Der Papst macht den Kubanern Mut

In den Zeitungen auf Kuba bestimmten Drogen, Waffenkontrolle und Respekt vor Benedikt XVI. die Themen
Foto: dpa | Fernsehempfang in Havanna: Der kubanische Kardinal Jaime Ortega spricht über den Besuch des Papstes.
Foto: dpa | Fernsehempfang in Havanna: Der kubanische Kardinal Jaime Ortega spricht über den Besuch des Papstes.

Der Aufruf von Papst Benedikt XVI. zum Schutz von Kindern bestimmt am Sonntag die Titelblätter der mexikanischen Zeitungen. „Der Papst fordert, alles zu unternehmen, dass die Kinder nicht mehr ihr Lächeln wegen Hunger oder Gewalt verlieren“, schreibt „El Universal“: „Gebet für die Opfer der Gewalt“, schreibt das Blatt und ergänzt: „Benedikt XVI. fordert, den Drogenhandel zu demaskieren“. Die Zeitung greift zudem das Treffen des Kirchenoberhauptes mit Staatspräsident Felipe Calderon auf: „Mexiko und Vatikan für eine Waffenbremse“, heißt es ebenfalls auf Seite eins. Auch die Zeitung „Reforma“ hebt die Bestärkung im Kampf gegen Drogenkriminalität hervor: „Der Papst bittet das Land, sich nicht entmutigen zu lassen.“ Das Blatt „Provincia“ stellt heraus, dass sich Papst und Staatsoberhaupt einig seien, den Waffenmarkt zu regulieren.

Die Tageszeitung „Milenio“ rückt derweil das Missbrauchsthema ins Zentrum ihrer Berichterstattung: „Benedikt XVI. meidet das Thema Päderastie“ heißt es auf dem Titel der Sonntagsausgabe. In den Lokalzeitungen der gastgebenden Stadt Leon ist der Aufenthalt des Papstes in der Region das alles überstrahlende Thema. Die Zeitung „AM“ zeigt auf ihrer Titelseite Bilder des „Papstes zu Hause“. Die Lokalzeitung „El Sol de Leon“ ergänzt ein Foto des betenden Papstes in der Kapelle des Miraflores-Kollegs mit der Botschaft: „Forderung nach dem Schutz von Kindern“. In den offiziellen kubanischen Medien stehen unmittelbar vor der Ankunft des Papstes vor allem die Vorbereitungen auf die dreitätige Visite im Vordergrund. Die Internetausgabe des Parteiorgans „Granma“ berichtet über eine Resolution von Arbeitsministerin Margarita Gonzalez. Die Regelung soll den kubanischen Arbeitnehmern eine Teilnahme an den öffentlichen Veranstaltungen während des Besuches von Benedikt XVI. in Santiago de Cuba und Havanna ermöglichen. Im staatlich kontrollierten Internetportal „Cubadebate“ rückte die Ankunft des krebskranken Hugo Chavez in Havanna die Papstreise in den Hintergrund. Venezuelas Staatspräsident will sich dort einer weiteren Strahlentherapie unterziehen.

„Cubadebate“ berichtet unterdessen über eine eigens für den Papstbesuch installierte Kunstbeleuchtung der Kathedrale von Havanna. Der italienisch-französische Beleuchtungskünstler Gaspare Di Caro lässt das Gotteshaus noch bis Dienstag jeweils von 19.00 Uhr bis Mitternacht in kunstvollem Licht erstrahlen.

Die kubakritische US-Tageszeitung „El nuevo Herald“ aus der Exil-Kubaner-Hochburg Miami versucht sich an einer Prognose, welche Auswirkungen die Reise von Benedikt XVI. auf die kommunistisch regierte Karibikinsel haben wird. Sie stellt als Schlagzeile fest: „Der Besuch des Papstes wirft Fragen auf“. Die Kritik Benedikts XVI. auf dem Weg nach Mexiko, der Marxismus in seiner ursprünglichen Form entspreche nicht mehr der heutigen Wirklichkeit, fand in den offiziellen kubanischen Medien keinen direkten Niederschlag. Stattdessen berichtete wiederum das Parteiorgan „Granma“ über die Eröffnung der Pressezentren in Santiago de Cuba und Havanna durch Außenminister Bruno Rodriguez. Dabei zitierte das Blatt Rodriguez mit den Worten, Kuba werde den Papst „mit Respekt“ anhören.

Die amtliche Nachrichtenagentur „Prensa Latina“ nahm die Kritik Benedikts XVI. an der Gewalt in Mexiko auf. Diese habe der Papst als Folge des „Kultes um das Geld“ gebrandmarkt. Das staatlich kontrollierte Internetportal „Juventud rebelde“ (Rebellische Jugend) kommentierte: „Diejenigen, die versuchen, den Besuch Seiner Heiligkeit Benedikt XVI. aus politischen Gründen zu manipulieren, werden scheitern.“ Die kubakritische US-Tageszeitung „El nuevo Herald“ aus Miami, einem Zentrum von Exil-Kubanern, stellte die Äußerung des Papstes zum Marxismus in den Vordergrund. Der Marxismus in Kuba sei „jetzt keine Antwort mehr auf die Realität“, gab das Blatt den Papst wieder. DT/KNA

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann