Der Würzburger Fürstbischof in neuem Licht

Ein Hexenjäger war er nicht: Zum 400. Todestag Julius Echters hat der Historiker Robert Meier die Quellen neu ausgewertet. Von Alexander Riebel
Foto: Echter Verlag | Julius Echter, wie er als Denkmal in Würzburg an seine Epoche erinnert; Umschlagbild des besprochenen Bandes.

Vor 400 Jahre wurde Julius Echter geboren, von denen zumindest die letzten 200 Jahre voller Missverständnisse und Fehldeutungen über den fränkischen Fürstbischof waren. Diese fehlerhaften Deutungen betreffen besonders den Charakter der Person Echters, seine Eigenschaft als angeblichen Hexenjäger und die Bedeutung seines Kunstsinns.

Robert Meier, Archivar, Publizist und Lehrbeauftragter an der Universität Würzburg, hat mit seinen Forschungen das Bilder von Julius Echter in einer sehr gut lesbaren Studie grundlegend revidiert. Dass Unterfranken bis heute katholisch geprägt ist, geht wesentlich auf Echter zurück. Seine gewaltlose Rekatholisierung gelang mit einer enormen Kraftanstrengung auf den Gebieten der katholischen Bildung, einer Klerusreform, dem Bau von Kirchen oder auf sozialem Gebiet. Besonders protestantische Geistliche haben ein düsteres Bild von Echter gemalt, „der mit rücksichtslosem ehernen Fußtritt die werdende evangelische Kirche in den Boden trat“, wie Meier zitiert. Meier hält diesen Anfeindungen die quellen- und Literaturgrundlagen entgegen und gibt eine transparente Darstellung der damaligen Ereignisse.

Echter wurde 1445 in Mespelbrunn geboren – ein Jahr nach Luthers Tod; die Familie gehörte dem ritterschaftlichen Adel an. Nach Meier war dieser Status zweischneidig, denn die Ritter galten als reichsunmittelbar unter dem Schutz des Kaisers, waren aber nicht im Reichstag oder in den Reichskreisen vertreten. Dass ein Ritter zum Fürstbischof von Würzburg gewählt werden konnte, war außergewöhnlich. Immerhin, die Ahnenprobe zum Domherrn verlangte, dass 24 adelige Vorfahren aufgewiesen werden mussten. Wie damals in seinen Kreisen üblich, besuchte Echter Universitäten in mehreren Ländern. Er begann bei den Jesuiten In Köln, war im niederländischen Löwen, und Douai, dann in Paris und Angers. Französisch, Flämisch, Latein und Italienisch waren ihm bestens vertraut.

Echters Wahl zum Bischof 1573 wurde in Protokollen der Stadt nicht festgehalten, erstmals erwähnt ist er im Würzburger Ratsprotokoll am 1. Februar 1574. Echter kümmerte sich auch ganz detailliert um die Stadt Würzburg, wusste von der permanenten Not der Brotversorgung und ging dem minutiös auf den Grund. Die Amtseinführung wurde mit der Bischofsweihe am 22. mai 1575 abgeschlossen; es war der Pfingsttag, den Echter selbst ausgewählt hatte.

Als erste Amtshandlung schaffte er das Konkubinat im Klerus ab, was Aufsehen erregte, aber programmatisch zu verstehen war. Auch vor der Reformation waren diese Verhältnisse untersagt, wurden aber faktisch in der Stadt gelebt. Echter setze damit die Beschlüsse des Trienter Konzils durch. Auch in der Reform von Orden und Klöstern erwarb sich Echter den Ruf eines Hardliners. Er drängte dabei auf Disziplin, insbesondere die Einhaltung der Regeln Armut, Keuschheit und Gehorsam, deren Befolgung nicht selbstverständlich war, wie die Lebenswirklichkeit zeigte. Dass Echter auch vor „harten Maßnahmen nicht zurückschreckte, hatte er noch als Domdekan bereits mit seinem Vorgehen beim Kloster Bildhausen gezeigt. Der dortige Abt ließ das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichen, unterband den Schwur auf den Tridentiner Eid und betrieb offen den Übergang seiner Institution zu einer evangelischen Kommunität... Echter ließ den Abt inhaftieren und zwingen, einen Vertrag zur Durchführung der Klosterreform zu unterschreiben“, heißt es bei Meier. Der Autor schildert etliche ähnliche Auswüchse, im Fall des Klosters Wertheim setzte Echter sogar Militär ein. Doch die Bilanz spricht schließlich für Echter: „Der Neustart des Ordenslebens in der Diözese Würzburg in der Echterzeit war erfolgreich“, meint Meier. Die Rekatholisierung zumindest des Hochstifts Würzburg, auf die weiteren Gebiete der Diözese hatte Echter im Zuge der Reformation nicht überall Zugriff, zielte auf eine homogene katholische Struktur, die Echter erfolgreich konsequent durchzusetzen versuchte. Die Kontrollverfahren, die Echter einsetze, waren nicht unüblich. Er selbst musste 1590 auch einen Bericht über die Diözese Würzburg nach Rom an Papst Sixtus V. schicken.

