Den Kaiser mit einem Edelstein zum Leben erweckt

Actionspektakel und nicht immer gelungene Komik: „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“

Der Erfolg der „Indiana Jones“-Fortsetzung „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (DT vom 24. Mai), der weltweit mehr als 744 Millionen Dollar eingenommen hat und auch bei der Kritik vorwiegend positiv aufgenommen wurde, ruft auch weitere Geschäftsmodelle auf den Plan. Mit der Fortsetzung „Die Mumie 3 – Das Grabmal des Drachenkaisers“ soll nach dem Willen des Universal-Studios an die Erfolge von „Die Mumie“ (1999) und „Die Mumie kehrt zurück“ (2001) angeknüpft werden.

Statt in Ägypten ist allerdings der dritte „Mumie“-Film in China angesiedelt. In einer überlangen Einführungssequenz wird die Legende des Kaisers Han (Jet Li) als Vorgeschichte zum „Grabmal des Drachenkaisers“ erzählt: Vor 2 000 Jahren lebte ein furchterregender chinesischer Kaiser, der die Unsterblichkeit erreichen wollte. Dazu ließ er die Hexe Zi Yuan (Michelle Yeoh) zu sich kommen, die das Geheimnis des ewigen Lebens kannte. Weil sich aber ein General des Kaisers in die Hexe verliebte, und der „Drachenkaiser“ seinen bis dahin treuen General deshalb töten ließ, verwandelte die Hexe Kaiser Han und seine 10 000 Mann zählende Armee in Terrakotta und mauerte sie ein, auf dass er an diesem unwirtlichen Ort ewig verbannt bleibe.

An diese eher unorthodoxe Erklärung für die Entstehung der Terrakotta-Armee des ersten Kaisers von China, der allerdings in Wirklichkeit Qin hieß und im 3. Jahrhundert vor Christus lebte, knüpft Rob Cohens dritter „Mumie“-Film nach einem etwa zweitausendjährigen Sprung an.

Denn kurz nach dem Zweiten Weltkrieg macht der junge Archäologe Alex O'Connell (Luke Ford) einen sensationellen Fund: Bei Ausgrabungen in China stößt er auf die Terrakotta-Armee, und damit auch auf den verfluchten Kaiser. Damit weckt er freilich auch die Ambitionen eines chinesischen Generals, der den Kaiser zum neuen Leben erwecken will, um nichts Geringeres als die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Dafür benötigt er jedoch einen magischen Edelstein, den ausgerechnet Alex' Eltern im Auftrag der britischen Regierung nach Shanghai bringen sollen. Alex' Eltern sind natürlich niemand anders als die Abenteurer-Archäologen Rick (Brendan Fraser) und Evelyn O'Connell (Maria Bello). So schließt sich nun der Kreis, denn die O'Connells hatten in den beiden ersten „Mumien“-Filmen in Ägypten allerlei Abenteuer bestanden.

In „Die Mumie 3 – Das Grabmal des Drachenkaisers“ irgendwelche Logik einzufordern, wäre sicher fehl am Platz. Und zwar auf allen Handlungsebenen – so wurde beispielsweise die echte Terrakotta-Armee des Kaisers Qin erst 1974 entdeckt. Wie beim offensichtlichen Vorbild, den „Indiana Jones“-Filmen, geht es bei der „Mumie“-Serie indes vor allem um Action. Und davon kann auch der dritte „Mumie“-Film reichlich bieten: Atemberaubende Verfolgungsjagden mit allerlei pyrotechnischen Explosionen und Kämpfen reihen sich nahezu endlos aneinander an.

Ein Element, das insbesondere aus dem vierten „Indiana Jones“-Film entnommen wurde, ist die Figur des Sohnes. So werden die zu bestehenden Gefahren sowohl bei den Jones als auch bei den O'Connells zum Abenteuer für die ganze Familie.

Über das „Indiana Jones“-Filmen entnommene Hauptmotiv der Abenteuer-Archäologie hinaus sind Rob Cohens Film weitere visuelle Einflüsse anzumerken. So lehnt sich der Regisseur etwa bei den Massenschlachten zwischen der Terrakotta-Armee und einem Heer aus den wiederauferstandenen Soldaten und Arbeitern, die der grausame Kaiser einst unter den Fundamenten der chinesischen Mauer begraben ließ, ganz offensichtlich an die „Der Herr der Ringe“-Filme an.

Ein kurzweiliger Spaß

Bei den Zweikämpfen greift Cohen auf die superschnell geschnittenen Szenen zurück, die zurzeit im Kino Konjunktur haben (so gesehen zuletzt in „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“, DT vom 29. Juli), die ja eine gewisse Distanz zum brutalen Geschehen schaffen.

Zu einem solchen Action-Spektakel mit schlichtweg haarsträubender Handlung gehört eine genretypische Selbstironie, von der „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ zu Beginn eine Kostprobe gibt, als Evelyn ein Buch über ihre ersten „Mumie-Abenteuer“ vorstellt. Aus dem Publikum kommt dann prompt die Frage: „Wird es eine Fortsetzung geben?“ Die erlebt der Zuschauer sofort.

Das Gleichgewicht zwischen Situations- beziehungsweise selbstironischer Komik und atemberaubender Action gelingt „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ zwar nicht so leichtfüßig wie „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Ein kurzweiliger Spaß für die Freunde des „Popcorn“-Kinos ist Rob Cohens Film aber auf jeden Fall geworden.

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