Würzburg

DER DICKE HUND: Werbesendung für „Maria 2.0“

Bereits der Titel des Films "Die Kirchenrebellinnen", den Das Erste (ARD) am Sonntag ausstrahlte, ließ erahnen, dass der Beitrag eine Werbesendung für die Protestbewegung sein soll.
Proteste von Maria 2.0
Foto: Patrick Seeger (dpa) | Priester laufen an Teilnehmerinnen der Protestaktion katholischer Frauen im Rahmen der "Maria 2.0"-Aktionen vorbei. Sie halten ein Plakat mit der Aufschrift "Wer spaltet hier".

Bereits der Titel des halbstündigen ARD-Filmbeitrags „Die Kirchenrebellinnen – Maria 2.0“ von Henriette Bornkamp und Heike Fink, die Das Erste am Sonntag um 17.30 Uhr ausstrahlte, ließ erahnen, dass der Film eine regelrechte Werbesendung für die Protestbewegung werden sollte. Diesen Eindruck verstärkte der Ankündigungstext: Der Film wolle „die aktuelle, hochbrisante Kontroverse um die Stellung der Frau in der katholischen Kirche und um die vieldiskutierten Reformen“ dokumentieren. Es gehe um „die maroden Strukturen“ in der Kirche. „Gläubige fordern eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle und absolute Geschlechtergerechtigkeit bis hin zur Öffnung der Weiheämter für Frauen.“ Die katholische Kirche befinde sich „in einer der schwersten Krisen ihrer Geschichte“. Und wie die Krise zu bewältigen sei, wissen die Filmemacherinnen bereits: „Weltweit wird gefordert, die Machtstrukturen des exklusiven Männerzirkels aufzubrechen.“

Im Beitrag geht es ausschließlich um „Macht“. „Maria 2.0“-Mitinitiatorin Andrea Voss-Frick: „Das wichtigste Argument für mich ist: Auf je mehr Schultern Macht verteilt ist, desto weniger groß ist die Gefahr, dass diese Macht missbraucht werden kann.“ Der Missbrauchsskandal wird als Anlass für die Protestbewegung ausgegeben. Mit-Initiatorin Lisa Kötter erklärt, dass es nicht um das Versagen von Einzelnen gehe. Vielmehr: „Die Strukturen begünstigten das Böse.“ Deshalb forderten sie, was der Zuschauer längst vor der Sendung wusste: Erstens Reformen in der Kirche, zweitens Zugang der Frauen zu allen (Weihe-)Ämtern und drittens Abschaffung des Pflichtzölibats.

„Journalistische Ausgewogenheit sieht anders aus.“

Der Ankündigungstext ließ allerdings zunächst einmal hoffen, dass Argumente ausgetauscht werden könnten: „Zu Wort kommen auch Johanna Stöhr, Initiatorin der Gegeninitiative ,Maria 1.0‘, und Weihbischof Schwaderlapp, erbitterte Gegner der Reformbewegung. Die Kontroverse wird angesichts des schwindenden Gehorsams von Frauen emotional geführt.“

Die angekündigte Kontroverse fand jedoch nicht statt: Die drei Frauen von „Maria 1.0“ hatten ganze zwei Minuten Sendezeit; die Wiedergabe eines Satzes aus dem Schreiben von Johannes Paul II. „Ordinatio sacerdotalis“ (1984), ein Kurzinterview mit Weihbischof Schwaderlapp sowie je ein Satz von Bischof Voderholzer und von Kardinal Woelki zusammengenommen 72 Sekunden. Mehr als ein Feigenblatt waren sie deshalb nicht. Statt für eine Diskussion griffen die Filmemacherinnen die Aussage einer Vertreterin von „Maria 1.0“ („Wir haben nicht zu tun mit einer Strukturkrise, sondern in Wirklichkeit haben wir eine Krise des Glaubens“) als Vorlage auf, damit Andrea Voss-Frick sie niederschmettern konnte: „Zu leugnen, dass es strukturelle Veränderungen geben muss in der Kirche, spricht aus meiner Sicht den Opfern Hohn, weil in diesen Strukturen dieses Grauen stattgefunden hat.“ Auf die Aussagen von Johannes Paul II. und der drei Bischöfe wurde ohnehin nicht eingegangen.

Stimmungsmache statt Ausgewogenheit

Dass ein halbstündiger Filmbeitrag, der für eine bestimmte Position kräftig Stimmung macht, der Gegenposition drei Minuten und zwölf Sekunden einräumt, spricht nicht gerade für Dialogbereitschaft. Journalistische Ausgewogenheit sieht anders aus.

Dass aber diese Gegenposition, zu der ein päpstliches Lehrschreiben und handfeste Argumente gehören, lediglich mit dem Satz „Diesem Gegenwind trotzen immer mehr Katholiken und katholische Frauenverbände“ quittiert wird, ohne sich für die darin vorgebrachten Argumente zu interessieren, das ist ein dicker Hund.

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