Der zum Fels der Kirche wurde

Mit der Ausstellung über den „Weg des Petrus“ liefert die Engelsburg in Rom einen ganz besonderen Beitrag zum „Jahr des Glaubens“. Von Natalie Nordio
Foto: Nordio | Am Eingang zur Petrus-Ausstellung in der Engelsburg.
Foto: Nordio | Am Eingang zur Petrus-Ausstellung in der Engelsburg.

Zurzeit lohnt sich ein Besuch der Engelsburg besonders: Durch die Gänge des ursprünglichen Mausoleums Kaiser Hadrians führt der Weg fast bis ganz nach oben in den Cortile dell’Angelo, den Innenhof, der nicht nur Raffaele da Montelupos Engelsfigur aufnimmt, sondern um welchen herum sich auch die ehemaligen päpstlichen Wohnräume – die „Appartamenti“ – gruppieren. Hier bestimmen seit dem 6. Februar königsblaue und kardinalsrote Stellwände die Ansicht der mit wunderbarer Groteskenmalerei versehenen ehemaligen Wohnräume Papst Clemens VIII.

Der Besuch einer Ausstellung ist für den Betrachter immer „ein Fest für die Augen“, so ist auf der ersten einführenden Texttafel zu lesen. Doch dabei allein möchte es die Ausstellung zu Ehren des Apostelfürsten nicht belassen und entführt den Besucher auf eine Reise durch das Leben des Simon Petrus, illustriert und dargestellt durch zahlreiche Meisterwerke der Mal- und Holzschnitzkunst, die einen zeitlichen Rahmen vom vierten bis ins zwanzigste Jahrhundert umfassen. Unter große Namen wie Jan Brueghel, Giorgio Vasari, Georges de La Tour, Guercino, Luca Giordano, Mattia Preti oder Guido Reni mischen sich unbekanntere Künstler wie Vasilij Dmitrievic Polenov oder Eugéne Burnand. Werke aus Russland, den verschiedensten Teilen Italiens oder aus London, von denen einige zum ersten Mal ihr schützendes Zuhause verlassen haben, um Teil dieser Ausstellung zu sein, wurden hier zusammengetragen.

Jeder Raum steht unter einem bestimmten Aspekt des Lebensweges des ersten Inhabers des Stuhls Petri, wie die erste Begegnung zwischen Jesus und Petrus, dem Erstaunen, aber auch dem Widerstand Petri und seiner letztlichen Hingabe an Gott. Musikalische Untermalung wechselt hier und da mit dem Vortrag einzelner Bibelpassagen. So gesellt sich zur visuellen Wahrnehmung durch die Kunstwerke eine akustische, die den Besucher Stück für Stück auf seinem Weg durch die verschiedenen Abteilungen begleitet.

Der ersten Begegnung zwischen Jesus und Simon, dessen Name so viel bedeutet wie „der von Gott Erhörte“, am Ufer des See Genezareth widmet die Ausstellung eine Vielzahl an Werken. Das großformatige Ölgemälde Andrea Camasseis, einem Schüler Domenichinos, das normalerweise in der Kapelle der Heiligen Drei Könige im Palazzo der Propaganda Fide nur von sehr wenigen betrachtet werden kann, zeigt Jesus links im Bild am Uferrand. Unweit von ihm entfernt sind die beiden Fischer-Brüder Simon und Andreas dabei, die Netze einzuholen, unterbrechen jedoch ihre Tätigkeit und blicken erstaunt in seine Richtung. In die vorderste Front platziert nimmt der Betrachter direkt an dieser prägenden Begegnung teil, während sich im Hintergrund das Seeufer bis in den obersten Bildrand hinaufschlängelt und den Blick auf weitere kleine Fischerboote freigibt. Dicht drängen sich auf Mattia Pretis Bildwerk von 1640 einige Figuren im Halbkreis um einen kleinen Holztisch, an dem Petrus Platz genommen hat. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Fisch, aus dessen Maul deutlich eine Münze hervorblinkt. Von oben fällt goldenes Licht auf den Apostel und seinen merkwürdigen Fund, der allgemeine Verwunderung unter den Anwesenden auszulösen scheint, außer bei Jesus, der rechts im Bild mit seinem Arm in Richtung des Fisches weist und diesen segnet. Während Petrus und der Fisch wie mit einem Scheinwerfer beleuchtet ins Zentrum der Szene gerückt werden, verschwinden die übrigen Figuren in einem für Mattia Petris Malkunst typischen undurchsichtigen Halbdunkel.

