Die Abgründe des Internets scannen

Die Kontrolle über das Darknet ist einer der Wege, im Internet den Terrorismus unter Kontrolle zu bringen. Von Alexander Riebel
Besuch von Bundesinnenminister de Maizière in Stuttgart
Foto: dpa | Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) machte bei einer Rede das „Darknet“ bereits 2016 zum Thema.

Die britische Premierministerin Theresa May hat Recht, dass das Internet ein Vehikel für den Terrorismus ist und darum stärker kontrolliert werden muss. Die Frage ist nur, mit welchen Mitteln. Das französische start-up CybelAngel nimmt nun drei Millionen Euro in die Hand, um die Überwachung des Darknet zu untersuchen, in dem Waffenschmuggel und kriminelle Verabredungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das Unternehmen mit Sitz in London will einen Durchbruch in Cybersicherheit erreichen. Es gebe eine unendliche Vielfalt von Informationen im Darknet, und es gibt verschiedene Arten, diese Informationen zu scannen, erklärte der Mitbegründer von CybelAngel, Erwan Keraudy, gegenüber der Tageszeitung „le Figaro“. Das System „krieche“ durch das dunkle Internet, Seite für Seite, eine Milliarde Dokumente pro Tag. Das Unternehmen hat bereits den amerikanischen und asiatischen Markt erobert, zurzeit will es auch in Europa aktiv werden.

Ursprünglich war das Darknet gegründet worden, damit Bürger in Unrechtsstaaten sich frei äußern können. Inzwischen ist es aber ein Sammelpunkt von Kriminellen geworden, deren Anonymität auch die Polizei in Deutschland nicht immer auf die Spur kommt. Über Google sind die Seiten nicht erreichbar, stattdessen spielt das „Tor“-Netzwerk eine große Rolle, ohne das viele Internetseiten im Darknet gar nicht zugänglich sind. Dass die Terrororganisation „Islamischer Staat“ im Darknet anwirbt und Propaganda verbreitet, trägt zu ihrem Erfolg bei. Bereits bei der re:publica 2017 in Berlin war das Darknet Thema: Ist es das Internet der Zukunft, wurde da gefragt. Auf jeden Fall gibt es immer den Zeitpunkt, an dem Täter das Darknet verlassen müssen, um ihre Geschäfte letztlich in der realen Welt zu Ende zu bringen. Da gibt es dann die besten Zugriffsmöglichkeiten, etwa bei den realen Waffenhändlern, wie es im Fall des Anschlags von München war.

Dass das Darknet auch gefährlich für alle vernetzten Strukturen ist, wie selbstfahrende Autos, Atomkraftwerke oder Elektrizitätswerke, darauf hat CybelAngel besonders hingewiesen. Hier gilt es Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, die auch politisch durchgesetzt werden müssen.

Themen & Autoren

Kirche