Den Sinn für Realitäten schärfen

In Berlin wurde das Magazin „CATO“ vorgestellt, das Orientierung für Politik, Kultur und Familie geben will. Von Katrin Krips-Schmidt
Foto: Krips-Schmidt | Titelblatt von „CATO“ – die Startnummer behandelt die Zukunft der Republik.
Foto: Krips-Schmidt | Titelblatt von „CATO“ – die Startnummer behandelt die Zukunft der Republik.

In gesellschaftlichen und politischen Phasen der Krise erleben konservative Zeitungen und Zeitschriften eine Blütezeit. Kaum erschienen, hat das neue Magazin „CATO“, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde und ab morgen im Handel zu erwerben ist, bereits einen prominenten Platz in der Zeitschriften-Auslage der „Bibliothek des Konservatismus“ gefunden. Zwischen konservativen Journalen wie „Cicero“, „Tichys Einblick“ und der Schweizer „Weltwoche“ platziert, die schon seit längerer Zeit im konservativen Marktsegment eine feste Größe darstellen, und den weniger öffentlich zugänglichen Titeln wie „Sezession“ und „Tumult“, deutet sich an, welche Richtung Verlag und Chefredakteur Andreas Lombard mit ihrem „Magazin für neue Sachlichkeit“ (so der Untertitel) einschlagen: „CATO“ möchte nicht nur Information, sondern auch Orientierung im Hinblick auf Politik, Kultur, Religion, Alltag und Familie bieten. Dennoch zeigt sich der ständige Mitarbeiter des Magazins, der Historiker Karlheinz Weißmann, der auch die Idee zum neuen Magazin hatte, bei der Präsentation offen für ein breites Spektrum an Sichtweisen. Denn Weißmann ist überzeugt, dass es im eigenen konservativen Lager verschiedene Perspektiven auf die Themen geben könne. Denn, „wie alle guten Konservativen sind wir keine Ideologen“, erklärt Weißmann. Der bekannte Autor und Gymnasiallehrer unterrichtet am Gymnasium Corvinianum im niedersächsischen Northeim evangelische Religion und Geschichte.

Chefredakteur Andreas Lombard, der sich bis zum Frühjahr dieses Jahres unter anderem mit der Leitung des Manuskriptum Verlages seine Meriten verdiente, möchte auf die Tendenz der neuen Publikation das Wort des katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar von einer „geheiligten Parteilichkeit“ angewandt wissen. Lombard zufolge gehe es in einer Zeit, die von ideologischen Denkmustern geprägt sei, um „Überzeitliches“, um „Menschengemäßes“, darum zu zeigen, „wie der Mensch ist, und nicht, wie er sein soll“. „Die größte Gefahr in der Moderne“, so zitiert er Hannah Arendt, „geht nicht von der Anziehungskraft nationalistischer oder rassistischer Ideologien aus, sondern von dem Verlust an Wirklichkeit.“ Denn, so Arendt weiter: „Wenn der Widerstand durch die Realität fehlt, dann wird prinzipiell alles möglich.“ „CATO“ ist also kein Wohlfühlmagazin, sondern bietet Stoff, an dem man sich reiben kann. Als Zielpublikum werden vielseitig interessierte und gebildete Leser aller Altersgruppen in den Blick genommen.

Beim ersten Durchblättern des großformatigen 100-seitigen Journals ist der Leser überrascht. Er hält kein protziges Hochglanzmagazin in der Hand, das Verhältnis von Bild und Text ist ausgewogen, die dezent elegante Erscheinung des Layouts erfreut das Auge. Doch nicht nur die ästhetische Gestaltung spricht an, ebenso überzeugt der Inhalt – ausdrücklich sei auf die erstaunliche Themenvielfalt hingewiesen. Wobei die breite Palette nicht auf Kosten der Tiefe der einzelnen Beiträge geht. Gewiss, die Premierennummer muss sich ganz besonders fein herausmachen, muss gleich zu Anfang alles in die Waagschale legen, um Leser und Abonnenten anzuziehen. Dies ist rundum gelungen. Schwerpunkt der ersten Ausgabe ist die „Zukunft der Republik“. So lässt etwa der belgische Althistoriker David Engels mit seinem Beitrag „Catos Tragik“ über Cato den Jüngeren die Vorbildfunktion des konservativen Politikers in der Endzeit der römischen Republik für die Namensgebung des Zeitschriftenprojekts aufscheinen und spannt damit den Bogen vom Verfall der Republik der Antike zur bundesdeutschen Gegenwart. Weißmann widmet sich der seit der Entscheidung zum Brexit veränderten Situation in England. Mit dem „Sommertheater“ um den Historiker Rolf Peter Sieferle beschäftigt sich Andreas Lombard. Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld erzählt die Geschichte des Krieges im Nahen Osten. „Lügen oder nicht lügen“ von Nicolaus Fest argumentiert anhand von Beispielen, wie der Vorwurf, Medien seien tendenziös, sie ließen aus und verfälschten, entstehen konnte. Josef Kraus, der frühere Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kritisiert eine sogenannte „gerechte“ Bildungspolitik.

Dass „CATO“ anders ist als andere Magazine, und auch Orientierung gibt und Wege bahnt für einen jüngeren oder sich bislang als noch nicht „konservativ“ verortenden Leserkreis, zeigt sich etwa unter der Rubrik „Gefährdete Gesten“. Dort erklärt Alexander Pschera, der für die aktuelle Ausgabe ferner ein Porträt des Politikers Walther Rathenau verfasste, was es mit dem Überhandnehmen des Umarmens als Begrüßungsgestus auf sich hat und weshalb das Händeschütteln außerhalb eines intimen Freundeskreises eine durchaus beizubehaltende Gepflogenheit sei. In der Rubrik „Was ist deutsch?“ soll das Bewusstsein für deutsche Kultur, Tradition und Geschichte an ausgewählten Beispielen – aus der Architektur, der Kunst, der Literatur et cetera – gepflegt werden. Essays, Buchrezensionen, Interviews und „Hausbesuche“ runden das Angebot ab.

„CATO“, das alle zwei Monate erscheinen soll und dessen bisheriger Alleingesellschafter übrigens die „Junge Freiheit“ ist, ging mit einer Erstauflage von 50 000 Exemplaren an den Start, wovon alleine 32 000 Stück vom Zeitungshandel geordert wurden. Darüber hinaus sind Salonveranstaltungen und -gespräche geplant. Ein vielversprechender Anfang.

CATO-Verlag, Fasanenstraße 4, 1 06 23 Berlin; www.cato-magazin.de

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