Der Kreuzesgalgen als Siegeszeichen über den Tod

Bischof Egon Kapellari veröffentlicht Meditationen über das Leiden Christi und der Menschen

Dass die Christus-Nachfolge untrennbar mit Leid verbunden ist, wird jenen, die in diese eintraten, in diesen Wochen wieder einmal unter Schmerzen bewusst. „Christus leidet immer noch in seinem mystischen Leib, der Kirche“, schreibt Egon Kapellari, der Bischof von Graz-Seckau, in seinem passenderweise am Aschermittwoch erschienenen Buch „Das Leiden Christi“.

„Der Todesschrei Jesu am Kreuz schließt

,in sich alles Fragen und Klagen der Menschen von Adam bis hin zum letzten Menschen‘“

Und er fährt fort: „Er leidet in Menschen, die schuldlos oder mit Schuld beladen ein großes Leid tragen. Sie warten auf die Solidarität, auf das Mitleid derer, denen solches Leid nicht auferlegt ist.“

Der Autor weiß, dass erfahrenes Leid zur Verbitterung führen kann, zur Rebellion gegen Gott und zu Zweifeln an seiner Güte. Aber er hofft und legt nahe, Leiden zu einer „Quelle der Barmherzigkeit“ werden zu lassen, durch Mitleid und Solidarität.

Das primäre Thema des inhaltlich anspruchsvollen, sprachlich erhebenden und mit Bildtafeln würdig gestalteten Buchs ist das Leiden Christi, doch stets mit einem Blick auf den leidenden Menschen, mit dem sich der Erlöser identifiziert. Der Todesschrei Jesu am Kreuz schließe „in sich alles Fragen und Klagen der Menschen von Adam bis hin zum letzten Menschen, er umfängt jeden Seufzer der bedrängten Kreatur“, schreibt Bischof Kapellari. Doch dieser Schrei geht nicht ins Leere, bleibt nicht Rebellion der Gequälten und Entrechteten. Mit der Auferstehung antwortet Gott. Und so verklärt sich „im Glauben der Kreuzesgalgen zum Siegeszeichen über den Tod, zum Symbol ewigen Lebens“.

Kapellaris neues Buch gibt den Blick auf das Geheimnis des Kreuzes frei: nicht nur in den kurzen, tiefen Betrachtungen zum Kreuzweg, zu den Geheimnissen des Schmerzhaften Rosenkranzes und zu den sieben Worten Jesu am Kreuz, sondern auch in jenen Darlegungen, in denen der Autor „das Kreuz Christi und die Kreuze der Menschen“ verbindet. Das Kreuz sei „ein Symbol für jedes menschliche Leiden“, könne deshalb auch „über dem Arbeitstisch eines Nichtchristen, ja eines Nichtgläubigen hängen“, nämlich als „Zeichen des Protestes gegen alles Unrecht“, so der Autor.

Der dienstälteste Bischof Österreichs sieht die Wirklichkeit dieser Welt: „Auf vielfältige Weise wurden und werden Menschen von ihresgleichen um ihr Glück gebracht, am Leben gehindert, ausgebeutet, gefoltert und zertreten.“ Aber er zeigt auch, dass die Kirche – selbst leidend in der Nachfolge ihres Herrn – allen diesen Menschen eine Botschaft der Hoffnung zu bringen hat: „Jesus hat Leiden in Liebe verwandelt.“

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