachim Meyer, der Wissenschaftsminister in Sachsen war. Daneben gab es aber immer Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, aus Kirche und Kultur, aus Wirtschaft und Gesellschaft. Diese „Urgesteine“ sind fast alle ausgeschieden. Gerade die Wahlen von Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft sind immer ein Zeichen für die Befindlichkeit des Gremiums. Früher war es für viele eine Ehre, mitarbeiten zu können. Heute sind es vorwiegend Landtags- und Bundestagsabgeordnete aus der Union, von SPD und Grünen, und einige aus dem Europa-Parlament. Georg Leber kam als erster SPD-Minister 1967 in das ZdK. Dass Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) oder der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Professor Norbert Walter, im ZdK sind, wissen nur wenige. Vor Jahrzehnten waren der Aufsichtsratsvorsitzende der „Deutschen Bank“ Josef Abs und viele andere Persönlichkeiten aus der Adenauerzeit Mitglieder im ZdK. Heute fehlen markante Persönlichkeiten und bodennahe Themen. Die Verlautbarungen sind meistens so formuliert, dass sich das ZdK nicht wesentlich von Parteizentralen unterscheidet.

Die „Leuchttürme“ des ZdK sind die alle zwei Jahre stattfindenden Katholikentage, die inzwischen Millionen kosten und wie das ganze ZdK in katholischen Kreisen nicht unumstritten sind. Es gibt zunehmend Kritik. Die Bundeskanzlerin und die gesamte Berliner Spitze füllen mit ihren Auftritten große Messehallen. Es gibt interessante Diskussionen, oft mehr dem Zeitgeist geschuldet als katholischen Grundsätzen. Katholikentage sind heute eher ein Markt der Möglichkeiten als ein Glaubensfest.

Dem katholischen Alltag steht heute ein mit kirchlichen Geldern organisierter Laienkatholizismus gegenüber, aufwendig und generalstabsmäßig durchstrukturiert auf allen Ebenen. Das wird sich ändern. Norbert Feldhoff schrieb bereits 2004 in den „Stimmen der Zeit“ einen bemerkenswerten Aufsatz zur „Zukunft der Kirchenfinanzen“. Er sieht die Chance darin, dass Mangelsituationen, und die kämen viel härter, als bisher angenommen, ungeahnte Initiativen und Kreativität freisetzen könnten. Ein gefährlicher kirchlicher Irrweg sei, einfach abzuwarten und auf bessere Tage zu hoffen. Man werde Personal abbauen müssen. Man werde mehr als in den letzten Jahrzehnten auf Förderer und Spender angewiesen sein, und es sei nicht ausgeschlossen, dass morgen oder übermorgen die Verbände nur noch von den Beiträgen und Fördermitteln aus Freundeskreisen ihre Arbeit finanzieren müssten. Mit dieser Prognose hat Feldhoff nach Lage der Dinge wohl recht. Vieles wird sich in den kommenden Jahren zwangsläufig verändern.

Mehr Mut zum Bekenntnis, mehr Freude am Glauben

Im Blick auf das ZdK stellt sich damit die Frage, ob dieses nahezu 150 Jahre alte Gremium, das einmal erheblichen Einfluss und große Verdienste hatte, noch zu jenem dringend notwendigen Modernisierungsschub in der Lage ist. Und ob das ZdK dazu aus eigener Kraft in der Lage sein wird. Oder erleidet das gewachsene und mit viel Idealismus aufgebaute katholische Laiengremium das Schicksal vieler altehrwürdiger Kirchenbauten: Abriss. Ein Ende mit Würde wäre dann freilich besser als ein Schrecken ohne Ende. Fest steht, dass in unserer ethischen und spirituellen Krise verlorenes Vertrauen nur durch einen umfassenden Neuaufbruch wiedergewonnen werden kann.

Was wäre in der katholischen Kirche anders, wenn es das ZdK nicht mehr gäbe? Auch diese Frage muss erlaubt sein. Was wäre gewonnen, wenn die Verbände und Räte sich auf ihre Diözesen beschränken würden, sich bei Bedarf mit anderen Diözesen vernetzen und in einem intensiven Kontakt mit ihren Bischöfen arbeiten würden? Die modernen Medien könnten noch mehr genutzt werden. Es gibt schon lange hervorragende Beispiele für katholische Internetseiten, die jedem Laien schnelle Informationen und Hilfen anbieten können.

Das ZdK muss sich entscheiden, wohin es will. Das unehrliche Nebeneinander und verdeckte Gegeneinander von ZdK und Bischofskonferenz ist sicher kein Weg in die Zukunft. Es muss ein klarer Weg mit den Bischöfen vereinbart werden. Auch neue Bewegungen müssen eingebunden werden. Das „Forum Deutscher Katholiken“ mit seinen Kongressen „Freude am Glauben“ oder Gruppierungen, die aus den Weltjugendtagen hervorgegangen sind, die Generation Benedikt oder die Nightfeaver-Aktionen sind heute wesentlicher Bestandteil des katholischen Laienkatholizismus. Was in den Diözesen wächst, gehört auch in das Zentralkomitee.

Dann wird sich zeigen, ob in diesen stürmischen Zeiten, auch unter dem noch erheblich zunehmenden Finanzdruck, ein Zentralkomitee sinnvoll und erfolgreich arbeiten kann. Es geht nicht mehr länger um Beschwichtigungen und Beschwörungen, um Dialoge, sondern um tragbare katholische Lösungen für die Zukunft. Wir brauchen überschaubare und effektive Strukturen. Wir brauchen starke, von Politik und Staat unabhängige Laiengremien, die sich vernetzen, mehr als bisher an der Basis arbeiten und sich nicht in endlosen Strukturdebatten verlieren. Wer sich potemkinsche Dörfer baut, um sich darin wohnlich einrichten, hat keine Zukunft. Wir brauchen kein Nebenparlament für Parteipolitiker, die zuerst dem Staat und dann der Kirche dienen. Was wir in den Gremien brauchen, ist eine entschiedene und klare katholische Haltung, ein Miteinander der Laien mit Papst und Bischöfen. Was wir brauchen ist ein gesundes katholisches Selbstbewusstsein, Mut zum Bekenntnis und Freude am Glauben.

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