Der Held wird in Versuchung geführt

Eine gelungene Comic-Verfilmung: „The Dark Knight“ verknüpft filmische Brillanz mit tiefgreifenden Fragen

Vor drei Jahren gelang dem Regisseur Christopher Nolan das Kunststück, mit der fünften „Batman“-Realverfilmung „Batman Begins“ (DT vom 16.06.2005) die beliebte Comicfigur aus der Sackgasse herauszuführen, in die drei auf die erste Filmfassung mit realen Schauspielern „Batman“ (Tim Burton, 1989) folgende Spielfilme den Helden hineinmanövriert hatten. Wurde in „Batman Returns“ (1992), „Batman Forever“ (1995) und „Batman & Robin“ (1997) der eigentliche Held von den Bösewichten immer mehr in den Hintergrund gedrängt, so besann sich Regisseur Nolan auf den Ursprung der „Fledermaus“, wodurch er der Comic-Figur das Heldenhafte zurückgab, dessen sie frühere Verfilmungen dem Zeitgeist folgend beraubt hatten.

In offenkundiger Anlehnung an die „Spider Man“-Filme von Sam Raimi, vor allem an „Spider Man 2“ (2004), schaffte Christopher Nolan einen Neubeginn, indem er sich auf die Entwicklung eines komplexen Charakters konzentrierte, der zwischen Rache und Gerechtigkeit zu unterscheiden lernt.

Die nun im deutschen Kino anlaufende neue Batman-Verfilmung „The Dark Knight“, bei der Christopher Nolan erneut Regie führt, schließt geradewegs an „Batman Begins“ an. Batman (Christian Bale) ist so sehr zum Symbol für die Kriminalitätsbekämpfung in Gotham City geworden, dass mittlerweile etliche Nachahmer im Fledermaus-Kostüm auf Verbrecherjagd durch die Stadt gehen.

Bieten diese Trittbrettfahrer Batman kaum ernstzunehmende Hilfe, so kann er im Kampf gegen die Unterwelt auf zwei Männer wirklich zählen: Lieutenant Jim Gordon (Gary Oldman) und Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) sind ebenfalls entschlossen, gegen jegliche Verbrechen, also auch gegen Korruption in den eigenen Reihen vorzugehen.

Plötzlich taucht in der Stadt ein besonders skrupelloser, ja psychopathischer Krimineller auf, der sich Joker (Heath Ledger) nennt. Mit sardonischem Lächeln geht er buchstäblich über Leichen. Eine Kostprobe davon liefert er etwa bereits beim schnellgeschnittenen Bankraub, der die Eröffnungssequenz des Filmes bildet. Der Joker sorgt dafür, dass sich seine Komplizen gegenseitig beseitigen. Besonders schwer zu bekämpfen ist er deshalb, weil er nur Chaos und Verwüstung anrichten will. „Manche Männer suchen nicht nach irgendetwas Logischem wie Geld. Sie wollen die Welt einfach brennen sehen“, bemerkt dazu Alfred (Michael Caine), der Butler und Ersatzvater von Multimillionär Bruce Wayne alias Batman.

„The Dark Knight“ verknüpft wie „Batman Begins“ oder auch die rezenten Verfilmungen der Comic-Figuren „Spider Man“ und „Iron Man“ ein realistisches Produktionsdesign mit rasant inszenierten Action- und blitzschnell geschnittenen Kampfszenen, die aus den unterschiedlichsten oder auch unwahrscheinlichsten Blickwinkeln gefilmt werden.

Weitaus interessanter als diese formal-filmischen Fragen nehmen sich jedoch die moralischen Verwicklungen von „The Dark Knight“ aus. Der Joker tritt als regelrechter Versucher auf, der sowohl bei Batman als auch beim Staatsanwalt die Grenze von Rache und Gerechtigkeit durchlässig machen, deren zweites Gesicht zutage fördern will. „Für die andern bist Du nur ein Freak. Wie ich“, lautet etwa eine seiner Einflüsterungen Batman gegenüber. In einer ungemein spannenden Nebenhandlung stellt Joker gar Hunderte von Menschen vor eine schwierige moralische Entscheidung.

Würde Batman der Versuchung der Selbstjustiz unterliegen, würde er sich über die eigenen Regeln stellen, dann hätte der Joker schon gewonnen. Dann würde der Versucher mit dem Ausspruch „Entweder stirbt man als Held ... oder man lebt so lange, bis man selbst zum Schurken wird“ Recht behalten. Darin liegt der Konflikt, mit dem sich Batman auseinandersetzen muss. Wie in „Spider-Man 2“, aber etwa auch in „Der Herr der Ringe“ lautet auch hier die Botschaft: Die eigentlichen Kämpfe werden im Inneren eines jeden ausgefochten. Die schwierigste Konfrontation liefert sich Batman mit sich selbst, um nicht am Ende genau das zu werden, was er bekämpfen wollte.

„The Dark Knight“ bricht zurzeit in den Vereinigten Staaten alle Kassenrekorde. Dazu trägt zwar sicherlich auch der makabre Umstand bei, dass Heath Ledger, der hier mit wohl dosierten Manierismen eine grandiose schauspielerische Leistung liefert, kurz nach den Dreharbeiten an einer Medikamenten-Überdosis starb.

Seinen wahren Triumphzug hat jedoch „The Dark Knight“ ohnehin aus rein filmischen Gesichtspunkten verdient. Denn diese Verschmelzung von wirklich brillanten filmischen Mitteln mit tiefgreifenden menschlichen Fragen war bislang mit Ausnahme von „Spider-Man 2“ kaum einer anderen Comicverfilmung so vollendet geglückt.

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