Echter wurde in der Forschung auch immer wieder rigoroses Verhalten gegenüber Andersgläubigen vorgeworfen. Der Umgang zwischen Katholiken und Protestanten war im Reich grundsätzlich durch den Augsburger Religionsfrieden geregelt, wodurch der Wahrheitsanspruch beider Konfessionen aufrechterhalten wurde, wie Meier ausführt. Um 1587 hätten allein in der Stadt Würzburg 600 Protestanten gelebt, eine gewaltsame Katholisierung wurde nach Erkenntnissen Meiers in Würzburg nicht durchgeführt. Protestanten hatten Ämter im Domkapitel, waren Bürgermeister oder im Stadtrat. Es gab vor den Reformen Echters eine „konfessionelle Indifferenz“, Protestanten konnten im Dom heiraten oder taufen lassen. Man nannte die Protestanten nur „nicht so gut katholisch“. Entscheidend für das Katholischsein waren allerdings auch nur Kommunion und Beichte zu Ostern. Meier geht davon aus, dass damals 600 Familien das Hochstift Würzburg aus konfessionellen Gründen verlassen mussten, insgesamt seien es einige tausend Menschen gewesen. Trotz des Augsburger Religionsfriedens konnte der Landesherr die Konfession bestimmen. Nach Meier könne man im Hinblick auf Echter nicht von Toleranz sprechen, aber sein Vorgehen sei weit von eliminatorischen Kampagnen wegen religiöser Merkmale entfernt gewesen, wie in späteren Epochen. Einerseits hebt Meier hervor, dass das konfessionelle Band unter den Menschen damals keineswegs „das wichtigste Band“ war, doch waren „Migrationen“ oft erzwungen, so dass eine Wanderbewegung zu den protestantischen Dörfern stattfand.

Eindeutiger fällt das Thema Hexenverfolgung aus. Hier kommt der Buchautor nach langen Quellenstudien zu der Erkenntnis, dass es in Würzburg in der Amtszeit Echters keinen Hexenprozess gegeben hat. Zwar hatte das 19. Jahrhundert Echter als fanatischen Hexenjäger gedeutet, doch „ein grundsätzlicher Meinungswandel deutet sich an“. Die Hexenprozesse im Hochstift Würzburg wurden ohne Beteiligung Geistlicher geführt. In Remlingen oder Gerolzhofen, die Meier als Beispiele nennt, gab es Prozesse, die aber auf Initiative des Dorfs oder des Zentgrafen durchgeführt wurden. Nicht zu viel foltern, ermahnte Echter den Zentgrafen von Remlingen – hier gab es zwischen 1611 und 1616 elf Todesopfer durch Hexenprozesse. Würzburg versuchte mäßigend zu wirken, hatte aber keinen grundsätzlichen Zweifel an den Prozessen. Als Landesherr hatte Echter allerdings die Opfer zu verantworten, Meier schätzt deren Zahl auf etwa 30. Eine niedrige Anzahl im Angesicht der damaligen Prozesswellen. Dass Echter die Hexenverfolgung aber angeordnet oder gewünscht hätte, dafür gibt es nach Meier keine Belege.

Robert Meier: Julius Echter – 1545–

1617. Echter Verlag, Würzburg 2017,

168 Seiten, ISBN-13: 978-342903-997-4, EUR 14,90

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