Die dargestellte Begebenheit spielt auf die zu entrichtende Tempelsteuer bei der Ankunft in Kafarnaum an, die Petrus auf Geheiß Jesu mit der Münze aus dem Fisch bezahlen sollte. Und weiter geht es auf dem Weg quer durch das Leben Petri.

Gleich mehrere Bildwerke illustrieren die Begebenheit der Jünger und Jesu im Garten Getsemani. Während Marcello Venustri den sich ins Gebet zurückgezogenen Christus und die unweit von ihm schlafenden Jünger in eine harmonische, von rosarotem Licht durchflutete Szene setzt, sieht sich die Figur Jesu auf der Leinwand des Cavaliere d’Arpino direkt daneben bereits mit seinem nahenden Schicksal konfrontiert. Im oberen Bildteil kniet Jesus im Gebet. Über ihm ein Engel, der auf seinen Schultern das Kreuz trägt. Im Bildvordergrund die schlafenden Jünger. Petrus ganz rechts ist auf einen Felsen gestützt. Die die Figuren umgebende Natur ist in rostbraunen Tönen gehalten, wodurch dem Maler ein schöner Kontrast zu dem roten und gelben Umhang der Schlafenden gelang. Die Figur Jesu, ebenso wie die ihn umgebende Landschaft in fahlen Farben gehalten, scheint so bereits der irdischen Welt entschwunden. Immer wieder begegnen dem Besucher im Rahmen der Ausstellung derlei Bildvergleiche, die den unterschiedlichen Umgang mit ein und derselben Szene hervorkehren. Mehr als deutlich wird dies insbesondere in der Darstellung des weinenden Petrus von Guercino, der die Version eines unbekannten neapolitanischen Künstlers zur Seite gestellt ist. Mit nackter Brust, den restlichen Körper mit einem roten Umhang bedeckend ist Petrus mit dem rechten Ellenbogen auf eine Tischkante gestützt ins Bild platziert. In seiner Linken hält er ein weißes Leinentuch. In der Rechten fest umschlossen den Schlüssel. Sein Blick ist hilfesuchend nach oben gewandt, seine Stirn in tiefe Falten gelegt. In den rotgefärbten Augen sind deutliche Tränen zu erkennen.

Ganz anders dagegen greift der anonyme Maler dieselbe Begebenheit auf. Petrus ist bekleidet, sein Blick nach unten gesenkt. Seine Hände liegen zum Beten gefaltet auf dem Rücken eines Buches, aus dem an einem Lederband befestigt, das wohl als Lesezeichen dient, der Schlüssel heraushängt. Links hinter ihm und nur schwer zu erkennen ein Hahnenkopf, dessen Schnabel zum Krähen aufgesperrt ist. Der anonyme Künstler bringt so noch eine weitere Sphäre ins Bild, die der Szene vorangegangene Tat, die Verleugnung des Petrus. Die Bildbeispiele sind Spiegel des inneren Konflikts, der Angst, mit der sich Petrus auseinandersetzten muss, sowie seine Trauer und Reue.

Ein letztes Meisterwerk ist neben anderen zweifelsohne Guido Renis 1609 entstandenes Gemälde der Heiligen Petrus und Paulus. Dargestellt ist eine Szene, die sich in Antiochia zugetragen haben soll, in der Petrus viel Zeit mit nichtjüdischen Brüdern verbrachte, sich von diesen jedoch bei der Ankunft hoher Abgesandter aus Jerusalem distanzierte und sich aufgrund seines wankelmütigen Verhaltens den Tadel des Paulus zuzog. Petrus sitzt und hat seinen Kopf dem vor ihm stehenden Paulus zugewandt. Paulus hat die rechte Hand erhoben und ist ganz offensichtlich dabei, Petrus seine Meinung zu sagen.

Kaum eine andere Person wird in den Evangelien so menschlich dargestellt wie Petrus, mit all seinen Fehlern und Lastern, seinen Zweifeln und Ängsten. Sein Geburtsname Simon war sein Schicksal gewesen, denn er wurde erhört, der ihm von Jesus verliehene Zusatz „Petrus“ sollte dagegen seine Mission werden. Mit der noch bis Anfang Mai dauernden Ausstellung ist nicht nur künstlerisch ein wunderschöner Querschnitt gezogen, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum „Jahr des Glaubens“ und der Mission Petri geleistet worden – und nicht zuletzt zum anstehenden Wechsel auf dem Stuhl Petri.

Die Ausstellung zu Petrus findet statt im Museo Nazionale di Castel Sant'Angelo, Lungotevere Castello, 50, 00186 Rom, Tel. 0039-066 81 91 11.

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